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Legionellen in Dresdner Vonovia-Wohnungen

In mehreren Häusern des Großvermieters Vonovia sind Bakterien im Wasser entdeckt worden. Es herrscht Duschverbot. Zwei Mieter sind besonders betroffen.

Von Christoph Springer & Juliane Just
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Das ist den Bewohnern der betroffenen Vonovia-Häuser derzeit verboten.
Das ist den Bewohnern der betroffenen Vonovia-Häuser derzeit verboten. © SZ/Christoph Springer

Dresden. Der Immobilienkonzern Vonovia warnt: In mehreren Häusern in der Südvorstadt besteht Legionellen-Gefahr. Das Duschen ist verboten. Der Grund: In zwei Wohnungen wurden die Bakterien im Wasser entdeckt. Das hat nun Folgen für die Vermieter.

Es geht um mehrere drei- und vierstöckige Häuser im Geviert zwischen Nürnberger Straße, Budapester Straße und Bergstraße. Dort hängen Warnzettel der Vonovia mit der Überschrift "Der Technische Service informiert". Dann folgt eine "wichtige Mitteilung". Sie lautet: "In Ihrer Trinkwasserversorgungsanlage wurden Überschreitungen des sogenannten 'technischen Maßnahmewertes' für Legionellen ... festgestellt." Es handele sich um eine "extrem hohe Kontamination". An diesem Freitagvormittag bis 12 Uhr sei das Duschen verboten. Auch das Wasserkochen soll vermieden werden, denn der dabei entstehende Wasserdampf ist genauso gefährlich.

Die Warnung betrifft die Häuser Leubnitzer Straße 13 und 15, Altenzeller Straße 13 und 15 sowie Hohe Straße 14 bis 18, insgesamt rund 50 Wohnungen. Vonovia-Sprecher Matthias Wulff sagt: "In zwei Wohnungen wurden erhöhte Grenzwerte festgestellt." Daraus folge eine "Kaskade" von Maßnahmen. Wer in den Wohnungen zu Hause ist, sagte er nicht.

Dieser Warnhinweis hängt in den Häusern in der Südvorstadt.
Dieser Warnhinweis hängt in den Häusern in der Südvorstadt. © privat

Zwei Mieter der Leubnitzer Straße 13 fühlten sich durch einen angebrachten Aushang im Hausflur gut informiert und hielten sich an das dort verordnete Duschverbot. Der Hinweis sei sichtbar für alle Mieter angebracht worden, trotzdem gibt es auch Kritik. "Es wäre besser gewesen, die Hausverwaltung hätte den Hinweis in den Briefkasten gelegt. Das war ungünstig", sagt Stephan Fritzsche.

Nachbarin Marie Hoffmann informierte sich nach Lesen des Hinweises übers Internet, worum es sich bei Legionellen überhaupt handelt. "Ich habe mich gewundert, warum ich das Wasser trinken, aber nicht duschen darf", sagt sie. Bei beiden Mietern wurde der Duschfilter Freitagvormittag ausgetauscht.

Gefahr einer Lungenentzündung

Wulff weiter: "Wenn an Entnahmestelle längere Zeit, also zum Beispiel vier Wochen, kein Wasser entnommen wurde, können sich Legionellen bilden." Das sind gesundheitsgefährdende Bakterien, die in Wasser vorkommen können, auch im Trinkwasser. Gefährlich würden sie dann, wenn Aerosole eingeatmet würden, erklärt Wulff. Wer also feinste Tröpfchen einatmet, wie sie beim Duschen entstehen, geht dann ein Risiko ein. Er könnte an Legionellose, einer Form der Lungenentzündung erkranken. Läuft das Wasser aus einem Wasserhahn, besteht diese Gefahr nicht.

"Wir haben eine Beprobung gemacht und die entsprechenden Ergebnisse nur an den zwei Entnahmestellen gehabt", sagt Wulff. Das heißt, in den meisten Wohnungen wurde das Duschen vorsorglich verboten.

Vonovia liefert Ersatzteile

Nun muss Vonovia handeln. Alle betroffenen Mieter bekommen neue Duschköpfe. Sie sollen an diesem Freitagvormittag ausgetauscht werden. Wer in dieser Zeit nicht zu Hause ist, soll seinen Duschkopf möglichst selbst abschrauben und in einer Plastiktüte vor die Tür legen. Später findet vor der Tür den neuen Duschkopf. Bis Mittag soll diese Tauschaktion abgeschlossen sein.

Laut Wulff handelt es sich bei den neuen Duschköpfen um spezielle Ersatzteile. Sie enthalten "Sterilfilter", informiert die Vonovia auf den Hinweiszetteln in den betroffenen Häusern. Bis in den zwei betroffenen Wohnungen wieder der Normalzustand einkehrt, wird es aber noch dauern. Sie müssen "freigemessen" werden, "das kann ein paar Wochen dauern", sagt der Vonovia-Sprecher.

Jährlich hunderte Anlagen in Dresden befallen

Nicht nur die Vonovia-Mieter in der Südvorstadt sind von Legionellen-Befall ihrer Trinkwasseranlage betroffen. Dem Gesundheitsamt sind in den vergangenen Jahren immer häufiger Grenzwertüberschreitungen gemeldet worden. Waren es 2013 noch 245 Anlagen, in denen zu viele Bakterien festgestellt wurden, so erhielt die Stadt im vergangenen Jahr 995 Anzeigen. Bis Ende September dieses Jahres waren bereits 515 Erwärmungsanlagen betroffen, teilt die Verwaltung auf Anfrage mit.

Vermieter, die eine Großanlage zur Trinkwassererwärmung betreiben, müssen das Trinkwasser routinemäßig alle drei Jahre untersuchen lassen. Wird der Grenzwert überschritten, so sind die Vermieter verpflichtet, dies dem Gesundheitsamt zu melden.

Die Gefahr, sich tatsächlich mit Legionellen zu infizieren, ist durchaus vorhanden: In den vergangenen fünf Jahren erkrankten in Dresden nachweislich 28 Menschen an Legionellose davon vier in diesem Jahr, wie eine Abfrage beim Robert-Koch-Institut (RKI) ergeben hat. Die Krankheit, die sich aus einer Infektion mit Legionellen ergeben kann, ist meist durch eine Lungenentzündung gekennzeichnet. Rechtzeitig erkannt, schlägt eine Antibiotika-Therapie gut an. In etwa fünf Prozent der Fälle, die 2020 deutschlandweit erfasst wurden, endete die Erkrankung tödlich, so das RKI. Ältere sind besonders gefährdet. In der Regel vergehen nur wenige Tage zwischen der Infektion und ersten, heftigen Symptomen, die anfangs sehr einer echten Grippe ähneln.

Besonders gut vermehren sich Legionellen im Wasser, das zwischen 25 und 45 Grad warm ist, so der Dresdner Wasserversorger Sachsen-Energie. Ab 60 Grad würden sie absterben. Vermieter müssten in jedem Fall ein akkreditiertes Trinkwasserlabor mit der Untersuchung beauftragen.