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Wie lange bleiben Dresdens Schulen geöffnet?

Vier Schüler sind Corona positiv getestet, hunderte Mitschüler befinden sich deshalb in Quarantäne. Welche Regeln für Schulschließungen gelten.

Quarantäne statt Schulschließungen: Sachsen hält am sogenannten Stufenplan fest.
Quarantäne statt Schulschließungen: Sachsen hält am sogenannten Stufenplan fest. © Symbolfoto: dpa

Dresden. Mehrere Hundert Kinder dürfen derzeit nicht das Haus verlassen. Grund: Seit Schuljahresbeginn gab es an ihren Schulen einen Mitschüler, der sich mit dem neuartigen Coronavirus angesteckt hat. Das Sächsische Kultusministerium schließt ganze Schulschließungen dennoch aus. Das sind die wichtigsten Fragen und Antworten.

Welche Dresdner Schulen sind derzeit betroffen?

Mit Stand vom Montag sind vier Dresdner Schulen betroffen - das Cottaer Gymnasium, das St. Benno-Gymnasium, die 25. Grundschule in Striesen sowie seit Freitag letzter Woche auch die 19. Grundschule "Am Jägerpark". In allen Fällen handelt es sich um jeweils einen Schüler, der sich angesteckt hat.

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Wie viele Kinder und Jugendliche sind in Quarantäne?

Aktuell befinden sich rund 230 Schüler in Quarantäne, wie die Stadt am Montag mitteilte. Das betrifft aber nur die beiden Gymnasien sowie die Striesener Grundschule. Bei der Jägerpark-Schule würden immer noch die Personen ermittelt, die engen Kontakt zu dem betroffenen Schüler hatten. Am St. Benno-Gymnasium wurden die elften Klassen, drei Schüler der zwölften Klasse, drei Lehrer und die Familie des Schülers unter Quarantäne gestellt. Insgesamt geht es hier um rund 100 Quarantäne-Bescheide. Ebenso viele sind es am Cottaer Gymnasium, wo ebenfalls alle Elftklässler zu Hause lernen müssen. Durch Zufall, im Rahmen einer Corona-Studie, war der Fall an der 25. Grundschule in Striesen entdeckt worden. Dort sind die Schüler einer dritten Klasse sowie eine Lehrerin und eine Hort-Erzieherin isoliert.

Haben sich weitere Kinder angesteckt?

Sowohl bei den Kindern, die sich jetzt in Quarantäne befinden, als auch bei den Mitschülern, die weiterhin im Klassenzimmer unterrichtet werden, gibt es keine weiteren positiven Tests, so die Stadt. Wer sich in Quarantäne befindet, wird nicht standardmäßig getestet, lediglich, wenn Symptome wie trockener Husten, Fieber oder der Verlust des Geschmacks- und Geruchssinns auftreten sollte.

Wie viele Kinder und Jugendliche haben sich seit dem Frühjahr insgesamt angesteckt?

Von den insgesamt 754 Infektionen in Dresden entfallen genau 40 auf Kinder und Jugendliche bis zu 19 Jahren. Davon wurden 23 Infektionen zwischen Anfang März und Ende Juli gemeldet, also in einem Zeitraum von fünf Monaten. Demgegenüber verzeichnet das Robert-Koch-Institut 17 Infektionen für die Zeit von Anfang August bis zum 13. September, also innerhalb von eineinhalb Monaten.

Insgesamt lässt sich ablesen, dass die Fallzahlen mit zunehmendem Alter steigen. So gab es im Grundschulalter seit Pandemie-Beginn lediglich sechs nachgewiesene Fälle, bei Kindern und Jugendlichen zwischen 16 und 19 Jahren waren es zusammen 20.

Wie lange soll der Regelbetrieb aufrechterhalten werden?

Viele Eltern fragen sich, wie lange der Regelbetrieb angesichts der bereits nach zwei Schulwochen betroffenen vier Schulen aufrechterhalten werden soll. Susann Meerheim, Sprecherin des Sächsischen Kultusministeriums, beruft sich auf SZ-Anfrage auf die Fallzahlen und den Stufenplan vom Ministerium. Der Stufenplan basiert auf Neuinfektionen bezogen auf 100.000 Einwohner und einem Zeitraum von sieben Tagen: Bei Fallzahlen von bis zu 20 Neuinfektionen sei grundsätzlich von einer Normallage auszugehen. 

"In der Regel bleiben Kindertageseinrichtungen/Kindertagespflegestellen und Schulen geöffnet, wenn Schulen und Einrichtungen der Kindertagesbetreuung vom Infektionsgeschehen betroffen sind", so Meerheim. Es könne aber, wie in Dresden geschehen, zur Anordnung von Quarantäne für einzelne Schüler oder Lehrer sowie von Gruppen und Klassen kommen. Arbeitet eine Kita oder ein Hort mit einem offenem oder teiloffenem Konzept, so könne auch die gesamte Einrichtung geschlossen werden.

Ein eingeschränkter Regelbetrieb wie von Mai bis zu den Sommerferien mit geteilten Klassen oder Hauptfächer-Unterricht bei den Klassenleitern sei laut Meerheim derzeit im Stufenplan nicht vorgesehen. Ein komplette Schließung von einzelnen oder mehreren Schulen sei ab 36 Fällen möglich. In Dresden gab es in den vergangenen sieben Tagen etwa sechs Neu-Infektionen bezogen auf 100.000 Einwohner.

Wer entscheidet über die Quarantäne?

Das Gesundheitsamt orientiert sich an den Richtlinien des Robert-Koch-Instituts. Dieses unterscheidet nach Personen, die engen Kontakt mit einem Infizierten hatten und damit einem erhöhten Ansteckungsrisiko ausgesetzt waren, und Personen, die nur einen geringen Kontakt hatten.

Zur ersten Kategorie werden Menschen gezählt, die einen mindestens 15-minütigen Gesichtskontakt zu einem Infizierten hatten, zum Beispiel im Rahmen eines Gesprächs. Dazu gehören etwa Personen aus demselben Haushalt. Außerdem können Personen dazu gezählt werden, die sich über 30 Minuten in einem Raum mit einem Infizierten aufhielten, in dem eine höhere Aerosol-Konzentration herrschte, etwa bei einer Feier oder einer Chorprobe, wo verstärkt ausgeatmet wird. Auch Kita-Gruppen in beengten Räume werden in diese Kategorie einsortiert. Die Betroffenen müssen sich in eine zweiwöchige Quarantäne begeben.

Anders ist das bei Personen der zweiten Kategorie. Dort heißt es, dass Personen, die sich zwar im selben Raum wie ein Infizierter, zum Beispiel einem Klassenzimmer, aufgehalten haben, aber keinen Gesichtskontakt mit ihm hatten, der länger als 15 Minuten dauerte, nur einem geringen Infektionsrisiko ausgesetzt gewesen seien. Eine Quarantäne wird demnach nicht empfohlen.

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