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"Anstieg der Kraftstoffpreise ist katastrophal"

Dresdner Handwerker, Spediteure, aber auch Bus- und Taxiunternehmen leiden unter den hohen Spritpreisen. Werden die Kosten jetzt auf die Kunden umgelegt?

Von Julia Vollmer & Sandro Rahrisch & Juliane Just
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Dresdner Handwerker zahlen zurzeit ordentlich drauf, wenn sie zu Baustellen fahren.
Dresdner Handwerker zahlen zurzeit ordentlich drauf, wenn sie zu Baustellen fahren. © dpa/Rolf Vennenbernd (Symbolfoto)

Dresden. Noch nie war Autofahren so teuer wie in diesen Tagen. Die Spritpreise haben einen Rekord erreicht – auch in Dresden. Pendler bekommen das zu spüren, aber auch Unternehmen, die von morgens bis abends mit Pkw oder Transporter unterwegs sind. Dazu gehören Handwerker und ambulante Pflegekräfte. Wie lange können sie sich die hohen Spritpreise noch leisten? Müssen die Kunden am Ende draufzahlen?

Was kosten Benzin und Diesel aktuell?

Die Dresdner Tankstellen sind vergleichsweise teuer in den Freitag gestartet. Im Schnitt kostete der Liter Benzin (E5) am Morgen 1,760 Euro, wie aus den Daten der Markttransparenzstelle hervorgeht. Im Tagesschnitt kostete der Liter am Donnerstag 1,728 Euro in Dresden. Zum Vergleich: Vor genau einem Monat waren es noch 1,628 Euro.

Auch der Dieselpreis ist in den vergangenen Wochen kräftig gestiegen: Kostete der Liter Ende September noch 1,414 Euro, so waren es am Donnerstag durchschnittlich 1,545 Euro. Am Freitagmorgen waren es 1,567 Euro.

Der statistisch gesehen günstigste Tag zum Tanken in Dresden ist übrigens der Freitag, und zwar in Richtung Nachmittag und Abend.

Verglichen mit anderen Städten in Sachsen schneidet Dresden nicht überdurchschnittlich teurer ab. Leipzig lag mit den Preisen am Freitag sogar darüber, Chemnitz etwas darunter.

Können das Handwerksbetriebe noch bezahlen?

Natürlich sind auch die Handwerksbetriebe betroffen, sagt Daniel Bagehorn, Sprecher der Dresdner Handwerkskammer. Maurer fahren zu Baustellen, Bäcker beliefern Filialen, mobile Friseure, Kosmetiker und Gebäudereiniger erbringen ihre Dienstleistungen vor Ort. "Sie fahren oft größere Strecken."

Der schnelle und starke Anstieg der Kraftstoffpreise sei für die Unternehmen katastrophal, sagt auch Lars Fiehler, Sprecher der Dresdner Industrie- und Handelskammer. Wie eine jüngste Unternehmensbefragung gezeigt habe, würden 40 Prozent aller Firmen die Höhe der Kraftstoffreise als ernst zu nehmendes Risiko für ihre weitere Geschäftstätigkeit betrachten, sagt er. "Hinzu kommt, dass die Unternehmen selbst, egal ob groß oder klein, und fast egal, in welcher Branche, so gut wie keine Ausweichmöglichkeiten haben. Material und Ware müssen ausgeliefert werden, Kunden müssen transportiert werden", betont Fiehler. Einfach auf die Kunden umlegen ließen sich die Preise auch nicht. Darüber hinaus seien Bus- und Taxipreise fix.

Die Handwerker zahlen deshalb ordentlich drauf. "Das sind Mehrkosten, die wir nicht bezahlt bekommen", sagt beispielsweise André Richter. Er ist Geschäftsführer des Dresdner Unternehmens "Elektromeister Laganowski". 13 Mitarbeiter sind fast täglich mit sieben Fahrzeugen in Dresden und Umgebung unterwegs, da kommt einiges an Kilometern zusammen. Bei kleineren Kunden könne man die Anfahrtspauschale erhöhen, bei größeren Kunden ist das nicht machbar, da die Aufträge langfristig vergeben werden. Doch für dramatisch hält André Richter die Entwicklung nicht: "Durch die gute Auftragslage kann man die hohen Spritpreise abfedern."

Müssen die Dresdner höhere Dienstleister-Kosten fürchten?

Inzwischen ist es kein Geheimnis mehr, dass die Ticketpreise für Busse, Straßen- und S-Bahnen im kommenden Jahr steigen sollen. Von Erhöhungen zwischen durchschnittlich vier und zehn Prozent ist die Rede. Nicht nur höhere Personalkosten sind ursächlich. Auch Energie und Kraftstoff seien deutlich teurer geworden, so VVO-Sprecher Christian Schlemper. Das alles muss bezahlt werden. Und die Fahrgeldeinnahmen reichen dafür nicht.

"Die Stadtreinigung Dresden hat einen Wirtschaftsplan, in dem übliche Preissteigerungen berücksichtigt worden sind. Das heißt, Kostenschwankungen sind nicht kurzfristig, sondern immer im Durchschnitt für den Planungszeitraum zu betrachten", so Sprecherin Ines Träder. Statistisch gesehen verbraucht die Stadtreinigung Dresden für die gesamte Sammlung von Abfällen pro Jahr und Einwohner einen Liter Dieselkraftstoff.

In der Pflege können die Kosten nicht ohne Weiteres auf die Kunden umgelegt werden. Daher sei eine wirtschaftliche Mehrbelastung gegeben, sagt Johanniter-Sprecher Danilo Schulz. Aus diesem Grund werde nun noch sorgfältiger geplant. Bevorzugt werden neue Klienten, die in einem Gebiet leben, in dem es schon andere Klienten gibt, sodass die Fahrtwege kurz sind. "Gegebenenfalls müssen wir Klienten, die weiter entfernt von unseren Pflegediensten wohnen, ablehnen, oder versuchen, die Anfragen an Pflegedienste weiterzuvermitteln, welche in der Nähe der jeweiligen Neukunden liegen." Dies gelte aber nur bei Neuaufnahmen, versichert Schulz. "Die Versorgung der Klienten unserer Einrichtung ist sichergestellt und eine bedarfsgerechte, herzliche und adäquate Versorgung findet statt."

Überlegen die Unternehmen, auf E-Autos und E-Bikes umzusteigen?

Die Johanniter mit ihren mobilen Pflegediensten nutzen schon jeweils zwei E-Bikes und zwei E-Autos. "In Stadtverkehr bieten sich E-Autos an, E-Bikes nur bei Patienten, die nahe beieinander wohnen, da man ja immer ein gewisses Equipment mitführen muss. Der Vorteil bei E-Bikes ist: Man spart sich die Parkplatzsuche", sagt Sprecher Danilo Schulz.

Etwas gemischter sieht die Handwerkskammer die scheinbar günstigere Alternative. "Die Elektromobilität spielt durch das sich ausweitende Fahrzeugangebot eine wachsende Rolle im Handwerk", so Bagehorn. Jedoch fehle es derzeit beispielsweise an sofort verfügbaren Transportern mit Elektroantrieb. Zudem würden die begrenzte Reichweite sowie die bisher begrenzte Ladesäulen-Infrastruktur an vielen Stellen den Einsatz von Elektrofahrzeugen für Handwerksbetriebe noch nicht zulassen.

Das Thema E-Bikes spiele nur eine untergeordnete Rolle. "Der überwiegende Teil der Handwerker benötigt für die Arbeit Transportkapazitäten, die ein E-Bike nicht leisten kann, beziehungsweise muss er Strecken zurücklegen, die mit einem Rad nicht wirtschaftlich darstellbar sind", so Bagehorn weiter.

Für die städtische Reinigung und Abfallsammlung werden in der Hauptsache schwere Nutzfahrzeuge eingesetzt. Für diese Kategorie befinden sich mehrere Technologien für alternative Antriebe in der Entwicklungs-/Einführungsphase, so Frank Siebert, Geschäftsführer der Stadtreinigung. Bei leichteren Nutzfahrzeugen sei die Marktverfügbarkeit alternativer Antriebe schon besser gegeben. "In diesem Bereich findet in der Stadtreinigung Dresden bereits ein planmäßiger Austausch der Technik statt", sagt Siebert.