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Neues Viertel für Dresdner Friedrichstadt

Das alte Ostravorwerk soll bebaut werden. Welche Wünsche der Anwohner in die Pläne einfließen und wann der Bau beginnen könnte.

Zwischen Friedrich- und Magdeburger Straße sollen fünfgeschossige Neubauten entstehen. Aber auch historische Bausubstanz bleibt erhalten.
Zwischen Friedrich- und Magdeburger Straße sollen fünfgeschossige Neubauten entstehen. Aber auch historische Bausubstanz bleibt erhalten. © Visualisierung: Fuchshuber Architekten GmbH

Dresden. Die Friedrichstadt wächst weiter. Als einer der letzten Dresdner Stadtteile wandelt sich das Areal zwischen Ostragehege und Emerich-Ambros-Ufer seit einigen Jahren immer mehr vom Schmuddel- zum Wohn- und Geschäftsviertel. Alte Gebäude wurden saniert, Baulücken geschlossen, grüne Freiflächen und Spielplätze geschaffen. Nun soll eine weitere große Brachfläche verschwinden, die eng mit der Geschichte der Friedrichstadt verwoben ist.

Fast 400 Wohnungen für knapp 1.000 Menschen will die Marcolini Grundstücks GmbH auf der Fläche des ehemaligen Ostravorwerks bauen. Dazu kommen Läden, Büros, gastronomische Einrichtungen und anderes Gewerbe. Das Projekt bewegt die Gemüter - das zeigen Informationsveranstaltungen, die seit 2013 regelmäßig stattfinden. Die Dresdner wollen sich einbringen, wollen bei der Gestaltung mitreden.

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Zuletzt im Oktober 2020 hatten Anwohner der Friedrichstadt die Chance genutzt, ihre Wünsche für das neue Baugebiet an Stadtplanungsamt und Investor zu formulieren. In einer Petition, die mehr als 1.000 Mitstreiter unterzeichneten, betonte der Verein Quartier Friedrichstadt die historische Bedeutung des Areals, forderte zugleich aber auch Nachbesserungen in der Planung. Was Dresdens Baubürgermeister dazu sagt und wann der Investor mit den Arbeiten starten will.

Anwohnerkritik - hat die Petition etwas gebracht?

Im Oktober letzten Jahres hatten sich mehrere Friedrichstädter zusammengeschlossen und ihre Forderungen an den Investor in einer Online-Petition zusammengetragen. Und tatsächlich: Etliche der Punkte sollen umgesetzt werden, darunter auch die Forderung nach einer Kita. Dresdens Baubürgermeister Stephan Kühn (Grüne) bestätigt in seiner Stellungnahme zur Petition, dass der Eigenbetrieb Bedarf an weiteren Kita-Plätzen in der unterversorgten Friedrichstadt hat. Mit dem großen Wohngebiet würde sich dieser Bedarf weiter verschärfen.

Darauf sei bei den weiteren Planungen reagiert worden, so Kühn. "Demnach sieht der Planentwurf ein Baufeld an der Friedrichstraße zur Nutzung als Kita vor, welches durch den Eigenbetrieb Kindertageseinrichtungen als geeignet bewertet wurde." Wie das Ganze vertraglich geregelt wird und das Gebäude konkret aussehen soll, werde mit dem Vorhabenträger abgestimmt. Die Verpflichtung sei außerdem Bestandteil des Durchführungsvertrages, erläutert Kühn in seiner Stellungnahme.

Dabei sei die Kita schon länger Teil der Überlegungen gewesen, sagt Marcolini-Geschäftsführer Steffen Funk. "Diese Idee stammt von uns selbst, wir haben dafür schon einen Partner ins Boot geholt." Mindestens seit 2018 ist Funk mit dem Bauprojekt vertraut, damals übernahm er mit der Firma Immvest Wolff aus Leipzig das Grundstück samt Planungen von der Dresdner Firma Fira, die bereits 2010 erste Pläne für die neue Siedlung hatte und die Aufstellung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplans beantragte. 2012 folgte dem der Bauausschuss mit einem entsprechenden Beschluss.

Welche Änderungen gab es an den Plänen?

Vom Büro Fuchshuber Architekten ließ Steffen Funk die Pläne überarbeiten, die sich nun nicht nur mit der Kita deutlich verändert haben. So soll es auch Wegeverbindungen zwischen dem neuen Quartier und seinem Umfeld geben. Das bedeutet, dass die Kleingärtner, die ihre Parzellen nordöstlich des Baugebietes haben, die Gehwege dort nutzen können. Das neue Viertel wird über eine zentrale Quartiersstraße an die Friedrichstraße angebunden. Fußgänger und Radfahrer können das Areal durchqueren, da es auch eine Verbindung zur Magdeburger Straße und in Richtung Ostragehege gibt.

Funk erklärt, dass auch an der Magdeburger Straße umgeplant wurde. Zunächst sollte das Wohnviertel direkt an die Magdeburger Straße grenzen, nun bleibt der Grünstreifen dort erhalten. Was allein der Bürgerbeteiligung zu verdanken ist, sei der aufgeweitete Vorplatz gegenüber der Matthäuskirche, räumt Steffen Funk ein. Die Friedrichstädter hatten sich gewünscht, dass dieser Bereich als Eingang zum Stadtteil mehr Aufmerksamkeit bekommt und damit auch die Kirche besser sichtbar wird. Sie wurde nach Plänen des Zwingerbaumeisters Matthäus Daniel Pöppelmann gebaut.

Unverändert bleiben - anders als von den Anwohnern gewünscht - die Gebäudehöhen der Neubauten, die jeweils fünfgeschossig sein werden. Baubürgermeister Kühn erklärt, warum: "Die Höhen der geplanten Gebäude sind im Grundsatz von den für die historische Friedrichstadt typischen und vorherrschenden Gebäudehöhen abgeleitet." Zudem gebe es an der Friedrichstraße bis heute Gebäude, die noch höher sind. Die beiden großen Neubauten an der Friedrichstraße hätten zwar eine Firsthöhe von 22 Metern, allerdings würde sich in Richtung der beiden historischen Torhäuser ein einzelnes Haus mit einer Höhe von 14 Metern anschließen, und auch die Gebäude im Viertel selbst seien mit 16,50 Meter niedriger.

Wann könnten die ersten Bauarbeiten starten?

Nachdem sich der Bauausschuss Mitte Januar zum ersten Mal mit dem neuen Bebauungsplan befasst hat, wird das Gremium am 3. Februar erneut dazu tagen. Im besten Fall, so hofft Steffen Funk, stimmen die Stadträte im Bauausschuss den Plänen zu und machen damit die Offenlage der Unterlagen möglich. Dadurch gibt es für die Öffentlichkeit von Mitte Februar bis Mitte März erneut die Möglichkeit, Hinweise, Wünsche, Anregungen einzubringen. Außerdem soll ein 3-D-Modell der Anlage sowie der Umgebung ausgestellt werden.

Bereits am 20. Januar hatte der Stadtbezirksbeirat Altstadt dem Bauvorhaben mit großer Mehrheit zugestimmt, was als Empfehlung für den Bauausschuss gilt.

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Steffen Funk rechnet damit, dass bis Ende 2021 das Baurecht vorliegt, gut dreieinhalb Jahre dauert es dann, bis alles fertig ist. Gebaut wird entsprechend der drei Tiefgaragen in drei Bauabschnitten. Zur Investitionssumme will sich Funk nicht äußern, auch über Details zur späteren Vermietung könne er jetzt noch nichts sagen. Fest steht: 15 Prozent der Wohnfläche sollen als Sozialwohnungen vermietet werden.

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