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Dresden: "Grüner Heinrich" wird abgerissen

Die ehemalige Wohngebietsgaststätte in Gorbitz soll Platz für Wohnungen machen. Damit verschwindet auch der einzige Supermarkt am Amalie-Dietrich-Platz.

Der Flachbau, in dem sich früher der "Grüne Heinrich" befand, wird demnächst abgerissen. Der Märchenbrunnen im Vordergrund steht dagegen seit 2018 unter Denkmalschutz.
Der Flachbau, in dem sich früher der "Grüne Heinrich" befand, wird demnächst abgerissen. Der Märchenbrunnen im Vordergrund steht dagegen seit 2018 unter Denkmalschutz. © Marion Doering

Dresden. Vielen Dresdnern ist der "Grüne Heinrich" ein Begriff, denn er gehörte zu DDR-Zeiten zu den bekanntesten Gaststätten in der Stadt. Nun soll das Gebäude, in dem sich die Wohngebietsstätte einst befunden hat, abgerissen werden und Platz für neue Studentenwohnungen machen. Mit dem alten Komplex verschwindet am Amalie-Dietrich-Platz auch der Netto-Supermarkt - für viele ältere Bewohner ein Problem. Denn im Herzen von Gorbitz gibt es vergleichsweise wenig Möglichkeiten für den Lebensmitteleinkauf.

Ganz abgesehen vom Verlust des Discounters dürften viele Gorbitzer auch bedauern, dass mit dem Abriss ein Stück der Stadtteilgeschichte verschwindet. An dem Flachbau zeugt bis heute eine kleine Tafel davon, dass am Amalie-Dietrich-Platz der Grundstein für das gesamte Gorbitzer Wohngebiet gelegt wurde. Das war am 21. August 1981.

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Ob der "Grüne Heinrich" sein 40. Jubiläum in zwei Monaten noch erlebt, ist allerdings fraglich, denn schon im Juli sollen die Bagger anrücken, ein konkretes Datum gibt es aber noch nicht, wie Claudia Kunath von Ipro Consult Architekten auf SZ-Anfrage mitteilt. Das Dresdner Büro hat den Neubau mit den Studentenwohnungen entworfen.

So soll das Apartmenthaus, in dem Platz für für 179 Studentenwohnungen ist, an der Seite zum Amalie-Dietrich-Platz aussehen.
So soll das Apartmenthaus, in dem Platz für für 179 Studentenwohnungen ist, an der Seite zum Amalie-Dietrich-Platz aussehen. © Visualisierung: IPROconsult/A_Lu

Auf dem Areal zwischen Amalie-Dietrich-Platz und Leutewitzer Ring will die Devello Projektmanagement GmbH rund 19 Millionen Euro investieren. Der Baustart ist für September dieses Jahres geplant. "Die Größe und Kubatur des Gebäudes orientiert sich an den Höhen und städtebaulichen Kanten der umliegenden Gebäude", erklärt Claudia Kunath. Das neue Haus soll als Auftaktgebäude für die Höhenpromenade fungieren, die Gestaltung mit Balkonen wird an allen Seiten herumgezogen, sodass keine Rückseite entsteht.

Für den Neubau wurde die Gestaltungsidee "Grünes Fenster" entwickelt, deshalb sollen standortgerechte, hitzebeständige Pflanzen rund um das Gebäude in die Erde kommen. Claudia Kunath betont zudem den städtebaulich bedeutsamen Standort, weshalb vor allem hochwertige Baumaterialien verwendet werden. 2023 sollen die ersten Studenten in die 179 Apartments einziehen.

Bereits 2018 gab es erste Gespräche zwischen dem Stadtplanungsamt und interessierten Investoren, um das Areal neu zu beleben und weiterzuentwickeln. 2019 hatte das Bauaufsichtsamt genehmigt, dass an dieser Stelle ein Wohn- und Geschäftshaus errichtet wird. Ende 2020 übernahm Devello das Vorhaben.

Das Unternehmen will zumindest einige Details des DDR-Komplexes erhalten. So soll die Gedenktafel, die an die Grundsteinlegung von Gorbitz erinnert und außen an der Fassade befestigt ist, gesichert, eingelagert und später am Neubau wieder montiert werden. Das gilt auch für die Zeitkapsel, die beim Bau im Boden versenkt wurde und Zeitdokumente aus dem Jahr 1981 enthält, und das Wandgemälde im Gebäudeinneren.

Diese Ansicht zeigt, wie der Neubau an der Seite zum Leutewitzer Ring hin aussieht.
Diese Ansicht zeigt, wie der Neubau an der Seite zum Leutewitzer Ring hin aussieht. © Visualisierung: IPROconsult/A_Lu

Das Gemälde zeigt eine abstrakte Darstellung des "Grünen Heinrichs", einer Romanfigur von Gottfried Keller. Das gleichnamige Buch gilt als einer der bedeutendsten Bildungsromane des 19. Jahrhunderts, und auch andere Werke des Schriftstellers tauchen im Kunstkonzept auf, das zu DDR-Zeiten für Gorbitz entwickelt wurde.

So findet sich ein Stück weiter auf der Höhenpromenade an der Fassade vom Club Passage ein Wandmosaik von Gerhard Bondzin, das thematisch die Gottfried-Keller-Fabel "Der Fuchs und die Trauben" aufgreift.

Das Wandbild "Der Fuchs und die Trauben" befindet sich in der Nähe des "Grünen Heinrichs" und wurde 1988 von Gerhard Bondzin entworfen. Auch hier wird ein Werk von Gottfried Keller thematisch aufgegriffen, das Mosaik ist inzwischen denkmalgeschützt.
Das Wandbild "Der Fuchs und die Trauben" befindet sich in der Nähe des "Grünen Heinrichs" und wurde 1988 von Gerhard Bondzin entworfen. Auch hier wird ein Werk von Gottfried Keller thematisch aufgegriffen, das Mosaik ist inzwischen denkmalgeschützt. © Marion Doering

Dieses Wandmosaik wurde - gemeinsam mit einem Plattenbau, der Gorbitzer Kirche, dem Märchenbrunnen am Amalie-Dietrich-Platz und der Gaststätte "Gorbitzer Krug", die heute ein Asia-Imbiss ist, - 2018 unter Denkmalschutz gestellt.

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