merken
PLUS Dresden

Kaum Spielraum bei Sozialwohnungen in Dresden

Während der Streit um eine Quote für Sozialwohnungen in Dresden nur pausiert, wird klar: Ohne Förderung würde kaum eine bezahlbare Wohnung entstehen.

Unter anderem an der Lugaer Straße in Dresden baut die WiD derzeit Sozialwohnungen.
Unter anderem an der Lugaer Straße in Dresden baut die WiD derzeit Sozialwohnungen. © WID

Dresden. Nachdem die Förderzusage vom Land steht, ist die städtische Wohnen in Dresden (WiD) erleichtert. Denn sie hat große Pläne beim Bau von Sozialwohnungen in der Stadt, für die sie auf diese Fördermittel angewiesen sei. Für Extras gebe es selbst damit kaum Spielraum.

Wo die WiD bereits gebaut hat und derzeit baut.

Anzeige
Vernünftige Rendite mit Nachhaltigkeit
Vernünftige Rendite mit Nachhaltigkeit

Einfach, bequem und flexibel in die Zukunft investieren. Langfristig gute Chancen bietet der Anlage-Assistent MeinInvest.

Wie viele Wohnungen hat die WiD?

Im vergangenen Jahr wurden die ersten Wohnungen der städtischen Wohnungsbaugesellschaft fertiggestellt. Davon befinden sich 22 auf der Ulmenstraße und 48 am Nickerner Weg. Die 70 Wohnungen sind fast vollständig vermietet, sagt Claudia Herzog, Finanz- und Marketing-Chefin der WiD. "Weitere 190 Wohnungen werden im Laufe dieses Jahres fertiggestellt und der Vermietung zugeführt." Die ersten 25 davon im April an der Lugaer Straße.

Im Laufe des Jahres 2022 kommen weitere 250 Wohnungen hinzu. Alle finanziert mit Fördermitteln. "Seit Beginn des Programms im Jahr 2017 hat die WiD bereits Fördermittel in Höhe von rund 20 Millionen Euro beantragt und zum Teil ausgezahlt bekommen", so Herzog.

Im Programmjahr 2020 wurden für zwei Wohnbauprojekte mit 92 Wohnungen 2,9 Millionen Euro beantragt. Wegen Verzögerungen bei der Förderung wurden nicht alle geplanten Wohnungen fertig.

Wie viel Fördergeld wird für 2021 beantragt?

Für dieses Jahr hat die WiD große Pläne. "Für 2021 ist die Beantragung von mindestens 20 Millionen Euro Fördermitteln geplant, um weitere 450 Wohnungen errichten zu können", erklärt die Finanz-Chefin. Aber diese werden nicht alle in diesem Jahr auch fertig. "Auch hier gibt es Abhängigkeiten, die zu Verzögerungen führen können. Aber wir arbeiten immer mit voller Energie daran, unsere Ziele umzusetzen", sagt Herzog.

Wo wird noch gebaut?

Neben dem Projekt Lugaer Straße plant die WiD, dass in diesem Jahr 35 Wohnungen an der Alemannenstraße, 27 an der Kipsdorfer Straße, 35 an der Bulgakowstraße, 22 an der Jüngststraße, elf an der Ockerwitzer Straße, zehn an der Nöthnitzer Straße, ebenfalls zehn an der Bamberger Straße und weitere 15 Wohnungen an einer anderen Stelle der Lugaer Straße fertig werden.

Für 2022 sind dann 62 Wohnungen an der Fröbelstraße geplant, an der Schäferstraße 58, am Thymianweg 26 Wohnungen und neun an der Spenerstraße. Dazu soll mit der Gret-Palucca-Straße das erste Sanierungsprojekt umgesetzt werden.

Warum ist die Förderung notwendig?

"Die WiD wurde gegründet, um am Markt benachteiligten Bedarfsgruppen bezahlbaren Wohnraum in Dresden anbieten zu können", erklärt Herzog. "Das ist nur möglich, wenn das Programm Anwendung findet." Nur so können die Mieten niedriger werden, da die Baukosten für alle gleich sind.

Ziel des Programms und Voraussetzung für eine Förderung ist, die durchschnittliche Angebotsmiete in Dresden um den Förderbetrag zu reduzieren. Das heißt, wer Sozialwohnungen baut, kann Fördergeld erhalten, um die Miete um 3,50 Euro pro Quadratmeter zu reduzieren. "Dieser Förderbetrag wird zur Finanzierung des Bauvorhabens herangezogen", erklärt Herzog. Das mache etwa 28 Prozent der Finanzierung aus.

"Ohne diese Fördermittel müssten deutlich höhere Mieten kalkuliert werden, um das Bauvorhaben vollständig mit fremden Darlehensmitteln finanzieren zu können", so Claudia Herzog. "Über Eigenmittel zur Errichtung von Objekten verfügt die WiD nicht.

Kann die WiD auch ohne Förderung bauen?

"Diese Frage kann man so nicht oder nur schwer beantworten", erklärt die Finanz-Chefin. "Sicherlich hätten wir auch ohne Fördermittel bauen können, aber dann hätten wir zu marktüblichen Mieten im Neubausegment vermieten müssen." Das widerspreche dem Zweck der Gesellschaft, einer "sicheren und sozial verantwortbaren Wohnungsversorgung vorrangig für besondere Bedarfsgruppen". Deshalb lege ja auch die Stadt die Grundstücke in die WiD ein, stelle sie damit zum Bau von bezahlbaren Wohnungen zur Verfügung statt sie gewinnbringend zu verkaufen.

"Würde es die Förderung nicht geben, müsste unter der Voraussetzung der Schaffung bezahlbaren Wohnraums ein entsprechender Eigenkapitalanteil, also der Anteil, der dann nicht durch Bankenfinanzierung gedeckt wäre, von anderer Stelle kommen", erklärt Herzog.

Ist eine zusätzliche Förderung für "Extras" sinnvoll?

Um nachhaltig zu bauen, hat die Stadt bereits zwei Projekte der WiD gefördert. Ein Neubau an der Lugaer Straße erhält darüber ein Gründach und der am Thymianweg zusätzlich noch grüne Fassaden. Die Grünen wollen im Landtag einen Klimafonds durchsetzen, woraus genau so etwas gefördert werden soll.

"Grundsätzlich begrüßt die WiD solche Maßnahmen", so Herzog. "Jedoch ist die Basis aller Planungen die Finanzierungsfähigkeit und langfristige Wirtschaftlichkeit der Bauvorhaben. Die kontinuierlich gestiegenen Baukosten, die Förderrichtlinie und die Sätze für die Kosten der Unterkunft lassen kaum Spielraum in der Gestaltung der Bauvorhaben zu."

Weiterführende Artikel

Sozialwohnungsquote wird teuer für Dresden

Sozialwohnungsquote wird teuer für Dresden

Der Streit um den Anteil an geförderten Wohnungen geht weiter. Jetzt gibt es konkrete Zahlen, wie hoch der Schaden für die Stadt wäre - eine immense Summe.

Dresdens Problem mit Sozialwohnungen

Dresdens Problem mit Sozialwohnungen

Der Bedarf ist groß. Trotzdem hat der Stadtrat eine entscheidende Regelung gekippt und es drohen weitere Einschnitte.

Umsetzbar seien solche klimatischen Maßnahmen nur, wenn die Zuschüsse nicht zurückbezahlt werden müssen. "Auch zinsverbilligte Darlehen sind mit Kapitaldienst verbunden, die durch die Mieteinnahmen mitfinanziert werden müssten", stellt Herzog klar.

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter "Dresden kompakt" und erhalten Sie alle Nachrichten aus der Stadt jeden Abend direkt in Ihr Postfach.

Mehr Nachrichten aus Dresden lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Dresden