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Kritik an bebauten Innenhöfen in Dresden

In der Pirnaischen Vorstadt entstehen zwischen denkmalgeschützten Wohnhäusern fünf Neubauten. Kein Modell für die Zukunft, findet der Verein Stadtbild.

Das erste von fünf Gebäuden wird derzeit im Innenhof an der Seidnitzer Straße hochgezogen. Im Sommer 2022 sollen alle 130 Wohnungen fertig sein.
Das erste von fünf Gebäuden wird derzeit im Innenhof an der Seidnitzer Straße hochgezogen. Im Sommer 2022 sollen alle 130 Wohnungen fertig sein. © René Meinig

Dresden. Der Verein Stadtbild Deutschland hat ein aktuelles Bauprojekt in Dresden zum Anlass genommen, eine Forderung an die Stadtplaner zu formulieren. Konkret geht es um fünf Neubauten, die in bislang grünen Innenhöfen an der Seidnitzer Straße in der Pirnaischen Vorstadt entstehen. Der Verein mit Sitz in Frankfurt am Main setzt sich nach eigenen Angaben bundesweit und ehrenamtlich für Denkmalschutz sowie für klassisch-traditionelle Architektur und Städtebau ein.

In Dresden kritisiert Stadtbild die Art der Innenstadtverdichtung wie sie an der Seidnitzer Straße nun umgesetzt wird, und fordert stattdessen andere Lösungen, um neuen Wohnraum in diesem Stadtbereich zu schaffen.

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Neubauten sollen sich an Umgebung orientieren

Seit Juni 2020 lässt der Großvermieter Vonovia in den Innenhöfen 130 neue Wohnungen errichten, im Sommer 2022 sollen die Gebäude fertig sein. Insgesamt 118 Bäume und Sträucher wurden für die Neubauten gefällt werden, als Ausgleich würden im Quartier allerdings 196 Bäume und Sträucher gepflanzt, verspricht Vonovia. Zudem sind 120 Pkw-Stellplätze geplant. Als die Pläne 2017 bekannt wurden, folgten massive Proteste der betroffenen Anwohner, die nicht nur das Verschwinden der freien Flächen samt Grün kritisierten, sondern außerdem Lärm, Hitzestau und ein Parkplatzproblem befürchteten.

Auch Stadtbild Deutschland ist von den fünf Bauvorhaben alles andere als begeistert. Verhindert werden können sie nicht mehr. Dennoch melden sich die Stadtbildschützer nun zu Wort und nutzen das Großbauprojekt von Vonovia, um zu aufzuzeigen, was damit aus ihrer Sicht in der Dresdner Innenstadt städtebaulich schief läuft. Für Kritik sorgt zunächst, dass sich die Neubauten in ihrer Gestaltung nicht in ihre Umgebung einfügen. Weder mit ihren Flachdächern noch in ihren Grundrissen.

Während Architekt Jens Zander betonte, dass sich die neuen Gebäude damit bewusst von den Denkmälern der Umgebung abheben sollen, fordert Stadtbild das Gegenteil: Das Neue müsse sich an der historisch gewachsenen Bebauung orientieren und auf sie Bezug nehmen. "Es ist verständlich, dass Wohnungsbau bei den steigenden Material- und Handwerkskosten günstig erfolgen muss", räumt Stadtbild ein. "Dennoch sollten ein Minimum an Gestaltung eingehalten und wenigstens ein Satteldach und eine minimale parzellenhafte Fassadengliederung bei künftigen Nachverdichtungsprojekten trotz der angespannten Lage möglich sein."

"Projekt an der Seidnitzer Straße ist städtebaulicher Irrweg"

Der Verein bezeichnet das Bauprojekt nicht nur architektonisch, sondern vor allem auch städtebaulich als schweren Fehler. Das hätten bereits die Proteste der Anwohner gezeigt, die zurecht ihre Grünflächen bedroht sahen und ein Parkchaos befürchten. "Das lag nicht nur an der Baumaßnahme an sich, sondern auch an der Platzierung der Neubauten mitten in die zwischen den Bauten liegenden Grünflächen."

Dass grüne Flächen für neuen Wohnraum reduziert werden müssen, könne zwangsläufig zwar nicht ausbleiben. Vor allem in einer Stadt wie Dresden, die vor dem Zweiten Weltkrieg dicht bebaut und nach Kriegsende aufgelockert wieder neu bebaut wurde. Die Verdichtung, die nun stattfindet, hätte aber "behutsamer und nach modernen städtebaulichen Erkenntnisprinzipien erfolgen müssen". Statt der Mitte der Grünflächen hätte der Investor nur die Grenze zur Seidnitzer Straße hin bebauen können, finden die Mitglieder von Stadtbild.

Forderung: Blockrandbebauung als städtebauliche Leitlinie

Damit wäre zum einen die Seidnitzer Straße aufgewertet worden, weil sie einen klaren Abschluss bekommen hätte. Zum anderen wären die Grünflächen zwar verkleinert, aber ruhigere Bereiche in den Innenhöfen entstanden. "Mit der jetzigen Lösung ist keines der möglichen Ziele erreicht worden." Auch, weil von den neuen Häusern aus jeder Winkel einsehbar sein wird. "Egal, an welcher Stelle der Grünfläche man steht, fühlt man sich zwangsläufig wie auf dem Präsentierteller."

Die Chance, die Seidnitzer Straße erkennbar aufzuwerten, sei in diesem Abschnitt durch städtebaulich falsche Nachverdichtung vorerst verspielt, so Stadtbild weiter. "Dieser Fehler ist umso verwunderlicher, da ja die Stadtverwaltung bei den Planungen zur Lingnerstadt städtebaulich schon zum Blockrandprinzip zurückgekehrt war."

Als Beispiel werden aktuelle Projekte herangezogen, wie etwa das der städtischen Wohnungsbaugesellschaft WiD am Käthe-Kollwitz-Ufer, mit denen man zum Blockrandprinzip zurückkehre. "Den Straßenraum zu schließen und so in einem Stadtquartier eine zur Straße hin möglichst geschlossene Bebauung zu haben, ist das uralte, allgemeine Grundprinzip des europäischen Städtebaus", erklärt Stadtbild.

Der Verein fordert deshalb den Dresdner Bauausschuss auf zu beschließen, dass die Blockrandbebauung bei geplanten und künftigen Bauprojekten, die ein Wohngebiet verdichten sollen, städtebauliche Leitlinie sein soll. "Begrünte Zwischenräume zwischen vorhandenen Zeilenbauten sollen nach Möglichkeit erhalten und nicht bebaut werden", heißt es weiter. Die Flächen direkt an der Straße müssten für Neubauten zuerst infrage kommen. Dafür könnten bestehende Straßen auch verlängert werden, schlägt Stadtbild vor. Ziel seien möglichst geschlossene Straßenbilder und Innenhöfe.

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Wenn Gründe gegen eine Blockrandbebauung sprächen, könne der Bauausschuss eine andere Bebauung schon zu Beginn der Planungen genehmigen.

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