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Figur von Dresdner Jagdflieger zurück

Die Bronzeplastik des "Adlers von Lille" thront wieder über dem Grab von Max Immelmann. Vorausgegangen war einer der wohl dreistesten Friedhofsdiebstähle.

Die Bronzeplastik von Max Immelmann ist zurück auf dem Grab des Jagdfliegers. Nach einem versuchten Diebstahl wurde sie restauriert.
Die Bronzeplastik von Max Immelmann ist zurück auf dem Grab des Jagdfliegers. Nach einem versuchten Diebstahl wurde sie restauriert. © René Meinig

Dresden. Der Urnenhain in Tolkewitz hat seine wohl bekannteste Plastik zurück, ein Kunstwerk von "unschätzbarem Wert", wie erst vor Kurzem die Dresdner Staatsanwaltschaft erklärte, dann aber doch einen überraschend konkreten Wert nannte: Mindestens 50.000 Euro sei der bronzene "Adler von Lille" wert.

Seit Dienstag thront dieser wieder - frisch restauriert - auf seinem Sockel im Urnenhain, "gerade noch rechtzeitig zum Todestag Max Immelmanns", freut man sich in der Stadtverwaltung. Der berühmte Jagdflieger aus dem 1. Weltkrieg starb am 18. Juni vor 105 Jahren mit gerade einmal 25, versehentlich abgeschossen von der eigenen Artillerie.

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Als gefeierter Kriegsheld schrieb er zu Lebzeiten sogar Autogramme, ein waghalsiges Manöver, das heute im Kunstflug gezeigt wird, trägt seinen Namen: Beim "Immelmann" zieht der Pilot die Maschine steil nach oben, fliegt dann "auf dem Rücken" in die umgekehrte Richtung und dreht erst dann seine Maschine wieder richtig herum. So konnte im Luftkampf schnell die Flugrichtung geändert werden.

War es diese Berühmtheit, die einen 36- und einen 60-jährigen Deutschen so an der Figur auf dem Friedhof in Tolkewitz gereizt hat - oder doch der schiere Wert der Bronzeplastik? In ihrer Anklage gegen die beiden Männer, die Ende Januar dieses Jahres versucht hatten, die Statue vom Friedhof zu stehlen, erklärte die Staatsanwaltschaft, sie hätten über ihre Beute "wie Eigentümer" verfügen wollen. Das genaue Vorgehen beim Diebstahl lässt zumindest Rückschlüsse darauf zu, dass es sich bei den beiden nicht unbedingt um glühende Verehrer Immelmanns gehandelt haben dürfte.

"Adler von Lille" auf Handwagen verladen

Eine halbe Stunde vor Mitternacht am 30. Januar brechen die beiden Männer laut Anklage das sogenannte Ankertor mit Werkzeugen auf und gelangen so in den Urnenhain und später auch auf den angeschlossenen Johannisfriedhof.

Die Statue Max Immelmanns befindet sich am Hauptweg nahe dem alten Krematorium und ist offenbar das erste Ziel der Diebe. Dort reißen die Angeklagten die rund 100 Kilogramm schwere Figur mitsamt der Verschraubung und den Dübeln vom Sockel. Nicht nur das Unterteil der Bronzeplastik wird dabei beschädigt. Der "Adler von Lille" landet zunächst auf einem Handwagen.

Bei dieser Beute belassen es die Männer jedoch nicht, sondern ziehen weiter auf den Johannisfriedhof, wo sie von einer Grabanlage zwei fest verankerte Urnen aus Bronze im Wert von jeweils mindestens 5.000 Euro entfernen. Dabei entsteht an der Grabanlage ein Schaden von etwa 2.300 Euro. Auch von einem Familiengrab auf dem Johannisfriedhof brechen sie eine Blumenschale aus Bronze im Wert von mindestens 5.000 Euro heraus. Schaden: rund 1.500 Euro. Auch dieses Diebesgut landet auf dem Handwagen, mit dem es nun zum Pkw des 60-Jährigen gefahren wird, der auf der Tolkewitzer Straße steht.

Die Plastik kurz nach dem vereitelten Diebstahl. Die Bodenplatte wurde verbogen, ebenso wie das Schwert in der rechten Hand Immelmanns.
Die Plastik kurz nach dem vereitelten Diebstahl. Die Bodenplatte wurde verbogen, ebenso wie das Schwert in der rechten Hand Immelmanns. © Tino Plunert

An dieser Stelle endet der erfolgreiche Diebeszug jedoch, denn die Männer wurden von einem Zeugen beobachtet, der zwischenzeitlich die Polizei gerufen hat. Diese stellt die Diebe noch am Tatort und beschlagnahmt die Statue Immelmanns sowie die anderen Bronzen. Anfang Juni wurde Anklage gegen beide erhoben - der 60-jährige Beschuldigte ist nicht vorbestraft, sein 36-jähriger Komplize stand jedoch zur Tatzeit unter Bewährung -, das Amtsgericht entscheidet nun, wann die Hauptverhandlung beginnen wird.

Die Immelmann-Statue konnte zwar gerettet werden, wurde durch das grobe Vorgehen der verhinderten Diebe jedoch stark beschädigt. "Das Schwert war verbogen, ebenso die Grundplatte. Die Schraubverbindungen der Kugel waren gebrochen und zahlreiche Abschürfungen der Patina reichten bis auf die Bronze", erklärt die Stadt.

Die notwendige Restaurierung übernahm der Meißner Metallbildner und Restaurator Heiko Helm nach Vorgaben des Landesamtes für Denkmalpflege Sachsen. Am Dienstag wurde die Plastik schließlich wieder auf dem Grab Immelmanns befestigt.

Till Berger und Restaurator Heiko Helm (von links) bei der Aufstellung der Grabplastik von Max Immelmann.
Till Berger und Restaurator Heiko Helm (von links) bei der Aufstellung der Grabplastik von Max Immelmann. © Jens Börner/SZ-Bildstelle

Wer war Max Immelmann?

Max Immelmann wurde 1890 in Dresden als Sohn eines reichen Kartonagenfabrikanten geboren und verbrachte die ersten Jahre seines Lebens auf dem Weißen Hirsch. Er besuchte das Königliche Gymnasium in der Holzhofgasse in der Neustadt. 1902 zog die Familie nach Braunschweig, wo Verwandte lebten, bevor sie 1904 nach Dresden zurückkehrte.

1905 wurde Immelmann Kadett der Sächsischen Armee, 1913 folgte die Offiziersprüfung. Ab 1915 war er als Pilot im Einsatz und machte sich schnell einen Namen. Er erhielt mehrere hohe Auszeichnungen, darunter auch den Orden Pour le Mérite, die höchste Tapferkeitsauszeichnung Preußens.

Der Dresdner Max Immelmann war ein bekannter Jagdflieger im Ersten Weltkrieg.
Der Dresdner Max Immelmann war ein bekannter Jagdflieger im Ersten Weltkrieg. © Wikipedia

1916 erfolgte die Beförderung zum Oberleutnant. Seine Erfolge im Luftkampf brachten Immelmann unter seinen Gegnern den Namen "Adler von Lille" ein und er ist heute neben Oswald Boelcke und Manfred von Richthofen einer der bekanntesten deutschen Jagdflieger des Ersten Weltkrieges.

Bei einem Kontrollflug am 18. Juni 1916 über der Front wurde Max Immelmann versehentlich von der eigenen Artillerie bei einem Luftgefecht über Sallaumines bei Douai in Nordfrankreich abgeschossen. Diesen Absturzgrund nannte Flugzeughersteller Anthony Fokker bei der Besichtigung des Wracks.

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Zum Staatsbegräbnis am 25. Juni 1916 säumten zehntausende Menschen die Straßen um den Urnenhain Tolkewitz. Zum zwölften Todestag 1928 erfolgte dann die Aufstellung der Grabplastik. Entworfen hatte sie der Bildhauer Peter Pöppelmann (1866–1947), Professor und ab 1907 Ehrenmitglied der königlichen Akademie der Bildenden Künste Dresden. (mit SZ/csp)

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