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Dresden hat jetzt ein Corona-Kunstwerk

Künstler Johann Kral hat 4.000 bemalte Steine im Waldpark eingesammelt und eine Skulptur daraus gebaut. Was steckt dahinter?

Johann Kral hat die Dresdner Schmunzelsteine in einer riesigen Skulptur verewigt. Die bunten Steine sind mit ganz verschiedenen Motiven gestaltet.
Johann Kral hat die Dresdner Schmunzelsteine in einer riesigen Skulptur verewigt. Die bunten Steine sind mit ganz verschiedenen Motiven gestaltet. © Marion Doering

Dresden. Dresden hat ein Corona-Kunstwerk. Im Stadtmuseum ist jetzt die Schmunzelstein-Skulptur des Künstlers Johann Kral zu sehen. Gebaut hat der Dresdner sie aus 2.000 bunt bemalten Steinen und einem alten Lindenbaum, mehr als 700 Stunden hat er an dem Kunstwerk verbracht. Hat jeden Stein einzeln begutachtet, gereinigt oder aussortiert, hat überlegt, welche Geschichte sich hinter ihnen verbirgt. Denn die Schmunzelsteine stammen von Dresdner Kindern, Jugendlichen - und bestimmt auch Erwachsenen, ist sich Kral sicher.

Nachdem sich im Lockdown im Frühjahr 2020 Eltern ein Spiel mit bunten Steinschlangen für ihre Kinder ausgedacht hatten, gelangte es im April auch nach Dresden. Erste Farbtupfer tauchten im Blasewitzer Waldpark auf, schlängelten sich entlang der Wege, wuchsen Tag für Tag. Auch Johann Kral wurde damals darauf aufmerksam und war begeistert von der Aktion. Doch die Freude währte nicht lange - die Stadt kündigte Mäharbeiten und damit das Ende der Steinschlangen am Wegesrand an. "Als ich die Schilder damals entdeckte, habe ich Kontakt mit der Stadt aufgenommen und darum gebeten, dass ich sie einsammeln kann."

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"Treppen zeigen Auf und Ab in der Krise"

In seinem Atelier landeten schließlich fast 4.000 Steine aus einer 400 Meter langen Schlange. In den vergangenen Monaten ist daraus eine vier Meter hohe Skulptur entstanden. Aus dem Stamm eines alten Lindenbaums schnitzte Kral sieben Stelen. "Sie könnten vielleicht für die sieben Kontinente stehen, um zu zeigen, dass die Pandemie ein weltweites Problem ist", sagt der 30-Jährige, will aber nicht zu viel vorgeben. Jeder solle für sich selbst überlegen, was er in der Skulptur erkennt und wie er sie interpretiert.

In die Stelen hat Kral mehrere Platten integriert, in denen die Steine in Harz gegossen wurden. Um die Stelen herum verlaufen Treppen, mal nach unten, mal nach oben, sie verbinden die Stelen auch miteinander. Sie sind ebenfalls aus dem Lindenholz geschnitzt, ebenso wie mehrere kleine Figuren auf den Treppen und Wegen. Vorsichtig verrät Kral, dass er damit das Auf und Ab in der Corona-Krise zeigen möchte. Auf den ersten Lockdown folgten Lockerungen, dann ein zweiter Lockdown - "das führt die Menschen an ihre Grenzen", sagt der Künstler. So wie ihn selbst die Arbeit an seinem Kunstwerk. "Ich habe irgendwann nur noch von Treppen geträumt."

In der vier Meter hohen Skulptur sind 2.000 Schmunzelsteine und ein alter Lindenbaum verarbeitet.
In der vier Meter hohen Skulptur sind 2.000 Schmunzelsteine und ein alter Lindenbaum verarbeitet. © Marion Doering
Auch die kleinen Figuren hat Johann Kral aus dem Lindenholz geschnitzt. Wer genau hinschaut, entdeckt viele Details: Der staunende kleine Junge hat einen Teddybären im Arm.
Auch die kleinen Figuren hat Johann Kral aus dem Lindenholz geschnitzt. Wer genau hinschaut, entdeckt viele Details: Der staunende kleine Junge hat einen Teddybären im Arm. © Marion Doering
Johann Kral hat bewusst die verschiedenen Emotionen der Menschen in der Corona-Krise dargestellt. Hier trifft Maskenträger auf Maskenverweigerer, beide heben bedrohlich ihre Arme gegeneinander.
Johann Kral hat bewusst die verschiedenen Emotionen der Menschen in der Corona-Krise dargestellt. Hier trifft Maskenträger auf Maskenverweigerer, beide heben bedrohlich ihre Arme gegeneinander. © Marion Doering

Dass die Skulptur nun im Foyer des zum Stadtmuseum gehörenden Landhauses einen Platz gefunden hat, wo die Menschen sie kostenlos bestaunen dürfen, freut nicht nur den Künstler selbst, sondern auch Christina Ludwig, Direktorin im Stadtmuseum. "Für uns ist es eine tolle Sache, mit diesem Kunstwerk die aktuelle Stimmung und die Emotionen einzufangen." Das gelinge in einem Museum nicht sehr oft.

Als Wissenschaftlerin sei es für sie sehr interessant gewesen, den Prozess bei der Entstehung der Skulptur zu verfolgen. "Wir wussten ja nicht, was am Ende dabei herauskommt." Klar sei nur gewesen, dass im Treppenhaus viel Platz für das Kunstwerk ist. "Die Idee hat sich mit dem Raum entwickelt", sagt Christina Ludwig. Das Museum hat Johann Kral mit 5.000 Euro unterstützt. "Dafür haben wir unsere kompletten Künstlerhonorare zusammengekratzt", erklärt die Direktorin. Geld, das die Stadt dem Museum für die kommenden Jahre gestrichen hat, merkt Christina Ludwig an.

"Ich hatte einen tierischen Muskelkater"

Johann Kral konnte damit und weiteren 300 Euro an Spenden zumindest das Material bezahlen. Vor allem das Epoxidharz ist sehr teuer. Die 700 Arbeitsstunden mussten quasi nebenberuflich abfallen, hauptberuflich verdient Kral sein Geld mit dem Bau von Vollholzmöbeln. Was er von seinem Kunstwerk auf jeden Fall in Erinnerung behalten wird: ein gehöriger Muskelkater. Zum Ende der Arbeiten hat Kral mit einem Pinsel Kalk auf das Lindenholz aufgetragen und ihn dann in das Holz eingebürstet - da sind Muckis gefragt und Ausdauer. Mit dem weißen Kalk und der Struktur wirkt das Holz nun auf den ersten Blick wie Stein.

Was nach der Ausstellung im Landhaus mit der Skulptur passiert, ist noch offen. Bis zum 5. September ist sie nun erst einmal in der Wilsdruffer Straße 2 zu sehen, der Zugang zu Foyer und Treppenhaus ist kostenlos möglich. Geöffnet ist von Dienstag bis Sonntag, jeweils von 10 bis 18 Uhr, freitags bis 19 Uhr.

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