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Frühes Weihnachtsgeschenk für den Vindobona

Eisenbahnfans freuen sich: Am Freitag bringt Verkehrsminister Martin Dulig einen Fördergeldbescheid über 300.000 Euro für den Vindobona. Die Ziele sind ehrgeizig.

Von Beate Erler
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Kult auf dem Weg nach Wien: Der Vindobona, ein SVT-Dieselexpresszug, soll wieder flott gemacht werden.
Kult auf dem Weg nach Wien: Der Vindobona, ein SVT-Dieselexpresszug, soll wieder flott gemacht werden. © René Meinig

Im Bahnbetriebswagenwerk in der Zwickauer Straße wird schon fleißig gewerkelt: Alte Sitzpolster liegen auf Werkbänken und Werkzeugkisten stehen auf dem Boden. Einmal im Monat treffen sich hier am Samstag die Eisenbahnenthusiasten und kümmern sich zum Beispiel um den Bodenbelag oder die Sitzpolster im „Görlitzer“ Schnelltriebwagen VT 18.1607/10, der seit fast 20 Jahren stillsteht. Den Zug, der 1963 als Prototyp gebaut wurde, kennen viele als den Stolz der Deutschen Reichsbahn. Er wurde vor allem für den Zuglauf „Vindobona“ über Prag nach Wien bekannt. Die Mitglieder der Firma SVT Görlitz gGmbH träumen von ihm als einen „Zug für Mitteldeutschland“ und wollen ihn betriebsfähig restaurieren und wieder ins Rollen bringen.

Diesem Traum sind sie am Freitag wieder ein Stück näher gekommen: Verkehrsminister Martin Dulig schaute in der Abstellhalle Dresden-Altstadt vorbei, um einen Fördergeldbescheid über 300.000 Euro persönlich an den Geschäftsführer der Görlitzer Firma, Mario Lieb, zu übergeben: „Ich habe 2018 von dem Projekt erfahren und war damals sehr erstaunt“, so Dulig, „inzwischen habe ich Bewunderung für die Leidenschaft und Begeisterung.“ Außerdem könne der Zug künftig auch ein Botschafter für das ehrgeizige Projekt der Neubaustrecke Dresden-Prag werden: „Das ist eine Generationenaufgabe und ich hoffe, dass ich die neue Verbindung eines Tages mit meinen Enkeln nutzen kann“, sagt er.

"Mit dem Vindobona Regionen verbinden"

"Wollen den Zug langfristig betreiben": Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig und Mario Lieb, Geschäftsführer der SVT Görlitz Gmbh, im Bordrestaurant.
"Wollen den Zug langfristig betreiben": Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig und Mario Lieb, Geschäftsführer der SVT Görlitz Gmbh, im Bordrestaurant. © René Meinig

Der Vindobona soll schon eher wieder rollen: Das derzeitige Ziel für die erste Fahrt ist das Jahr 2023: „Wir wollen mit diesem historischen Zug Menschen und Regionen verbinden, Kulturaustausch fördern und somit einen Beitrag zur Völkerverständigung leisten“, so der Geschäftsführer der gGmbH, Mario Lieb. Bis es soweit ist, gibt es noch viel zu tun: Die zwei Triebköpfe und die vier Mittelwagen des Zuges müssen aufgearbeitet werden. Die Kosten für dieses Vorhaben belaufen sich derzeit auf knapp fünf Millionen Euro. Im letzten Jahr hat die gGmbH einen Zuwendungsbescheid in Höhe von 3,4 Millionen Euro vom Bund als Fördersumme für das Gesamtprojekt erhalten. Die 300.000 Euro, die der Freistaat Sachsen dem Projekt nun zur Verfügung stellt, stammen aus dem Vermögen der Parteien und Massenorganisationen der DDR (PMO-Vermögen), das für gemeinnützige Zwecke verwendet wird.

Kontakte mit Liebhabern aus verschiedenen Ländern

Der Zug soll nach Wunsch der Aktiven der SVT Görlitz die Tradition der internationalen Verbindungen fortsetzen. Unter der Deutschen Reichsbahn reiste er damals nach Skandinavien, Österreich und in die Tschechoslowakei: „Wir wollen ein Stück europäische Bahngeschichte wieder erlebbar machen und haben bereits erste Kontakte mit möglichen Partnern in Österreich, Tschechien und Dänemark“ aufgenommen“, sagt Mario Lieb. Von den acht gebauten Zügen gibt es noch drei, die bisher alle nicht fahrfähig sind: „Wir haben diesen Zug vom Museum der Deutschen Bahn über einen Leihvertrag übernommen, denn wir wollen ihn langfristig betreiben“, sagt der Geschäftsführer.

Seit 2019 steht er nun witterungsgeschützt in Dresden: „Wir haben einen Freundschaftspreis für die Halle bekommen, aber sie kostet uns trotzdem Geld“, sagt der Geschäftsführer mit Blick auf die neue Geldsumme. Der erste Wagen ist zur Zeit schon in Halberstadt zur Aufarbeitung. Die nächsten beiden Waggons sollen ebenfalls bald auf Restaurationsreise gehen.

Die Sitzplätze im Zug sollten größtenteils alle in Fahrtrichtung zeigen, erklärt Mario Lieb anschließend bei einer Führung durch den Zug. Im Speisewagen gibt es Kaffee aus Mitropa-Tassen und Stollen. Staatsminister Martin Dulig kann die Begeisterung für die alte Technik gut verstehen, sagt er: „Und trotzdem ist es mehr als nur ein technisches Projekt, sondern ein Teil der Biografie und eine Erinnerung für viele Menschen.“ Das Geld für dieses große Vorhaben übergebe er deshalb herzlich gern und mit voller Unterstützung. Die restliche Summe, die als Eigenanteil geleistet werden muss, wollen sie über Spenden einnehmen, sagt einer der bisher insgesamt 200 ehrenamtlichen Helfer. Außerdem suchen sie weiterhin tatkräftige Helfer für die Aufarbeitung des Zuges.