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"Kann auch als junger Mensch etwas bewirken"

In Dresden engagiert sich der Schüler Simon Hoba für Fridays for Future. Nun trat er auch beim Klimagipfel in Glasgow für seine Ziele ein - und hat noch viel vor.

Von Henry Berndt
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"Klimaschutz ist für alle da": Der Dresdner Schüler Simon Hoba engagiert sich bei Fridays For Future.
"Klimaschutz ist für alle da": Der Dresdner Schüler Simon Hoba engagiert sich bei Fridays For Future. © dpa

Dresden. Nicht jeder Klimakämpfer hat Handschellen dabei, um sich irgendwo anzuketten. Manchmal kann es auch helfen, sich ganz offiziell ein Ticket zu organisieren, um bei einer wichtigen Veranstaltung dabei zu sein. Und für Simon Hoba, einen 16-jähriger Schüler aus Dresden, war das eine wichtige Veranstaltung, die da vom 31. Oktober bis 12. November in Glasgow über die Bühne ging.

Die dortige 26. UN-Klimakonferenz, international bekannt als COP 26, sahen weltweit viele Menschen als eine der letzten Chancen an, die Dinge in die richtige Richtung zu lenken. Dazu gehörte auch Simon. Deswegen wollte er auch unbedingt vor Ort dabei sein, statt nur aus 1.300 Kilometern Entfernung zu verfolgen, was geschieht.

Natürlich kennt auch er die üblichen Vorurteile gegen junge Klimakämpfer. Was soll ein 16-Jähriger schon bewirken? Der soll mal lieber in die Schule gehen und was fürs Leben lernen!

Simon Hoba bleibt optimistisch: "Wir können das noch schaffen."
Simon Hoba bleibt optimistisch: "Wir können das noch schaffen." © Sven Ellger

"Ich bin nicht der Meinung, dass man erst 40 Jahre Lebenserfahrung vorweisen muss, um sich für eine gute Sache einzusetzen", sagt Simon, schon gleich gar nicht, wenn die "Großen" gerade immer noch dabei sind, es zu versemmeln. "Wir jungen Leuten haben schon jetzt viel für die Klimagerechtigkeit tun können."

Bei Simon war es ein Zeitungsbericht, der ihn vor drei Jahren wachrüttelte, sagt er. Auf einem Bild war ein Baum zu sehen, der mitten im Sommer schon keine Blätter mehr hatte. Dieser Gedanke bereitete ihm ein mulmiges Gefühl. Also begann er, sich mehr mit dem Klimawandel zu beschäftigen und nahm bald an den ersten großen Klimastreiks von Fridays For Future teil - zum Teil mit seiner ganzen Klasse.

Nachdem er während eines Gastaufenthalts in England bemerkte, dass das Thema dort damals noch kaum eine Rolle spielte, entschied sich Simon, selbst aktiv zu werden. Zurück in Dresden nahm er Kontakt zur lokalen Gruppe von Fridays For Future auf. Seitdem ist er fester Teil des Dresdner Teams, das zurzeit aus etwa 40 Aktiven besteht. Unter anderem hilft er bei der Kommunikation nach außen und der Auseinandersetzung mit der Lokalpolitik. Bei einem Treffen mit Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) ging es neben anderen Themen auch um erneuerbare Energien und die Ausweitung des öffentlichen Nahverkehrs.

Nicht nur braune Hochburgen

Als nun Glasgow vor der Tür stand, sah Simon die Chance gekommen, auch mal am großen Rad zu drehen. Doch einfach hinfahren und Krawall machen - so geht das nicht. Wer in die Nähe des Scottish Event Campus wollte, der brauchte eine offizielle Akkreditierung. "Ich habe dann verschiedene NGOs angeschrieben und eine Organisation in Bayern setzte mich tatsächlich auf die Liste", sagt er.

Eine gute Woche lang durfte Simon in Glasgow verbringen. Sein Direktor am St. Benno-Gymnasium stellte ihn dafür frei. Wie sich schnell herausstellte, sollte Simon der einzige Dresdner Klimaschützer vor Ort sein. "Überhaupt war der Osten Deutschland dort ziemlich unterrepräsentiert", sagt er. Dabei sei es ihm gerade wichtig, zu zeigen, dass die neuen Bundesländer und speziell Sachsen eben nicht nur braune Hochburgen sind, sondern von hier aus auch etwas für die Zukunft der Erde geleistet wird.

Bei vielen Veranstaltungen und sogar einigen Verhandlungen durfte Simon dabei sein. Dabei sei er sich mitunter zu Unrecht privilegiert vorgekommen, da viele Staaten, vor allem aus dem globalen Süden, eben nicht dieselben Möglichkeiten des Mitwirkens hätten.

Simon in Glasgow: "Noch lange nicht da, wo wir sein müssten."
Simon in Glasgow: "Noch lange nicht da, wo wir sein müssten." © privat

Mit der Teilnahme Demos und Aktionen leistete Simon in Glasgow auch seinen Anteil daran, die Staaten daran zu erinnern, was da gerade auf dem Spiel steht. Bei einer Aktion für die Rettung der kleinen Ortschaft Lützerath in Nordrhein-Westfalen vor den Kohlebaggern klebte er sich zusammen mit einigen Dutzend Mitstreitern gelbe Kreuze auf Hände und Pullover - und freute sich über die Aufmerksamkeit der Weltpresse.

Als er schließlich wieder im Zug zurück nach Hause saß, war Simon Hoba froh, dass er seinen Punkt setzen konnte. "Auf der anderen Seite hatte ich aber auch das Gefühl, dass wir noch lange nicht da sind, wo wir sein müssten."

Das oberste Ziel müsse weiterhin sein, die weltweite Klimaerwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen. "Die Auswirkungen der Klimakrise sehen wir hier in Deutschland schon in Ansätzen, im globalen Süden sind sie aber schon extrem spürbar." Es brauche daher nicht mehr viel Fantasie, um sich auszumalen, was die Menschen auf der Erde erwarte, wenn nun nicht entschieden gegengesteuert werde.

Streiks ja, Hungerstreiks nein

"Ich bin optimistisch, dass wir das schaffen können", sagt Simon. Vielleicht setzt er auch deswegen vorerst weiterhin auf Streiks und politische Einflussnahme, statt auf Handschellen und zivilen Ungehorsam, wie ihn beispielsweise die Organisation Extinction Rebellion fordert.

"Ich habe ein Problem damit, für das Klima in den Hungerstreik zu treten, aber wenn es Menschen gibt, die so weit gehen, dann werden sie wohl persönlich triftige Gründe dafür haben."

Am wichtigsten es ihm, zu betonen: "Klimaschutz ist für alle da, für Weiße wie für people of color, für arme Menschen und reiche Menschen, für alle vom Land und alle in den Städten. Für uns und für die von morgen. Für alle. Egal, wen oder was sie wählen."