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Es drohen dramatische Kürzungen bei Freiwilligendiensten in Dresden

Klinik, Kita, Pflegeheim: Menschen, die ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) oder den Bundesfreiwilligendienst leisten, werden dringend gebraucht. Doch hier könnte es in Dresden bald Einschnitte geben.

Von Julia Vollmer
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Sie arbeiten beim  Arbeiter-Samariter-Bund: Landesgeschäftsführer Stefan Mette, die FSJ'lerin  Fabienne Schwindl und Referetin Laura Köhler.
Sie arbeiten beim Arbeiter-Samariter-Bund: Landesgeschäftsführer Stefan Mette, die FSJ'lerin Fabienne Schwindl und Referetin Laura Köhler. © Matthias Rietschel

Dresden. "Ich möchte mich gern ausprobieren und schauen, ob mir die Arbeit mit Kindern liegt." Fabienne Schwindl absolviert gerade ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) in einer Kita des Trägers Arbeiter-Samariter-Bund (ASB). "Ich helfe mit bei der täglichen Arbeit und spiele viel mit den Kindern, das erfüllt mich und bereitet mir großen Spaß. Die Kinder lieben es, dass ich so viel Zeit für sie habe", sagt die 19-Jährige.

Nach dem Abitur in dieses Jahr wollte sie erstmal herausfinden, welcher Beruf in Zukunft der richtige für sie sein könnte. Das Angebot des Freiwilliges Sozialen Jahres oder eines Bundesfreiwilligendienstes nehmen viele Dresdnerinnen und Dresdner in Anspruch. Doch es drohen dramatische Kürzungen des Bundeshaushaltes und damit auch in Dresden. Am 6. November rufen die freien Träger zu einem Aktionstag auf.

Der Haushaltsentwurf für 2024 sieht erhebliche Kürzungen in der Förderung des Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ) und des Bundesfreiwilligendienstes (BFD) vor. 113 Millionen Euro sollen in den kommenden zwei Jahren gestrichen werden, das sind etwa ein Drittel der Mittel. Es könnten also weniger FSJ-und BFD-Stellen finanziert werden.

ASB-Chef spricht von "dramatischer Ankündigung"

Was das für Dresden konkret in Zahlen bedeuten würde, ist noch offen. Fakt ist, Kürzungen würde es auch hier in großer Form geben müssen. "Das ist eine dramatische Ankündigung, die man nicht hinnehmen kann", sagt Sachsens ASB-Landesgeschäftsführer Stefan Mette. Die FSJ'ler leisten in den Dresdner Kitas , Altenheimen, Kliniken und Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen wertvolle Arbeit und geben den Menschen Zeit und Aufmerksamkeit.

All das würde zum Teil wegfallen oder zumindest deutlich eingeschränkt werden. In Dresden hat der ASB 16 Einsatzstellen, acht junge Menschen absolvieren aktuell ihr FSJ. In Sachsen sind es derzeit 58 beim ASB. Zwölf Monate dauert ein FSJ, es gibt 330 Euro Taschengeld und viele neue Erfahrungen. "Nach dem Schulabschluss können die jungen Menschen bei uns anfangen", sagt ASB-Referentin Laura Köhler.

"Für die jungen Menschen würde das bedeuten, eine Chance weniger zu haben, sich auszuprobieren, sich einzubringen und Gesellschaft mitzugestalten", sagt Anke Marx Sachgebietsleitung Freiwilligendienste beim ASB. Eine Chance weniger, den Arbeitsalltag kennenzulernen, die richtige Entscheidung bei der Berufswahl zu treffen und sich vielleicht doch für einen sozialen Beruf zu entscheiden. Eine Chance weniger, ehrenamtliches Engagement kennenzulernen und über die Schule hinaus weitere Bildung zu erfahren. Denn die Träger, wie der Arbeiter-Samariter-Bund bieten für die Freiwilligen auch Seminare an.

"Ehrenamtliches Engagement gehört zur Identität Sachsens"

Auch andere freie Träger bieten ein Freiwilliges Soziales Jahr und Bundesfreiwilligendienst (BFD) an und sorgen sich um die Kürzungen. "Die Jugendlichen und im BFD auch Lebensälteren engagieren sich in der Regel für ein Jahr lang hoch motiviert dort, wo es besonders wichtig ist: In Krankenhäusern, Kitas, Schulen, Horteinrichtungen, Sportvereinen, Jugendclubs, Seniorenheimen, in der Behindertenhilfe, in der Hilfe für Geflüchtete, in Kultureinrichtungen oder in Kirchengemeinden", sagt auch der Paritätische in Sachsen. Das Jahr sei eine unbezahlbar wertvolle und prägende Zeit der Persönlichkeitsentwicklung und Verselbstständigung.

"Ehrenamtliches Engagement gehört zur Identität Sachsens. Frauen und Männer, die sich für einen Freiwilligendienst entscheiden, gestalten unser Land auf eine bewundernswerte Art und Weise mit", betont auch Sachsen Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU). In der heutigen Zeit vieler Krisen seien alle gefordert. "Ohne die Unterstützung der vielen freiwillig Engagierten könnten wir viele der aktuellen Herausforderungen nicht stemmen."