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Rätsel um Dresdner Bauland

In Strehlen soll ein Einfamilienhausviertel entstehen, der Verkauf hat aber noch nicht begonnen. Nun sorgt ein eingezäuntes Grundstück für Verwirrung.

Wo jetzt oberhalb der Teplitzer Straße in Strehlen noch idyllisch Schafe weiden, soll eine neue Wohnsiedlung entstehen. Das Bauland mitten in der Stadt ist begehrt.
Wo jetzt oberhalb der Teplitzer Straße in Strehlen noch idyllisch Schafe weiden, soll eine neue Wohnsiedlung entstehen. Das Bauland mitten in der Stadt ist begehrt. © René Meinig

Dresden. Was ist denn da los, fragt sich Wolfgang Fleischer. Seit 1987 wohnt er in seinem Einfamilienhaus in einem beschaulichen Strehlener Wohngebiet und schaut von dort aus auf eine riesige Brache, auf der die Stadt Bauland für 35 neue Einfamilienhäuser verkaufen will. 

Die Grundstücke mitten in der Stadt sind begehrt, schon allein in seinem Bekanntenkreis hätten viele Interesse angemeldet, sagt Fleischer. Nun ist auf der Brache ein Areal an der Geystraße eingezäunt. "Wie kann das sein?", sagt der Anwohner. Noch hat der Verkauf der Grundstücke ja noch gar nicht begonnen. Wird da etwa gemauschelt, wechselt da Bauland unter der Hand den Besitzer?

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Nein, sagt die Stadt. Stattdessen würde es sich um einen Grundstückstausch handeln. Der sei notwendig gewesen, um den Bebauungsplan für das Gebiet umzusetzen. Konkret geht es um "eine private Fläche, die künftig der Öffentlichkeit zur Nutzung dienen soll". Vom begehrten Bauland wurde also noch nichts veräußert.

Schafbesitzerin musste Zaun bezahlen

Doch nicht nur bei Wolfgang Fleischer sorgt der neue Zaun auf dem Bauland für Verwirrung. Auch diejenigen, die ihn aufstellen mussten, sind verärgert. 

Lutz Hübler und Jacqueline Löser pachten die städtische Fläche seit 2013, halten hier rund 25 Schafe, die sonst beim Schlachter landen würden. Nun wurden sie per Post von der Stadt aufgefordert, das besagte Grundstück von der Schafweide abzutrennen. Nach eigenen Angaben hat der Maschendrahtzaun knapp 300 Euro gekostet - Geld, das sie eigentlich für die Versorgung der Tiere viel nötiger gebraucht hätten.

"Warum müssen denn wir das Grundstück einzäunen? Ist dafür nicht der Eigentümer verantwortlich?", fragt Lutz Hübler. Auch dem erteilt die Stadtverwaltung eine Absage.

Schließlich solle mit dem Zaun verhindert werden, dass die Pächterin ihre Nutzung über das gepachtete städtische Grundstück hinaus auf die private Fläche ausdehnt. Deshalb sei sie von der Stadt um die Einzäunung gebeten worden und kam dem nach. "Eine Einfriedungspflicht des Eigentümers besteht nicht", so ein Stadtsprecher.

Die Schafe weiden in Strehlen auf städtischem Bauland. Damit die Tiere nicht auf einem angrenzenden Privatgrundstück weiden, musste ihre Besitzerin nun den Zaun aufstellen. Darüber ist sie verwundert.
Die Schafe weiden in Strehlen auf städtischem Bauland. Damit die Tiere nicht auf einem angrenzenden Privatgrundstück weiden, musste ihre Besitzerin nun den Zaun aufstellen. Darüber ist sie verwundert. © René Meinig

Wie geht es mit dem Bauland weiter?

Eigentlich sollten die Grundstücke schon längst erschlossen und an Häuslebauer verkauft sein. Doch 2018 hatten Anwohner das Projekt ins Stocken gebracht, indem sie in einem sogenannten Normenkontrollantrag prüfen lassen wollten, ob alles seine gesetzliche Richtigkeit hat. 

In erster Linie geht es um eine neue Verbindungsstraße, von der auch Anwohner Wolfgang Fleischer ein erhöhtes Verkehrsaufkommen und damit deutlich mehr Lärm im Wohngebiet erwartet. 

Das Oberverwaltungsgericht Dresden lehnte den Antrag im August 2019 jedoch ab und bestätigte damit den Bebauungsplan. Doch wie geht es jetzt weiter mit dem Strehlener Bauland? 

Lutz Hübler und Jacqueline Löser befürchten, dass nun schon bald die Erschließung des Gebietes beginnt und sie die Fläche mit ihren Schafen räumen müssen. Tatsächlich ist die Frist zur Kündigung des unbefristeten Pachtvertrages mit einem Monat recht kurz. 

"Mit einem Kündigungsschreiben erhält der Vertragspartner der Landeshauptstadt Dresden die Information, dass der Vertragsgegenstand - das Weideland - ab Kündigungszeitpunkt nicht mehr genutzt werden darf", teilt die Stadt auf SZ-Anfrage mit.  

Allerdings scheint das in der nächsten Zeit eher nicht der Fall zu sein. "Gegenwärtig ist von Seiten der Grundstücksverwaltung der Landeshauptstadt eine Kündigung der Vertragsfläche nicht geplant." Für den Verkauf gebe es noch keinen Zeitplan.

Lutz Hübler kümmert sich um die gut 25 Schafe, die auf dem Strehlener Grundstück einen Gnadenhof gefunden haben. Wann sie von dort wegziehen müssen, ist derzeit noch unklar.
Lutz Hübler kümmert sich um die gut 25 Schafe, die auf dem Strehlener Grundstück einen Gnadenhof gefunden haben. Wann sie von dort wegziehen müssen, ist derzeit noch unklar. © René Meinig

Könnten auf dem Areal auch Sozialwohnungen entstehen?

Weil die Stadt zwischenzeitlich geprüft hat, ob das Bauland auch für Mehrfamilienhäuser mit Sozialwohnungen geeignet wäre, gibt es in der Siedlung die Vermutung, dass die städtische Wohnungsbaugesellschaft WiD das Areal nun für preiswerten Wohnraum nutzen soll. 

Dem ist allerdings nicht so. Denn der Bebauungsplan sieht lediglich Gebäude vor, die zwei bis drei Geschosse haben. Zudem dürfen nur 30 bis 40 Prozent der jeweiligen Grundstücksfläche überbaut werden, die offene Bauweise ist mit "Einfamilienhaus" oder "Hausgruppe" festgelegt. 

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