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Zukunft des Elbhangfestes: Nun sind die Dresdner gefragt!

Wird es ein Elbhangfest 2023 geben? Noch bis Mitte April läuft der entscheidende Ticketverkauf für das Festwochenende zwischen Loschwitz und Pillnitz. Volker Wenzel weiß: Es ist ernst.

Von Nadja Laske
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Volker Wenzel ist Wachwitzer und kennt das Dresdner Elbhangfest vom ersten Jahr an. Da ging noch so vieles, was heute undenkbar ist - und eine Menge Geld kostet.
Volker Wenzel ist Wachwitzer und kennt das Dresdner Elbhangfest vom ersten Jahr an. Da ging noch so vieles, was heute undenkbar ist - und eine Menge Geld kostet. © Sven Ellger

Dresden. Noch klopft der Regen auf die Pflastersteine am Körnerplatz. Bald soll die Sonne darauf brennen. Oder lieber nur scheinen - um die 25 Grad und locker bewölkt, das wäre das optimale Wetter für das nächste Elbhangfest. Schwer gelitten hat es schon: vor fünf Jahren unter Dauerregen bei zehn Grad, im Jahr darauf unter fast 40 Grad Hitze. Solche Kapriolen haben das Fest belastet, es finanziell ins Minus manövriert, für Diskussionen gesorgt, es dennoch nicht infrage gestellt. Immer gab es eine Lösung. Die gibt es nun auch, doch sie geht alle an.

Einer, der sämtliche Freuden und Schmerzen der Festlichkeit entlang der Elbhänge von Loschwitz bis Pillnitz kennt, ist Volker Wenzel. Er war 1990 bei der Gründung dabei. "Die Idee ist damals aus drei Anlässen heraus entstanden", erinnert er sich, "dem Wiederaufbau der Loschwitzer Kirche, dem Ausbau der Weinbergskirche in Pillnitz und der Restaurierung des alten Pumpenhauses in Wachwitz." Diese drei Initiativen hatten etwas zu Feiern und schlossen sich dafür zusammen.

Auf diesen kreativen Dunstkreis gehe nicht nur das geografisch längste Fest der Stadt zurück, sondern der Begriff "Elbhang" überhaupt. "Ich kann mich nicht erinnern, dass dieser Teil Dresdens vorher schon so genannt worden wäre", sagt Volker Wenzel, der das Wachsen und Werden fortan mit Stolz, aber auch mit Sorge begleitet hat.

60.000 Euro für Sicherheit beim Elbhangfest

"Den Festumzug zur Eröffnung hatten wir von Anfang an", sagt er. Offene Gärten auch. Was es nicht gab, waren unzählige Bühnen mit teurer Technik, entsprechende Versicherungen, Absicherungen durch Zäune und Security. Zunächst übernahm Volker Wenzel die Marktleitung in Wachwitz, engagierte sich im Vorstand des Elbhangfest-Vereins. Der brauchte bald einen Geschäftsführer, auch zu der Aufgabe sagte er ja - ehrenamtlich, wie alles, was der heute 60-Jährige für dieses Baby tat. Dabei hatte er als selbstständiger Elektriker alle Hände voll zu tun. "Aber es hat halt immer Spaß gemacht."

Über vieles muss er heute schmunzeln: über Kaffee und Kuchen, serviert auf Terrassen und in Gärten, von denen so kurz nach der Wende niemand recht wusste, wem sie eigentlich gehören. Über die Neuen, die nach Loschwitz kamen, zum Teil als Besitzer und Bewohner ebendieser Häuser, und es unter den Ur-Loschwitzern nicht immer leicht hatten. "Aber auch sie haben sich eingefügt und angeschlossen und schließlich mitgemacht. Das war schön zu sehen."

Die sogenannten offenen Gärten halten seit Jahren für Glorifizierungen her: Damals, als die Welt noch in Ordnung, der Kuchen mit Pflaumen eigener Ernte belegt und der Kaffee von Hand gefiltert war... Schnell taucht da das Wort "Kommerzialisierung" auf, und Volker Wenzel schüttelt sich: "Was will man uns denn damit vorwerfen?", fragt er und erinnert an die Märkte früherer Zeiten: "Da gab es meterlange Stände voller BHs, Socken, Haushaltsgeräte. Sogar Zeitschriftenhändler verkauften ihre Abos. Wenn das kein Kommerz ist!" Heute dominieren Kunsthandwerker, Winzer, individuelle Händler. Natürlich müsse es auch große Bierlieferanten und Bratwürste geben.

"Den Strom für die Stände haben wir anfangs einfach von den Anwohnern bezogen. So etwas ist heute undenkbar." Inzwischen finden die Gäste ausreichend gepflegte Toiletten vor und bewegen sich auf durch und durch behördlich abgenommenem Terrain. Doch die Erfüllung von Vorschriften kostet Geld.

Allein 60.000 Euro vom Budget fließen in die Sicherheit der Besucher, der Stände, aber auch der technischen Anlagen, die für so viele kulturelle Programmpunkte auf zahlreichen Bühnen nötig sind. Mehr Angebot schafft mehr Verpflichtung seitens des Veranstalters. Rund 20.000 Euro kosten die Absperrungen rund ums Festgelände. Honorare und Gagen für Künstler und andere Mitwirkende schlagen mit 80.000 Euro zu Buche.

"Wir brauchen eine Gesundheitsversorgung. Auch die ist Vorschrift. Dafür steht das Deutsche Rote Kreuz übers Wochenende mit 30 Leuten und drei Mannschaftswagen bereit", erzählt Volker Wenzel, der inzwischen als Vorstandsvorsitzender fest in die praktische Umsetzung des Festes eingebunden ist.

12.000 Karten sind das Limit

Und als Ur-Elbhangbewohner muss er in diesen Tagen viel anhören und viel erklären. Der Kartenverkauf für das nächste Elbhangfest vom 23. bis 25. Juni läuft. Die Tickets kosten zum Frühbucherpreis bis zum 15. April 18 Euro für das gesamte Wochenende und alle Programmpunkte. Das ist fünf Euro teurer als im vergangenen Jahr. Wieder etwas, was teurer wird und manch Gemüt erhitzt.

Kritikern kann Volker Wenzel all das erklären, was er an dieser Stelle auch anführt, inklusive gestiegener Preise für Strom, Kraftstoff, Gagen und Dienstleistungen, die auch das Fest treffen. Mehr noch: "Im Ticketpreis inbegriffen ist wie im vergangenen Jahr der Shuttle per Dampfer zwischen Loschwitz und Pillnitz." Auch gebe es an keiner Stelle zusätzliche Kosten für Veranstaltungen im Rahmen des Elbhangfestes, wie das früher üblich gewesen ist.

Es soll keine Drohung sein und doch mit vollem Ernst der Lage gesagt: "Wir müssen bis zum 15. April mindestens 12.000 Karten an Frühbucher verkauft haben, damit das Fest stattfinden kann", erklärt Volker Wenzel. Das ist erst die Hälfte der notwendigen Karten, doch dann sei die Kasse zumindest so weit gefüllt, dass die Planung beginnen kann. Im vergangenen Jahr waren kurzfristig Fördermittel, Spenden und drei Bürgschaften eingegangen und hatten das Budget gerettet. In diesem Jahr wird es diese Hilfen nicht geben.

Botschaft an die Dresdner: Wer A wie Abfeiern sagt, muss auch B wie Bezahlen sagen. Volker Wenzel jedenfalls ist zuversichtlich. Mit den höheren Temperaturen komme die Vorfreude auf das Elbhangfest. "Aber die Dresdner müssen sich rechtzeitig dazu bekennen."

Tickets für das Elbhangfest vom 23. bis 25. Juni 2023 gibt es an allen bekannten Vorverkaufsstellen noch bis zum 15. April zu 18 Euro plus Vorverkaufsgebühren. Sind bis dahin 12.000 Karten verkauft, läuft der Verkauf zu 25 Euro plus Gebühren pro Wochenendticket weiter. Weitere Informationen unter www.elbhangfest.de.