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Was Dresden besser kann als andere Städte

Beim Smart-City-Index ist Dresden der Aufsteiger des Jahres. Wie das gelungen ist und ob die Stadt immer noch ein flächendeckend kostenloses WLAN plant.

Von Christoph Springer
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Mobilitätspunkt am Pirnaischer Platz: Ursprünlich waren 250 Ladestationen bis Ende 2022 geplant. Diese Zahl hat die Stadt schon jetzt erreicht.
Mobilitätspunkt am Pirnaischer Platz: Ursprünlich waren 250 Ladestationen bis Ende 2022 geplant. Diese Zahl hat die Stadt schon jetzt erreicht. © René Meinig

Dresden. Das war ein großes Lob: Dresden ist smart - oder um es auf Deutsch zu sagen - die Stadt ist intelligent, gewitzt, schlau. Das bescheinigt ihr der Bitkom e.V. aus Berlin, der Branchenverband der Digitalwirtschaft. In einem Smart City-Vergleich aller deutschen Großstädte belegt Dresden Platz 6. Besonders freut die Verantwortlichen im Rathaus, dass die Stadt im Vergleich zum Vorjahr von allen den größten Sprung gemacht hat. Damals lag Dresden noch auf Rang 24.

Thema der jährlichen Studie ist die Frage, wie gut die deutschen Großstädte bei der Digitalisierung vorankommen. Stichworte wie Lebensqualität, Innovation und Wirtschaftsförderung spielen dabei eine Rolle.

Steigerung in allen Punkten

"Viele Städte haben Bedeutung und Chancen der Digitalisierung erkannt und machen Tempo", fasste Bitkom-Präsident Achim Berg Anfang Oktober das Ergebnis des sogenannten Smart-City-Index zusammen. Die sächsische Landeshauptstadt war ihm dabei eine Extra-Erwähnung wert. Sie sei der "Aufsteiger des Jahres 2021", stellte er fest.

Das Ergebnis zeigt: In allen sechs Kategorien, die dabei bewertet werden, hat Dresden Boden gut gemacht. Am meisten bei der Frage, wie die Digitalisierung in der Verwaltung vorankommt, am wenigsten im Bereich "IT und Kommunikation", zu dem unter anderem die Bewertung des Glasfasernetzes und die Zahl der Breitbandanschlüsse gehören. Doch auch da legte die Stadt sieben Punkte zu und landete am Ende im oberen Drittel des Rankings.

Wo die Stadt vorne liegt

4.500 Autofahrer lösen jede Woche in Dresden einen digitalen Parkschein. Sie werfen also kein Geld mehr am Parkscheinautomaten ein, sondern bezahlen mit dem Handy entweder über die Internetseite der Stadt oder über einen von drei Anbietern, denen die Stadt eine entsprechende Erlaubnis erteilt hat. Im Smart-City-Index schlug das in der Kategorie Mobilität zu Buche.

Auch beim Thema Elektromobilität konnte die Stadt punkten. 250 Ladestationen habe Dresden aktuell, so viele, wie ursprünglich erst Ende 2022 geplant waren. Jetzt soll das Tempo noch gesteigert werden. 400 sollen es Ende nächsten Jahres sein. Punkt für Dresden beim Smart-City-Index. Elektromobilität sei ein "Trendthema", sagt Robert Franke. Leiter des Amtes für Wirtschaftsförderung.

Roter Teppich für junge Unternehmen

Neue, innovative Unternehmen, sogenannte Start-ups, die Zukunftstechnologien entwickeln, finden in Dresden Platz in Gründerzentren. "Aber es ist auch wichtig, dass neue Ideen aus der Forschungslandschaft überhaupt das Licht der Welt erblicken", sagt Franke, "ein Start-up braucht auch eine Referenz, es reicht nicht nur ein Dach über dem Kopf."

Deshalb suche die Stadt nach Möglichkeiten, hier entwickelte Technologien auch gleich in Dresden auszuprobieren. "Das funktioniert zum Beispiel mit einem Parkplatzsensor, der auf Parkplätzen am Pirnaischen Platz und an der Gläsernen Manufaktur getestet wird." Das "Startup-Ökosystem" der Stadt sei ebenfalls sehr positiv bewertet worden.

Herausforderung für die Verwaltung

"Wir machen uns auf die Reise", beschreibt Franke die Mühe, die nötig ist, um die Digitalisierung als Stadt voranzutreiben. "Das ist keine Schokoladenseite einer Verwaltung, das fällt uns aufgrund unserer öffentlichen Struktur nicht leicht, aber wir nehmen die Herausforderung an." Franke spricht von einer "harten Lernkurve", kann aber auch Beispiele aus dem Rathaus nennen, die beim Smart-City-Index geholfen haben.

80 Verfahren seien inzwischen digitalisiert worden, etwa solche Anliegen, bei denen Dresdner Dokumente aus dem Rathaus brauchen. Bis Ende nächsten Jahres sollen es 200 sein. Als größte Herausforderung sieht Franke den Verwaltungszentrum-Neubau am Ferdinandplatz. Denn er setzt eine entscheidende Zeitgrenze. "2025 müssen wir eine komplett digitalisierte Verwaltung haben, damit wir beim Umzug dorthin voll arbeitsfähig sind", sagt der Amtsleiter. "Ich kenne kein derartiges Vorhaben im Rahmen eines Neubaus anderswo in Deutschland."

WLAN für alle ist kein Thema

Gratis-WLAN für alle und in ganz Dresden ist für Franke kein Thema. Es könnte im Smart-City-Index eine Rolle spielen in der Kategorie "IT und Kommunikation", aber Franke stellt infrage, ob das überhaupt nötig ist. Einerseits stelle sich die Frage, ob man sich von einem solchen Netz "überall anstrahlen lassen will", schließlich gebe es auch Menschen, die da Bedenken haben. Und: "Heute haben fast alle Handys mit einer Flatrate", wozu dann also noch Gratis-WLAN. Schließlich müsse man da auch investieren, und "jeden Euro, den man da ausgibt, kann man nicht für was anderes ausgeben". Nein, man müsse sich eher Gedanken machen über eine bessere Mobilfunkabdeckung und den Glasfasernetz-Ausbau, nennt Franke Aufgaben, die er wichtiger findet.

Der Erfolg war eine Überraschung

Mit dem 6. Platz beim Smart-City-Index hat niemand im Rathaus gerechnet. Schon gar nicht mit der Plakette "Aufsteiger des Jahres". Franke sagt: "Unsere Erwartungshaltung war defensiver." Jetzt sei Dresden die einzige ostdeutsche Stadt unter den Top Ten. Doch das soll es nicht gewesen sein. "Wir sind stolz auf das Ergebnis und es ist für uns ein Ansporn", gibt der Amtsleiter die Richtung vor zu mehr Digitalisierung, mehr Vernetzung, mehr Innovation. Das Ranking im nächsten Jahr wird zeigen, ob die Stadt diesem Anspruch gerecht werden konnte.