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Toiletten-Not in der Dresdner Altstadt

Im Glas-Pavillon am Zwingerteich befindet sich die einzige Toilette im Umkreis. Doch die ist zu. Mit den wiederkehrenden Touristen wird das zum Problem.

Ein neues Schild kündigt es bereits an: Schon bald kann das öffentliche WC am Zwingerteich wieder genutzt werden. Noch ist es aber geschlossen.
Ein neues Schild kündigt es bereits an: Schon bald kann das öffentliche WC am Zwingerteich wieder genutzt werden. Noch ist es aber geschlossen. © René Meinig

Dresden. Was der Dresdner Gästeführer Wolfgang Kuntzsch am 8. Juli beobachtet, zeigt das ganze Dilemma um öffentliche Toiletten in der Landeshauptstadt. Zwei Busse parken am Zwingerteich, 80 Kinder hatten sich auf die Reise nach Dresden gemacht, um die Sehenswürdigkeiten zu erkunden. Nach der zweistündigen Fahrt drückt natürlich ordentlich die Blase - das Problem war offenbar dringlich. Wer Kinder hat, der weiß: Dann muss es schnell gehen. "Die Busfahrer kannten Dresden und waren fest der Meinung, dieses Problem hier zu lösen", so Kuntzsch.

Gemeint ist der kleine Glaspavillon an der Ecke von Ostra-Allee und der Straße Am Zwingerteich, in dem auch ein Bistro untergebracht ist. Beides ist seit vergangenem Jahr geschlossen, weil der ehemalige Eigentümer Reinhard Saal Dresden den Rücken gekehrt hat. Hintergrund ist ein Streit zwischen ihm und dem Landesamt für Denkmalpflege, das ihm einen Neubau auf dem Grundstück verwehrt hatte. Kurzerhand machte Saal das Bistro samt Toilette dicht und verkaufte das Areal an den Freistaat.

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Böse Überraschung für die 80-köpfige Kindergruppe: Nach zwei Stunden Busfahrt standen sie am Glaspavillon neben dem Zwingerteich vor verschlossenen Türen - das WC ist geschlossen.
Böse Überraschung für die 80-köpfige Kindergruppe: Nach zwei Stunden Busfahrt standen sie am Glaspavillon neben dem Zwingerteich vor verschlossenen Türen - das WC ist geschlossen. © privat

Das geschlossene WC hat nun drastische Folgen. Der Bustourismus kommt langsam wieder in Gang, doch von der Schließung wissen offensichtlich nicht alle Busfahrer. Die Kindergruppe stand am Glas-Pavillon vor verschlossenen Türen, eine schnelle Alternative gab es nicht. "So blieb nur die Lösung: Grüne Wiese", berichtet Gästeführer Kuntzsch. Und das mitten im historischen Dresdner Stadtzentrum.

Später seien noch weitere Busse am Zwingerteich angekommen, alle mit dem Ziel, den Fahrgästen Erleichterung zu verschaffen. Wolfgang Kuntzsch fragt sich: "Wo sollen denn die Gäste hin?" Denn auch der Zwinger ist derzeit geschlossen. Die Toilettensituation in Dresden sei einfach unbefriedigend - vor allem für Reisegruppen, kritisiert der Stadtführer.

Derzeit gibt es in Dresden insgesamt 95 öffentliche Toiletten, 24 Prozent von ihnen befinden sich in der Altstadt unter anderem in den Einkaufzentren und im Rathaus. Auch der Dresdner Seniorenbeirat, der Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) und den Stadtrat berät, verwies zuletzt darauf, dass am Postplatz ein öffentliches WC fehlt. Zudem sollen weitere Toiletten im Stadtzentrum wegfallen, unter anderem, weil entsprechende Verträge auslaufen.

Ab August gibt es einen neuen Betreiber

Doch es gibt zumindest Hoffnung für den Bereich am Postplatz und am Zwinger. Auf Anfrage teilt das Rathaus mit, dass für den Glas-Pavillon ein neuer Betreiber gefunden wurde. Bereits seit vergangenem Jahr war die Stadt auf der Suche, denn das dringliche Problem blieb auch der Stadtverwaltung nicht verborgen. Sie konnte sich mit dem Freistaat darauf verständigen, dass das Bistro und das öffentliche WC erhalten bleiben und weiter betrieben werden. Eigentlich hätte der Pavillon schon 2019 abgerissen werden müssen - so hatten es Reinhard Saal und die Stadt vereinbart, als Saal die Pläne für das neue Wohn- und Geschäftshaus schmiedete.

Da der Neubau nun ohnehin nicht möglich ist - die Landesdenkmalpfleger störten sich an der Höhe des Hauses, das die Sicht auf den historischen Marstall und die Theaterwerkstätten versperren würde - kann auch der Pavillon stehen bleiben.

Der neue Betreiber ist am Platz kein Unbekannter. Dima Maslov betreibt seit 2009 das Restaurant Odessa in der Ostra-Allee 11. Er plant, das Bistro samt Toilette am 2. August zu eröffnen. Das hänge allerdings von den Arbeiten an der Terrasse ab, die derzeit stattfinden, sagt Maslov. Der alte Holzboden wird gegen Steinplatten ausgetauscht. Grundsätzlich wolle er das Bistro so weiterführen wie sein Vorgänger, allerdings kommen einige Suppen und Salate zum Angebot hinzu, möglicherweise auch Softeis.

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Der Glaskubus mit Bistro und einziger Toilette im Umkreis sollte längst abgerissen sein - das ist nun erstmal vom Tisch. Wer ihn weiterbetreibt.

Maslov hatte sich auf eine Ausschreibung hin mit seinem Konzept bei der Stadt um das Bistro beworben, das er nun als Pächter führen wird. "Entsprechend dem Vertrag werden die Toiletten von Montag bis Sonntag benutzbar sein", so die Stadtverwaltung. Das bestätigt Maslov: "Im Sommer ist das WC täglich von 10 bis 19 Uhr zugänglich, im Winter von 10 bis 17 Uhr."

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