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Von der Altenpflegerin zur Hunde-Expertin

Mitten in der Corona-Krise hat Babette Irmscher einen Frostfleisch-Laden für Hund und Katz in Dresden eröffnet - geht aber auch gern mal mit 15 Hunden Gassi.

Krisensichere Berufswahl: Der gerade eröffnete Hundefutter-Laden von Babette Irmscher ist nicht vom Lockdown betroffen.
Krisensichere Berufswahl: Der gerade eröffnete Hundefutter-Laden von Babette Irmscher ist nicht vom Lockdown betroffen. © René Meinig

Dresden. In diesem Haus geht's rund - ob mit oder ohne Lockdown. Bei zwei Töchtern, zwei Hunden, zwei Katzen und einem Freund ist bei Babette Irmscher in Dresden immer Leben in der Bude.

Dasselbe kann die 33-Jährige inzwischen von ihrem Geschäft in der Oschatzer Straße in Pieschen sagen. Unter dem Namen "Barf4Friends" verkauft sie hier seit vergangenem September Frostfleisch für Hunde und Katzen.

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Unter Barfen versteht man das Füttern mit rohem Fleisch, das immer mehr Tierliebhaber als Alternative zu den Fertigprodukten aus dem Supermarkt für sich entdecken. Die Vorteile: keine Zusätze, keine Kohlenhydrate, kein totgekochtes Futter.

Was die Ernährung von Hund und Katze angeht, macht Babette so schnell niemand etwas vor. Immerhin ist sie ausgebildete Ernährungsberaterin für diese Tiere und Vitalpilztherapeutin.

Dabei hatte die gebürtige Chemnitzerin am Anfang ihrer Berufskarriere eigentlich die Gesundheit von Menschen im Blick. In Dresden machte sie eine Ausbildung zur Altenpflegerin und arbeitete auch einige Zeit in Pflegeheimen und der ambulanten Betreuung. "Der Job ist schön, aber die Bedingungen in der Praxis sind es nicht", sagt sie. "Es gibt wenig Geld und die Arbeit wird kaum gewürdigt. Das wollte ich mir nicht länger angucken."

Gassigehen mal anders: Auch mit einem Dutzend Hunden an der Leine funktioniere das erstaunlich gut.
Gassigehen mal anders: Auch mit einem Dutzend Hunden an der Leine funktioniere das erstaunlich gut. © privat

Um den raschen Absprung aus der Pflege zu schaffen, gründete sie 2018 einen Gassigehservice. Das Prinzip: Für eine Gebühr zwischen 16 und 18 Euro holt sie früh die Hunde zu Hause ab, verbringt mit ihnen den Tag in der Natur und bringt sie dann ausgepowert zurück.

"Ich hatte 2017 einen Bandscheibenvorfall und danach Schwierigkeiten mit langem Sitzen und körperlich schweren Arbeiten." Da sei der Gassiservice genau richtig gekommen, zumal sich das Angebot in kurzer Zeit so herumsprach, dass sie bald voll ausgelastet war.

"Da ist man dann schon mal mit bis zu 15 Hunden unterwegs, aber das funktioniert erstaunlich gut." Jedes Tier im Rudel wisse genau, was es darf und was nicht.

Für ihre beiden eigenen Rhodesian Ridgebacks Malou und Gianna gelte das sowieso. Neue Hunde müssten allerdings zunächst an die Gruppe gewöhnt werden. Allzu spontane Buchungen sind daher ausgeschlossen.

Nur Schwein ist tabu

Wer den Service in Anspruch nimmt? "Jeder. Wirklich jeder, vom Azubi bis zur älteren Dame." Während der eine einfach zu wenig Zeit habe, wolle der andere seinem Hund einfach etwas Gutes tun und ihm soziale Kontakte verschaffen.

Schon vor Gründung des Gassiservice war für Babette klar, dass sie irgendwann einen Laden eröffnen möchte. Auch als Ernährungsberaterin half sie schon bald überforderten Hundebesitzern.

Ab Ende 2019 fühlte sie sich dann bereit, die Gassirunden an Aushilfen abzugeben und mit der Planung für ihr Geschäft zu beginnen. "Rückblickend war es gut, dass ich so früh angefangen habe, denn in der Corona-Krise kommen sonst zwangsläufig viele Planungen durcheinander."

Ihr Plan ging auf. Trotz Baustelle vor der Tür lief das Geschäft im Herbst gut an, auch Dank ihrer Netzwerke. Inzwischen brumme der Laden. Gassi geht Babette selbst nur noch einmal in der Woche.

Für den Ausgleich, und um mögliche Probleme in der Gruppe zu erkennen. Auch im Geschäft hat sie eine Angestellte, kümmert sich aber auch selbst viel um Ware und Kunden. "Das hat sich super eingespielt", sagt sie.

Neben Halsbändern und anderer Ausstattung geht es hier vor allem ums Fleisch. Im Angebot ist alles, was das Hunde- und Katzenherz begehrt: Pferd, Ente, Huhn, Pute, Rind, Kaninchen, Hirsch und Ziege.

Nur kein Schwein - das ist roh tabu. Ansonsten gelte: Katzen sind mäkeliger als Hunde, und schwieriger umzustellen.

Barfen muss nicht teurer sein

"Gerade, wer mit dem Barfen beginnt, tut gut daran, sich zunächst einmal beraten zu lassen", sagt Babette. Im Vergleich zum klassischen Trockenfutter müssten einige Dinge beachtet werden, um den Bedarf an allen wichtigen Nährstoffen zu decken. Dazu komme die nötige Küchenhygiene, um sich zu Hause keine Keime einzufangen.

"Wer die Zeit dafür nicht hat, der sollte sich am besten nicht erst mit dem Barfen beschäftigen." Es sei nicht damit getan, ausschließlich Hähnchenbrust in den Hund reinzustopfen.

Auch ein Fleischbatzen als Leckerli einmal in der Woche sei eher keine gute Idee. "Davon rate ich generell ab. Ich möchte niemanden belehren, aber Trockenfutter wird anders verdaut als Rohfleisch. Es dauert eine Weile, bis sich der Körper darauf eingestellt hat." Mit einem ständigen Wechsel tue man seinem Tier daher keinen Gefallen.

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Einen weit verbreiteten Irrtum will Babette aus der Welt schaffen: Barfen müsse nicht unbedingt viel teurer sein, als Dosenfutter zu kaufen. Für einen mittelgroßen Hund kalkuliert sie mit etwa 60 bis 70 Euro im Monat. "Und das sollte er uns doch wert sein, oder?"

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