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Dresden: Einschnitte in der Jugendarbeit?

Im Entwurf des Haushaltes für 2021/2022 sind Kürzungen geplant. Das könnte dramatische Folgen für die Kinder haben.

Xenia Böhme von der offenen Kinder und Jugendarbeit bei Outlaw.
Xenia Böhme von der offenen Kinder und Jugendarbeit bei Outlaw. © Sven Ellger

Dresden. Wer bekommt wie viel Geld in Dresden? Immer wieder wird das heiß diskutiert. Nun hat Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) seinen Entwurf für den Haushalt 2021/2022 vorgestellt. Die Stadt plant einen Haushalt von 1,8 Milliarden Euro pro Jahr. Das ist so viel wie 2019 und 2020 auch. Finanzbürgermeister Peter Lames (SPD) hatte mit deutlich heftigeren Auswirkungen der Corona-Krise gerechnet.

Doch der "Corona-Pakt" des Bundes bedeutet für Dresden konkret, dass in diesem Jahr alleine gut 30 Millionen Euro als Ausgleich für ausgefallene Gewerbesteuern gezahlt werden. Es muss gespart werden, doch wo? 

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OB will keine "Kahlschläge"

Generell überall, sagt Hilbert. Bei der Jugendhilfe gibt es leichte Abstriche, ebenso bei der Kulturförderung. "Wir wollen keine Kahlschläge", betont Hilbert. Deswegen sei er bedacht darangegangen.

"Aber, ja: Keine Erhöhung des Budgets, bei steigenden Mieten und steigenden Sach- und Personalkosten, bedeutet, wir müssen uns Gedanken machen, wie die Angebote aufrecht erhalten werden."

Die Vereine und Träger der Jugendhilfe schlagen Alarm. Zahlen von Kürzungen von rund 600.000 Euro in der Jugendhilfe kursieren bei den freien Trägern. "Die Kinder- und Jugendarbeit in Dresden steht vor massiven Kürzungen.

Aber gerade junge Menschen und Familien sind die Hauptleidtragenden der Coronapandemie und des Lockdowns", so das Bündnis „Jugendarbeit sichern – Zukunft gestalten“. Gerade in diesen schwierigen Zeiten bräuchten Kinder und Jugendliche kompetente Ansprechpartner. "Wer an dieser Stelle heute spart, zahlt morgen drauf!"

Sozialarbeiterin warnt: "Das geht zulasten der Kinder"

Vor Einsparungen an der falschen Stelle warnt auch Xenia Böhme, Teamleiterin bei der mobilen Jugendarbeit Friedrichstadt vom freien Träger Outlaw. "Wenn es zu Kürzungen kommt, müssen wir schauen, ob wir bei unserem Angebot und bei den Zeiten kürzen müssen", so Böhme.

Das gehe immer zu Lasten der Kinder. Dabei könnte die Investition in Hilfe jetzt vor hohen Kosten wie Hartz IV oder Entzugstherapien schützen. "Durch die geplanten Kürzungen könnte sich die Situation für die Familie noch mehr verschärfen", sagt sie. Auch die wohnungslosen Jugendlichen, die jetzt im Jugendtreff einen warmen Kaffee und ein offenen Ohr finden, ständen vor Problemen.

Böhme und ihre drei Kollegen bieten neben Treffs auf dem Spielplatz zum Toben und Reden auch die sogenannte aufsuchende Arbeit an. "Wir gehen also zu Plätzen, wo sich die Jugendlichen aufhalten und sprechen mit ihren über ihre Probleme wie suchtkranke Eltern, Sorgen in der Schule oder Schulden der Familie", so Böhme.

Etwa 20 bis 30 Kinder und Jugendliche betreuen sie und ihre Kollegen fest, dazu kommen noch weitere, die immer mal wieder an den Angeboten teilnehmen. Böhme begleitet die Kinder auch zu Terminen beim Jugendamt oder in der Schule, wenn sie das möchten.

Es geht um "besonders verletzliche Gruppen"

Am 13. Oktober rufen die Träger der Projekte der Gleichstellungsarbeit und Jugendhilfe in Dresden zwischen 14 und 17 Uhr zu einer Kundgebung vor dem Rathaus auf. Es soll Wortbeiträge geben und eine Übergabe von Einwendungen gegen den Haushaltsentwurf.

"Die Gleichstellungsarbeit der Stadt leidet seit Jahren darunter, Kürzungen in Kauf nehmen zu müssen und dabei mit sehr geringen finanziellen Mittel trotzdem eine fachlich und qualitativ hochwertige Arbeit zu leisten", so Alexander Bahr vom Gerede e.V..

Die Gleichstellungsarbeit unterstütze insbesondere die Personengruppen, die zu den besonders verletzlichen Gruppen gehören. "Das sind Frauen, Menschen mit Migrations- und Fluchterfahrungen und queere Jugendliche, die durch Coronapandemie vermehrt auf ihr teilweise homo- und transfeindliches Elternhaus zurückgeworfen sind und in aktueller Zeit mehr Unterstützung als sonst benötigen."

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