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Mord in Dresden: Verteidiger kündigt Revision an

Für seinen Anschlag auf ein homosexuelles Paar muss ein Islamist ins Gefängnis. Sein Verteidiger ist überzeugt: Das Gericht hätte Jugendstrafrecht anwenden müssen.

Abdullah A. (r.) wurde zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Sein Anwalt Peter Hollstein (l.) hatte für den Mord zwar auch die Höchststrafe gefordert – allerdings nach Jugendstrafrecht.
Abdullah A. (r.) wurde zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Sein Anwalt Peter Hollstein (l.) hatte für den Mord zwar auch die Höchststrafe gefordert – allerdings nach Jugendstrafrecht. © dpa/Sebastian Kahnert

Dresden. Vor einer Woche ist der 21-jährige Syrer Abdullah A. zur höchstmöglichen Strafe verurteilt worden. Für seinen Anschlag auf ein homosexuelles Paar im Oktober 2020 verurteilte ihn das Oberlandesgericht Dresden (OLG) wegen Mordes, versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe. Da das Gericht auch die besondere Schwere der Schuld feststellte, kann der Angeklagte für seinen schwulenfeindlichen Anschlag auf das Touristenpaar nicht mit einer Entlassung vor gut 20 Jahren rechnen.

Doch auch nach Verbüßung der Freiheitsstrafe könnte sich vorerst nur die Art seiner Unterkunft ändern. Denn das OLG hat auch die Unterbringung in der Sicherungsverwahrung vorbehaltlich angeordnet. Mehr als ein Vorbehalt ist bei einem heranwachsenden Täter nicht möglich.

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Täter bedauerte, dass nur einer starb

Der Grund für die Sicherungsverwahrung ist die hohe Gefährlichkeit des Mannes für die Allgemeinheit. Derzeit sei nicht erkennbar, ob sich der 21-Jährige ändern werde, urteilte das Gericht. Gegenüber einem psychiatrischen Sachverständigen hatte A. erst im März ausgesagt, dass er seine Tat nicht bedauere, sondern lediglich, neben Thomas L. (55) nicht auch dessen Partner Oliver L. (53) getötet zu haben, weil er nicht kraftvoll genug zugestochen habe.

Die kruden Gedanken des radikalislamistischen Täters, der am Abend des 4. Oktober 2020 in der Dresdner Innenstadt war, um Ungläubige zu töten, wie er sagte, sind nur schwer zu ertragen. Das gesteht auch Peter Hollstein, A.s Verteidiger. Er hat jetzt eine Revision des Urteils durch den Bundesgerichtshof angekündigt. Auch Hollstein hatte vergangene Woche die Höchststrafe für seinen Mandanten gefordert – allerdings unter Anwendung des Jugendstrafrechts. Im Jugendstrafrecht steht der Erziehungsgedanke im Mittelpunkt, nicht die Sühne. An der Dauer der Unterbringung hätte das jedoch wenig geändert.

Kann sich Abdullah H. ändern?

Ein Mörder kann nach dem Jugendstrafrecht zu 15 Jahren Haft verurteilt werden und anschließend, unter Vorbehalt angeordnet, auch in die Sicherungsverwahrung kommen. So lange er als gefährlich beurteilt wird, kann er nicht mit Freiheit rechnen. Diese Frage muss jährlich geprüft werden. Viel hätte sich für Abdullah H. daher nicht geändert. Allerdings wäre es möglich, therapeutisch mehr mit ihm zu arbeiten. Die Wahrscheinlichkeit, dass er sich ändert, sei daher größer, so Hollstein.

In der gut dreijährigen Jugendstrafe, die A. bis unmittelbar vor seinem Anschlag verbüßt hatte, war der Mann für Therapeuten nicht erreichbar. Daher hatte das Gericht nun das Jugendstrafrecht ausgeschlossen. Er sei in seiner Persönlichkeit gefestigt, Hollstein hält dem entgegen, bei A. lägen eine Reihe Reifedefizite vor.

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Er habe nicht gelernt, eigenverantwortlich zu leben, tragfähige Beziehungen einzugehen oder ein Lebensziel zu entwickeln. Auch dass er „seine Sexualität in so fataler Weise mit Religion verknüpft hat“ unterstreiche das. A. glaubte, wegen Selbstbefriedigung in die Hölle zu kommen und tötete daher „Ungläubige“, um seinem Gott zu gefallen.

Der Vorsitzende Richter Hans Schlüter-Staats hatte am Ende des Prozesses zu A. gesagt, diese Tat sei gotteslästerlich. Der Angeklagte habe seinen Gott „kleingemacht“, als er getötet habe. „Diese persönlichen Worte des Vorsitzenden hatten durchaus etwas Erzieherisches“, sagt Hollstein. Für die Begründung seiner Revision müsse er jedoch das schriftliche Urteil abwarten.

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