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Einsatz gegen "Wüteriche" auf Dresdens Straßen

Die Verkehrspolizei ist an Problemstellen in Dresden im Einsatz, um das Verhalten von Auto- und Radfahrern zu kontrollieren. Sie weiß auch, wer an den Unfällen schuld ist.

Die Chemnitzer Straße in Dresden ist ein Problemfall. Wie schon 2019 wird die Polizei auch dieses Mal dort das Zusammenspiel von Rad- und Autoverkehr kontrollieren.
Die Chemnitzer Straße in Dresden ist ein Problemfall. Wie schon 2019 wird die Polizei auch dieses Mal dort das Zusammenspiel von Rad- und Autoverkehr kontrollieren. © Archiv/Rene Meinig

Dresden. Gerald Baier spart nicht mit Kraftausdrücken. Das sei überspitzt, versucht der Chef der Dresdner Verkehrspolizei zwar, seine drastische Sprache ein wenig abzuschwächen. Doch er nutzt diese Worte so häufig, dass schnell klar wird: Sie sind kein Zufall. Baier kennt sich aus, er weiß genau, wovon er spricht.

"Rücksichtslose Wüteriche" nennt er die Sorte Autofahrer, "die nur an sich denken", alles andere kümmere sie "einen Dreck". Auch unter Radfahrern gebe es "Wüteriche", die sich "aus der StVO nur nehmen, was ihnen gefällt" und andere Verkehrsregeln ignorieren. Wie "Feuer und Wasser" seien sie auf den Dresdner Straßen.

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Dagegen will Baier ankämpfen. Gemeinsam mit seinen Kollegen startete er deshalb jetzt die zweite Auflage der Aktion "Respekt durch Rücksicht", bei der die Verkehrspolizei das Verhalten von Rad- und Autofahrern in Dresden ganz besonders genau kontrolliert.

Kontrolleinsätze ab der nächsten Woche

"Harmonisieren, was sich nur schwer vereinigen lässt", beschreibt Baier das Ziel der Aktion, für die die Verkehrspolizei ab dem 4. Mai verstärkt unterwegs sein wird. An diesem Tag ist der Seitenabstand beim Überholen von Radfahrern das Hauptthema, einer der Kontrollorte wird die Chemnitzer Straße sein.

Dort waren die Beamten auch schon vor zwei Jahren im Einsatz, beim ersten "Respekt-durch-Rücksicht"-Einsatz der Verkehrspolizei. Auch damals war der Seitenabstand ein Thema. 1,50 Meter muss er betragen, wenn ein Kraftfahrzeug ein Fahrrad überholt, erklärt Baier.

Zwar gehören Verstöße gegen diese Regel mit weniger als drei Prozent zu denjenigen, die nur eine untergeordnete Rolle bei den Unfallursachen spielen, doch Radfahrer würden zu knappe Überholmanöver eben als besonders gefährlich empfinden und deshalb dorthin ausweichen, wo sie von Autofahrern nicht erwartet werden. Auch das könne zu Unfällen führen.

Gerald Baier sagt zwar, das sei überspitzt. Aber er spricht dennoch von "Wüterichen" im Straßenverkehr.
Gerald Baier sagt zwar, das sei überspitzt. Aber er spricht dennoch von "Wüterichen" im Straßenverkehr. © Sven Ellger

Mehr Unfälle mit Radfahrern

Die Statistik der Polizei zeigt beim Thema Radunfälle für 2019 einen unerfreulichen Wert. Trotz zurückgegangener Gesamtunfallzahlen sei die Zahl der Radfahrerunfälle gestiegen. 2020 waren es 1.545. Das ist der Spitzenwert des letzten Jahrzehnts. 1.296 Radfahrer wurden dabei verletzt, 187 mehr als 2019. Zwei Menschen kamen ums Leben.

Baier räumt ein, dass die gestiegene Unfallzahl auch mit der Tatsache zusammenhängt, dass die Zahl der Radfahrer steigt, insbesondere in der Corona-Zeit seien zusätzlich Menschen aufs Rad umgestiegen. Deshalb passt die Zahl der Radunfälle im Vergleich zur Gesamtzahl der Unfälle im vergangenen Jahr auf den ersten Blick auch zur Zahl der Wege, die in Dresden mit dem Fahrrad zurückgelegt werden. Das seien 15 bis 17 Prozent aller Wege, sagt der Verkehrspolizei-Chef. An zwölf Prozent aller Unfälle waren 2020 Radfahrer beteiligt.

Doch die Zahl der Verletzten zeigt, wie wichtig das Thema ist. 60 Prozent aller Unfälle mit Verletzten waren im vergangenen Jahr Unfälle mit Radfahrern. "Es waren zum ersten Mal mehr als 1.000 leicht Verletzte und mehr als 200 wurden schwer verletzt", sagt Baier.

Statistik zeigt auch die Unfallverursacher

Besonders häufig sind dabei Zusammenstöße von Fahrrädern und Pkw. Sie machten im vergangenen Jahr etwa 53 Prozent aller erfassten Unfälle mit Radfahrer-Beteiligung aus. Fast 30 Prozent waren Unfälle, an denen Radfahrer allein beteiligt waren. Alkohol ist dabei eine Ursache, die der Polizei Sorgen macht.

Aus der Statistik ergibt sich auch, wer bei den Zusammenstößen zwischen Fahrrädern und Autos die Hauptverursacher waren. In 65 Prozent aller Fälle waren es die Autofahrer. Besonders häufig passierten solche Unfälle beim Abbiegen oder Einfahren mit Autos, sagt Baier, das war in 44 Prozent aller erfassten Zusammenstöße die Ursache.

Drei Prozent passierten, weil Autofahrer ihre Tür öffneten und dabei nicht darauf geachtet haben, dass gerade ein Radfahrer vorbeifahren wollte. Und trotz der gefühlten Gefährlichkeit war bei weniger als drei Prozent aller Unfälle zu geringer Seitenabstand die Ursache.

Wenn Radfahrer die Verursacher waren, dann war die Unfallursache bei 13 Prozent aller Zusammenstöße die falsche Straßennutzung. Das heißt, ein Radfahrer fuhr zum Beispiel in einer Einbahnstraße in die falsche Richtung oder auf dem falschen Radweg. Sieben Prozent der von Radfahrern verursachten Unfälle waren 2020 auf mangelnde Fahrtauglichkeit zurückzuführen. Im Klartext: Die Unfallfahrer waren betrunken.

Die Fahrradpolizisten Franziska Winter und Thomas Kirally gehören zu den Beamten, die bei der Aktion "Respekt durch Rücksicht" im Einsatz sein werden.
Die Fahrradpolizisten Franziska Winter und Thomas Kirally gehören zu den Beamten, die bei der Aktion "Respekt durch Rücksicht" im Einsatz sein werden. © Sven Ellger

Täglich drei Kontrollorte

Die Polizei wird ab kommender Woche täglich zwischen 6 und 20 Uhr an mehreren Punkten im Einsatz sein, um den Auto- und Radverkehr zu überwachen. Drei Orte pro Tag sind geplant, dazu gehören unter anderem die Chemnitzer Straße und die Winterbergstraße. Im Internet sammeln die Beamten Hinweise zu weiteren Problemstellen. Auch diese Bürgerhinweise sollen in die Reihe der Kontrollorte einfließen.

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Im Beteiligungsportal des Freistaats können solche Gefahrenstellen von jedermann eingetragen werden. Es ist im Internet zu finden unter buergerbeteiligung.sachsen.de.

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