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Warum Alphörner über Prohlis erklingen

Die Dresdner Sinfoniker haben sich etwas Besonderes in Corona-Zeiten einfallen lassen. Hörner und andere Instrumente spielen sie auf Hochhausdächern.

Himmel über Prohlis der Dresdner Sinfoniker.
Himmel über Prohlis der Dresdner Sinfoniker. © Sven Ellger

Dresden. Wenn sie nicht im Konzertsaal spielen können, dann eben auf Hochhausdächern. Das hat sich Markus Rindt, Intendant der Dresdner Sinfoniker gesagt.

In Prohlis gab es am  Samstag ungewöhnliche Klänge zu hören. Vormittags von kleinen Gruppen der Sinfoniker in Innenhöfen und nach 17 Uhr von den Dächern von vier 17-Geschossern und dem Parkdeck des Prohlis-Zentrums. 

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Kultur muss in Corona-Zeiten ungewöhnliche Wege gehen. Markus Rindt und seine Dresdner Sinfoniker tun das aber nicht nur dann. 

Rindt und die Sinfoniker haben bereits an der Stelle, an der US-Präsident Donald Trump eine Mauer zu Mexiko geplant hatte, gegen diese Pläne gespielt. In diesem Jahr kam Corona. Die Sinfoniker entschieden sich, der Pandemie aufs Dach zu steigen.

© Sebastian Kahnert/dpa
© Sebastian Kahnert/dpa
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© Sebastian Kahnert/dpa
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Sechzehn Alphörner, neun Trompeten, vier Tubas und vier Dà Gǔ-Trommeln sollten Prohlis in ein Alpenpanorama verwandeln, so der Plan. Ein kostenfreies Konzert gegen die Corona-Krise - zumindest auf der Straße. Für das Parkdeck gab es Karten.

So ein Konzert, fast 50 Meter in der Höhe, auf den Dächern von vier 17-geschossigen Gebäuden, gab es in Dresden noch nie. Der Klangsockel wurde auf vier chinesischen Dà-Gǔ-Trommeln vom Parkdeck des Shoppingcenters gespielt.

Mehrere hundert Meter lagen zwischen den Musikern. Deshalb ging es um die Verständigung unter den Instrumentengruppen. "Genau hierfür steht auch das Alphorn: das Wechselspiel über weite Entfernungen im Gebirge", erklärt Rindt. Nur dieses Mal eben im Plattenbauviertel Prohlis. Deshalb lautet der Titel auch "Himmel über Prohlis". 

Als die Instrumente erklangen,  blickten die Dresdner erstaunt nach oben. Mehrere Hundert hatten sich rings um das Center versammelt.

Die Dachflächen hat der Großvermieter Vonovia zur Verfügung gestellt und spendete 15.000 Euro für die Realisierung. "Himmel über Prohlis ist ein einzigartiges Musikerlebnis und ein kulturelles Highlight. So lässt sich das Quartier noch einmal von einer ganz anderen Seite erleben", sagt Dresdens Vonovia-Chefin Martina Pansa. "Wir freuen uns und sind stolz, dass wir unkompliziert unterstützen können. Klassische Musik, die Dresdner Sinfoniker und Vonovia gehören zu Dresden."

Los ging es mit einer Fanfare - aber nicht irgendein Stück, sondern das, was der Filmkomponist John Williams für die Olympischen Spiele 1984 schrieb. Es folgte eine Komposition des Venezianers Giovanni Gabrieli.

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Zum Höhepunkt wurde das neue Werk von Markus Lehmann-Horn. Danach kam das große Finale. Durch die räumliche Verteilung konnten die Mindestabstände in Zeiten der Corona-Pandemie eingehalten und Musik wieder live erlebt werden, sagt Rindt. "Ziel war es, Prohlis mit ungewohnten Klängen für viele Menschen 'hörbar' zu machen." Die Sinfoniker wollten die Dresdner dort abholen, wo sie wohnen.

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