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Deutschland & Welt

Zugunglück: Lokführer stirbt bei Kollision

Nahe Tschechiens Hauptstadt Prag ist in der Dienstagnacht ein Nahverkehrszug in einen Güterzug gekracht. Die Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen.

Kameraden der Feuerwehr entkeilen am Mittwochvormittag die zwei verunglückten Züge.
Kameraden der Feuerwehr entkeilen am Mittwochvormittag die zwei verunglückten Züge. © Twitter/Správa železnic

Český Brod. Beim Zusammenstoß eines Personenzugs mit einem Güterzug hat es in Tschechien Dutzende Verletzte gegeben. Ein Mensch sei gestorben, sagte Verkehrsminister Karel Havlíček, am frühen Mittwochmorgen im Sender ČT. Vier Menschen wurden schwer verletzt. Der Personenzug war am späten Dienstagabend bei der Stadt Český Brod, die rund 30 Kilometer östlich von Prag liegt, in den stehenden Postzug gerast.

Nach Angaben einer Sprecherin des Rettungsdienstes wurden insgesamt 35 Menschen in Krankenhäuser der Region gebracht. Die meisten von ihnen erlitten Prellungen, Brüche oder leichte Kopfverletzungen. Kameraden der Feuerwehr versuchten rund drei Stunden die verletzten Personen zu befreien. Bei dem Toten handelt es sich nach Angaben der tschechischen Nachrichtenagentur ČTK um den Triebfahrzeugführer des Personenzuges, der in seiner Fahrerkabine eingeklemmt war.

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Die Feuerwehr versuchte stundenlang den eingeklemmten Lokführer des Personenzuges zu retten. Ein Notarzt konnte bei ihm nur noch den Tod feststellen.
Die Feuerwehr versuchte stundenlang den eingeklemmten Lokführer des Personenzuges zu retten. Ein Notarzt konnte bei ihm nur noch den Tod feststellen. © Twitter/HZS Středočeského kraje

Die Einsatzkräfte waren mit mehr als einem Dutzend Notarzt- und Krankenwagen sowie zwei Rettungshubschraubern vor Ort. In dem Nahverkehrszug sollen sich im Spätabendverkehr rund 100 bis 200 Fahrgäste befunden haben. Der sogenannte "CityElefant" der Tschechischen Bahn (ČD) verbindet Prag mit Řečany nad Labem (Retschan an der Elbe). Die Strecke ist eine der Hauptstrecken Tschechiens für den internationalen Zugverkehr. Über die Linie fahren auch die internationalen Reisezüge Berlin-Dresden-Graz (Railjet "Vindobona") sowie Hamburg-Dresden-Budapest (Eurocity "Hungaria"). 

Wie Tschechiens Verkehrsminister Karel Havlíček noch in der Nacht am Ort des Unglücks erklärte, handelt es sich um eine der "best gesichertesten Bahnstrecken Tschechiens". Sie sei technisch einwandfrei und nach ersten Erkenntnissen habe es in der Nacht keinen Ausfall der Signale gegeben. "Die Ermittlungen sind jedoch noch nicht abgeschlossen", so der Verkehrsminister. Zum 40-jährigen Fahrer sagte er dem Tschechischen Fernsehen, dass dieser erst von einem zweiwöchigen Urlaub zurückkam und keine Überstunden hatte.

Die Unglücksursache ist derzeit noch unklar. Der Leiter der Tschechischen Bahn geht von menschlichem Versagen aus. "Höchstwahrscheinlich hat der Fahrer ein rotes Signal überfahren", erklärte er der Zeitung Mlada Fronta Dnes. Die Polizei hat nun die Ermittlungen wegen Gefährdung der Allgemeinheit sowie fahrlässiger Körperverletzung mit Todesfolge aufgenommen. Beamte hätten laut einer Sprecherin noch in der Nacht mithilfe einer Drohne sowie eines Hubschraubers Spuren gesichert.

Die beiden Züge waren stark ineinander verkeilt, weswegen Kräfte der Feuerwehr noch am Mittwochmittag mit der Bergung sowie dem Abschleppen beschäftigt waren. Insgesamt entstand ein Sachschaden von rund 45 Millionen Kronen (rund 1,8 Millionen Euro). Der Zugverkehr auf der wichtigen Hauptachse wird teilweise umgeleitet. Laut Tschechischer Bahn kommt es zu Verspätungen in ganz Tschechien und auch im internationalen Verkehr. Voraussichtlich erst am Mittwochabend werden die Züge wieder nach Plan fahren können. 

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Erst vor einer Woche waren bei einem Zugunglück im tschechischen Teil des Erzgebirges zwei Menschen ums Leben gekommen, darunter auch ein Deutscher. Nach diesem Unglück hatte sich Havlíček für langfristige, aber gegen provisorische Lösungen der Sicherheitsprobleme bei der staatlichen Bahn ausgesprochen. Persönliche Konsequenzen lehnte der Politiker der populistischen Partei ANO von Ministerpräsident Andrej Babiš in einer ersten Reaktion nach dem jetzigen Unfall ab. Tschechien hat eines der dichtesten Eisenbahnnetze in Europa, das aber in vielen Teilen veraltet und sanierungsbedürftig ist. (dpa mit ehl) 

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