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Warum der MDR nach Herrnhut kommt

Im Kirchensaal fallen die Gerüste - dabei wird erstmals enthüllt, was nach dem großen Kriegsbrand der Stadt verloren schien. Gesendet wird am Freitag.

MDR-Dreh im Herrnhuter Kirchensaal: Am Freitag soll der Beitrag im Sachsenspiegel laufen.
MDR-Dreh im Herrnhuter Kirchensaal: Am Freitag soll der Beitrag im Sachsenspiegel laufen. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de

Wenn im Herrnhuter Kirchensaal die Gerüste fallen, ist das etwas fürs Fernsehen. Kein Wunder also, dass der MDR diese Woche die Kamera auspackte, um einen ersten Blick in den frisch sanierten Innenraum der berühmten Kirche zu werfen. Denn hier verändert sich gerade sehr viel - wobei der Kirchensaal zum einen wieder originaler wird, zum anderen aber auch moderner.

Der Kirchensaal ist nämlich nun um eine Empore reicher, die es seit dem großen Brand der Herrnhuter Innenstadt zum Kriegsende nicht mehr gegeben hat: Die sogenannte Schwesternempore hatte man in den 1950ern beim Wiederaufbau nicht wieder mit eingefügt - nur die gegenüberliegende Orgelempore samt Instrument gab es über all die Jahre. Nun aber ist der ursprüngliche Entwurf wieder komplett, was man übrigens auch hören kann, betont Architekt Daniel Neuer: "Die Schwesternempore ist gerade für die Akustik sehr wichtig, das haben wir auch mit Messungen nachgewiesen", erklärt Neuer.

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So sieht die neu erbaute Schwesternempore aus. Sie ist das Gegenstück zur Orgelempore und war beim Wiederaufbau der Kirche in den 50ern nicht mehr erneuert worden.
So sieht die neu erbaute Schwesternempore aus. Sie ist das Gegenstück zur Orgelempore und war beim Wiederaufbau der Kirche in den 50ern nicht mehr erneuert worden. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de
Auf der linken Seite der Empore wird künftig die Technik untergebracht sein - in der Kirche versteckt sich nämlich unterm Herrnhuter Barock ziemlich viel Modernes.
Auf der linken Seite der Empore wird künftig die Technik untergebracht sein - in der Kirche versteckt sich nämlich unterm Herrnhuter Barock ziemlich viel Modernes. © Rafael Sampedro/foto-sampedro.de
So sah die Schwesternempore vor dem Brand 1945 aus. Alte Aufmaße aus Unterlagen von 1908 halfen jetzt bei der maßstabsgerechten Erneuerung.
So sah die Schwesternempore vor dem Brand 1945 aus. Alte Aufmaße aus Unterlagen von 1908 halfen jetzt bei der maßstabsgerechten Erneuerung. © Evangelische Brüdergemeine

Nüchtern betrachtet, sieht die alt-neue Empore aus wie eine in ihren Ausmaßen opulente Adelsloge - das ist sie aber nie gewesen, betont Vorsteherin Andrea Kretschmer. Und das wird sie erst recht nicht sein: "Wir werden auf der einen Seite unsere Technik unterbringen", erklärt Frau Kretschmer. Denn Technik braucht der auch weiterhin schlicht und durch sein Weiß hell wirkende Kirchensaal dringend: "Zum einen für Übertragungen von Veranstaltungen und Gottesdiensten beispielsweise ins Altenheim oder die Schule", zählt sie auf. Apropos Schule - als Aula für die Herrnhuter Schulen wird der frisch sanierte Innenraum auch weiterhin genutzt werden, ebenso für Synoden der weltweit aktiven Herrnhuter Brüdergemeine oder auch für musikalische Aufführungen.

Neue Empore in Decke eingehängt

Die erneuerte Schwesternempore ist übrigens nach alten Zeichnungen und im früher üblichen Maß der Elle, die 56,6 Zentimetern entspricht, wiedererrichtet worden: "Wir hatten zum Glück ein Aufmaß in Unterlagen aus dem Jahr 1908 zur Verfügung, um alles original wiederherstellen zu können", sagt Daniel Neuer. Was man wegen des weißen Kalkputzes freilich nicht sieht: Die Empore hängt im Kirchensaal an der Deckenkonstruktion und ist in Fachwerk-Bauweise errichtet. Ohnehin birgt der Kirchensaal innen nun vieles, was alt anmutet, aber modern ist: Die auf allen Seiten vorhandenen, riesigen Fenster sind aufgearbeitet worden und die innere der beiden Doppelscheiben mit Verbundglas zur besseren Dämmung versehen worden. "Sieht man nicht, hat aber enorme Auswirkungen", freut sich Andrea Kretschmer, denn es ist mit den neuen Fenstern deutlich wärmer im Gebäude.

Wärmer wird es auch mit der neuen Heizung, die jetzt als nächstes eingebaut wird. "Bis Ostern sollen die Heizungsarbeiten abgeschlossen sein, nach Ostern kommt dann der Fußboden rein, der bis Ende April verlegt werden soll", skizziert Architekt Neuer den Plan. Spätestens im Herbst soll der Innenraum des Kirchensaales wieder komplett neu erstrahlen. Gottesdienste werden aber bereits jetzt wieder hier abgehalten: "Die Gemeinde trifft sich auch jetzt - mit dem nötigen Abstand und den Hygieneregeln - schon wieder im Kirchensaal", betont Frau Kretschmer. Musikalisch müssen sich die Herrnhuter aber noch mit kleinerem Genuss begnügen - die Orgel ist derzeit zur Sanierung und Erweiterung ausgezogen und wird erst 2022 wieder eingebaut - pünktlich zum 300. Stadtjubiläum.

Wer sehen will, wie es ohne Gerüste aussieht, muss aber gar nicht bis zum Gottesdienst am Sonntag warten - im MDR soll der Beitrag aktuellen Planungen zufolge bereits am Freitag um 19 Uhr im Sachsenspiegel ausgestrahlt werden.

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