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Horst Seehofer eröffnet Außenstelle Freital

Ein Bundesamt mit 205 Beschäftigten siedelt sich an. Die Spezialisten nach Freital zu holen, sei nicht schwer. Nur eine Idee erfüllt sich nicht.

Im Freien trugen die Minister Horst Seehofer (M.), Roland Wöller und Landrat Michael Geisler (l.) Mund-Nasen-Bedeckung. Das sahen BSI-Präsident Arne Schönbohm und OB Uwe Rumberg (r.) offenbar etwas lockerer.
Im Freien trugen die Minister Horst Seehofer (M.), Roland Wöller und Landrat Michael Geisler (l.) Mund-Nasen-Bedeckung. Das sahen BSI-Präsident Arne Schönbohm und OB Uwe Rumberg (r.) offenbar etwas lockerer. © Karl-Ludwig Oberthür

Freital. Wo bis vor Kurzem noch die Kfz-Zulassungsstelle des Landratsamtes in Freital war, werden nun ganz andere Geräte aufgefahren. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hat am Donnerstag, 1. Juli, offiziell den neuen Standort an der Hüttenstraße in Freital eröffnet. Es ist die erste Außenstelle des BSI überhaupt, das seinen Hauptsitz in Bonn hat.

Die "mieterspezifischen Einbauten" am Standort Freital sind enorm. Rund 15 Millionen Euro werden am Ende allein in die Sanierung des Gebäudes geflossen sein. Technik kommt hinzu. Die Sicherheitsanforderungen sind hoch. "Der Standort Freital wird so ausgebaut, dass er als Lagezentrum dienen kann, falls Bonn mal ausfallen sollte", erklärt BSI-Präsident Arne Schönbohm.

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Was dazu genau gehört, bleibt aus Sicherheitsgründen im Verborgenen. Schönbohm sagte dazu nur, dass dabei mit dem Bundeskriminalamt zusammen gearbeitet wird. Auch den Rundgang durchs Haus gab es nur für die Politiker. Pressevertreter waren nicht zugelassen.

Endausbau im nächsten Jahr

Zur Eröffnung kamen auch Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) und sein sächsischer Amtskollege Roland Wöller (CDU). Seehofer erklärte, dass das Bundesamt angesichts steigender Zahlen der Cyber-Kriminalität in Zukunft noch an Bedeutung gewinnen wird. Schon jetzt wurde in kurzer Zeit die Anzahl der Beschäftigten in Bonn verdoppelt. Die 205 geplanten Arbeitsplätze in Freital sind ebenso zusätzliche.

Im vierten Quartal 2022 soll der Endausbau erreicht werden. Aktuell sind es 54 BSI-Beschäftigte in Freital. Weitere 45 sind schon sicher. Da fehlt nur noch die Sicherheitsüberprüfung, heißt es. Schwierig sei es jedenfalls nicht, qualifizierte Mitarbeiter für den Standort Freital zu finden, erklärt Schönbohm.

Sicherheit im Homeoffice

Noch ist der Umbau an der Hüttenstraße nicht abgeschlossen. Personal eingestellt werden könne aber trotzdem. Die Technik der Mitarbeiter sei auch im Homeoffice sicher. Aus Gründen des Corona-Infektionsschutzes hätten das in den vergangenen Monaten sehr viele Beschäftigte genutzt. Nur 15 bis 20 Prozent der Mitarbeiter hätten im BSI noch vom herkömmlichen Büro aus gearbeitet.

Dennoch sei man froh, dass das Landratsamt schnell eine Alternative für deren Ämter gefunden hat, die bisher an der Hüttenstraße tätig waren. Eigentümer des Gebäudes bleibt die Stadt Freital. Der Mietvertrag ist langfristig erst mal auf zehn Jahre angelegt. Damit ist klar, dass es auf absehbare Zeit keinen BSI-Neubau in Freital geben wird, wie er vor zwei Jahren noch angedacht war. Auf konkrete Nachfrage verwies der BSI-Präsident auf den laufenden Mietvertrag.

Ganz auszuschließen ist ein Neubau aber nicht. Angesichts der stetig steigenden Zahl von Angriffen auf Informationstechnik sei es eher wahrscheinlich, dass das Bundesamt noch mehr Mitarbeiter brauchen könnte, sagte Seehofer. Diese seien auch erfolgreich in ihrer Arbeit. Der Bundesminister führte dazu etwa das Aufspüren von Schwachstellen im Citrix-Programm oder dem Exchange-Server von Microsoft an. Erst kürzlich wurde so die Stadt Dippoldiswalde von Hackern angegriffen.

Das BSI werde sich künftig aber auch als Ansprechpartner für Bürger und Unternehmen verstehen. Die Abteilung "digitaler Verbraucherschutz" soll ab Ende 2022 dann hauptsächlich in Freital arbeiten. Wie groß der Bedarf an Bürgerinformation sein wird, ist für die Zukunft nicht absehbar. Die Räume im City-Center Freital, die seit 2019 von einem sogenannten Aufbaustab genutzt wird, werde das BSI vorläufig auch weiter nutzen.

Strukturhilfe für Freital

Freitals Oberbürgermeister Uwe Rumberg (parteilos) freut sich nicht nur über einen potenten Mieter einer städtischen Immobilie, sondern auch darüber, dass es Folgeeffekte geben wird, wenn mehr als 200 hoch qualifizierte Arbeitsplätze in der Stadt geschaffen werden. Auch wenn sich der Effekt nicht genau beziffern lasse, wie Innenminister Wöller sagte.

Horst Seehofer unterstrich, dass der Technologie-Hotspot Region Dresden ein Kriterium für die Standortwahl Freital war. Noch wesentlicher sei aber die Strukturhilfe für die Große Kreisstadt gewesen. Eine solche Ansiedlungspolitik habe sich in Bayern schon lange ausgezahlt. Das setze nun auch die gesamte Bundesregierung von CDU/CSU und SPD so konsequent um, wie noch keine zuvor, sagte er.

Deutschland befindet sich in Bundestags-Wahlkampfzeiten. Sicher auch deshalb sei Seehofer erleichtert gewesen, dass man Wort gehalten und die Ankündigung von 2019 nun umgesetzt habe.

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Das sei auch dem guten Baufortschritt geschuldet, der nicht überall so reibungslos verlaufe wie in Freital. Als der Minister wieder abfuhr, machten sich die Bauarbeiter auch gleich wieder an die Arbeit, die kurz durch den Bauzaun lugten, um einen Blick auf die Bundesprominenz zu erhaschen.

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