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Zwei besondere Freitaler Leben

In Freital leben und lebten einzigartige Menschen. In einer Online-Lesung erzählen die „Frauen für Freital“ aus dem bewegten Leben von zwei Bürgerinnen.

Freitals Gleichstellungsbeauftragte Jona Hildebrandt-Fischer begrüßt die Gäste der Online-Lesung.
Freitals Gleichstellungsbeauftragte Jona Hildebrandt-Fischer begrüßt die Gäste der Online-Lesung. © Screenshot/SZ

Es sind nur zwei Geschichten von vielen, die am Montagabend bei der Online-Lesung des Aktionskreises „Frauen für Freital“ vorgetragen werden. Dennoch sind sie ein gelungener erster Einblick in das Buch "Ein bunter Blumenstrauß aus Gänseblümchen und Rosen", das der Aktionskreis im Oktober veröffentlichen möchte. Im Buch wird aus dem Leben von Frauen erzählt, die in den letzten 100 Jahren in Freital gelebt haben. Anlass für das Buch ist der Geburtstag der Stadt.

Die Lesung wird per Live-Stream zu den Gästen vor den Bildschirmen übertragen. Für einige ist das noch etwas ungewohnt.

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Im ersten Text geht es um die Musikerin Karin Charles. Als junge Frau lässt diese sich zunächst zur Sekretärin ausbilden. Ihre wahre Leidenschaft ist jedoch die Musik. Dank der Unterstützung ihrer Familie und einem großen Gesangstalent schafft sie es, ins staatliche Ensemble für sorbische Volkskultur aufgenommen zu werden.

Frauen leben in Buch weiter

Später studiert sie Gesangspädagogik. Gemeinsam mit Mann zieht sie nach Freital, wo sie in der örtlichen Musikschule mit Leidenschaft und Disziplin viele Gesangsschüler ausbildet. Ihren Lehrberuf und die Musik will Charles auch dann nicht aufgeben, als sie langsam erblindet. „Ihr Haus war immer erfüllt von Klängen und Gesang“, erinnert sich ihre ehemalige Schülerin Diana Seifert, die an diesem Abend ihre Geschichte vorträgt. Bis kurz vor ihrem Tod 2020 hat Charles Seifert noch unterrichtet.

Nach einer musikalischen Unterbrechung wird anschließend die Lebensgeschichte von Carola Stejskal erzählt. Sie kommt als viertes von fünf Kindern in der Oberlausitz auf die Welt und zieht mit ihrer Familie nach Freital. Nachdem erst ihre Mutter und wenig später auch ihr Vater sterben, kümmert sich er älteste Bruder um die Geschwister. Stejskal heiratet jung und macht eine Ausbildung zur Krippen-Erzieherin.

Als sie die Chance bekommt in die Rehabilitationspädagogik zu wechseln, ergreift sie diese. Allerdings ist sie sehr enttäuscht darüber, dass ihr für ihren neuen Beruf keine Weiterbildungsmaßnahmen zur Verfügung stehen. Nach der Wende kann sie sich aber endlich fachlich weiterbilden. Später wird sie zur Schulleiterin befördert. Bis heute ist sie die ehrenamtliche Behindertenbeauftragte der Stadt Freital.

All das haben die „Frauen für Freital“ in Interviews von Charles und Stejskal erfahren. "Wir haben bei diesen Interviews teilweise gelacht, teilweise waren wir zu Tränen gerührt", so Freitals Gleichstellungsbeauftragte Jona Hildebrandt-Fischer. Drei der Frauen, mit denen die „Frauen für Freital“ für ihr Buchprojekt gesprochen haben, sind inzwischen verstorben. Jona Hildebrandt-Fischer sagt: „Wir sind froh, dass wir noch die Chance hatten, diese Interviews zu führen und die Frauen so in unserem Buch weiterleben zu lassen.“

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Ein wenig getrübt wird die Stimmung in der Online-Lesung jedoch. Einige Zuhörer haben bis zum Ende der Veranstaltung Probleme damit, ihr Mikrofon auszuschalten. Deshalb sind häufig Nebengeräusche aus den Wohnzimmern der Gäste zu hören. Für viele Zuhörer ist es aber vermutlich die erste Veranstaltung dieser Art. Es bleibt zu hoffen, dass die nächsten Lesungen wieder vor Ort besucht werden können.

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