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Verein würdigt Nestor der Künstleranatomie

Zum 100. Geburtstag von Gottfried Bammes zeigt das Einnehmerhaus Freital Zeichnungen aus 83 Jahren. Darunter einige wenig bekannte Blätter.

Anke Stenzel, jüngste Tochter von Gottfried Bammes, steht im Einnehmerhaus neben Bewegungsabläufen, die ihr Vater 1957 für das Buch „Die Gestalt des Menschen“ stempelte und malte.
Anke Stenzel, jüngste Tochter von Gottfried Bammes, steht im Einnehmerhaus neben Bewegungsabläufen, die ihr Vater 1957 für das Buch „Die Gestalt des Menschen“ stempelte und malte. © Thomas Morgenroth

Ein kleiner Junge zielt mit einem Gewehr auf einen Hasen und drückt ab. Eine bunte Fontäne schießt aus dem Lauf. Das Tier bleibt unversehrt, wahrscheinlich ballert der Knabe mit Blüten und nicht mit Schrotkugeln. Wer weiß, was in „Gottfriedchen“ vor sich ging, als er am 14. September 1925 in Potschappel diese Szene zeichnete. Da war Gottfried Bammes, der spätere Professor für Künstleranatomie, fünf Jahre alt. Es ist eines seiner frühesten Bilder, die seine Mutter beschriftet und aufbewahrt hat.

Diese Zeichnung und zwei weitere kindliche Versuche, einer mit einem Häuschen, das „unser Herzenskind“, wie die Mutter vermerkt, am 14. März 1924 aufs Papier brachte, also noch vor seinem vierten Geburtstag, sind derzeit im Einnehmerhaus Freital zu besichtigen. Im gleichen Raum hängt eine seiner letzten Zeichnungen vom Mai 2007, entstanden in der Uniklinik in Dresden wenige Tage vor seinem Tod. „Schöne Grüße“ vermerkte Gottfried Bammes auf dem kleinen Blatt, das einen Mann mit Hut und Fliege zeigt, der himmelwärts in die Zukunft blickt.

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Am 26. April wäre Gottfried Bammes 100 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass widmet ihm der Kunstverein Freital eine Ausstellung, in der neben Handzeichnungen, Drucken, Fotografien und Lehrmodellen aus dem Kontext seines kunstanatomischen Wirkens auch wenig bekannte persönliche Blätter gezeigt werden. Die 48 Arbeiten stammen aus Privatbesitz, dem Kupferstichkabinett, der Städtischen Galerie sowie dem Archiv, der Kustodie und der Anatomischen Sammlung der Hochschule für bildende Künste in Dresden.

„Es war nicht einfach, eine Auswahl zu treffen,“ sagt Anke Stenzel. Die Restauratorin, Jahrgang 1966, ist die jüngste Tochter des Künstlers, die ihren Vater 1984 und 1985 noch als Gasthörerin an der Hochschule erlebte. 1986 ging er nach dreiunddreißig Jahren als Hochschullehrer und Professor in den Ruhestand und sie begann ihr Studium. Anke Stenzel ist gerade dabei, den Nachlass von Gottfried Bammes zu fotografieren. „Es werden wohl um die 4.000 Bilder sein“, sagt sie. Da war sie über einen frischen Blick auf die Dinge dankbar, wie sie der Kunststudent Markus Kidalka aus der Klasse von Professor Christian Macketanz hat. Mit ihm zusammen hat sie schließlich die Ausstellung kuratiert.

Der Schwerpunkt liegt auf der Künstleranatomie, deren Nestor Gottfried Bammes war. Er löste das zu seiner Zeit übliche Sezieren von Menschen und Tieren im Unterricht durch didaktische zeichnerische Darstellungen ab, die er oft mit Kreide über mehrere Tafeln entwickelte. Tausende Skizzen entstanden, für Muskeln, Gelenke, Knochen. 1964 erschien sein erstes von mehr als zwanzig Lehrbüchern: „Die Gestalt des Menschen“. Auch ein von Bammes hergestelltes Mimik-Modell und Holzstempel sind im Einnehmerhaus zu sehen.

Daneben hat Anke Stenzel freie Arbeiten ausgewählt, wie Frauenakte, Selbstporträts, ein Porträt seiner Frau Gertraud sowie Zeichnungen und Grafiken, die während seines Kriegsdienstes in den Niederlanden und Norwegen entstanden sind. Ganz frei im Sinne von unbeschwert und unbelastet von aller Theorie war Gottfried Bammes aber wohl nur als Kind, als er mit dem Bleistift auf einen Hasen schoss.

Bis 11. Oktober im Einnehmerhaus Freital, Die.-Fr. 16-18 Uhr, Sa./So. 14 bis 17 Uhr; am 3.10. geschlossen.

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