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Tempo 30 statt Raser

Die Bürger für Freital fordern Tempo 30 im Wohngebiet am Raschelberg. Doch die Stadt hat Gründe, die dagegen sprechen. Die SZ erklärt, was sich ändern könnte.

Die Freitaler Stadträte Alexander Frenzel und Lars Tschirner wünschen sich eine Tempo-30-Zone und einige Einbahnstraßen auf dem Raschelberg.
Die Freitaler Stadträte Alexander Frenzel und Lars Tschirner wünschen sich eine Tempo-30-Zone und einige Einbahnstraßen auf dem Raschelberg. © Karl-Ludiwg Oberthuer

Zu eng, zu schnell, zu unübersichtlich. Die Wohngebiete Raschelberg und Niederhäslich haben mit mehreren Verkehrsproblemen zu kämpfen. Seit 2014 will die Fraktion der Bürger für Freital, den Verkehr dort beruhigen. Sie fordern Tempo 30 im gesamten Viertel. Damit das geschieht, sollen bestimmte Abschnitte zu Einbahnstraßen umgewidmet werden.

Warum soll der Raschelberg Tempo 30 werden?

Stadtrat Alexander Frenzel spricht von mehreren Vorteilen, eine Tempo-30-Zone im gesamten Wohngebiet einzurichten. Erstens könnte damit der Weg zur Oberschule "Waldblick" und zum Kindergarten sicherer gestaltet werden. Zweitens würde sich durch die Lärmminderung die Wohnqualität verbessern. 

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Ferner sei das derzeitige Straßensystem sehr unübersichtlich. An vielen Stelle gebe es zwar schon Geschwindigkeitsbegrenzungen, diese gelten jedoch nur für bestimmte Abschnitte. Eine allgemeine Tempo-30-Zone für das gesamte Gebiet könnte den derzeitigen Schilderwald deutlich reduzieren. Auch seien Rettungswege bisher schwer einsehbar.  

Warum fordert die Fraktion Einbahnstraßen?

Durch Einbahnstraßen würden laut Stadtrat Lars Tschirner unübersichtliche und enge Abschnitte wegfallen. Aufgrund der vielen Parkplätze entlang der Straße gebe es oft nicht genug Platz für den Gegenverkehr. Da heißt es nur: Rückwärts oder drauflos. Ausweichen bleibe meist schwierig.

Die Ausweisung von Einbahnstraßen könnte aber auch neue Probleme hervorrufen: Das Straßenbauamt verweist darauf, dass der Verkehr sich möglicherweise auf andere Straßen verlagere. Zudem könnten Autofahrer wieder mehr aufs Gas drücken, weil sie nicht mehr mit Gegenverkehr rechnen. Lars Tschirner und Alexander Frenzel sehen die Regelung aber als einzige Alternative, um eine Tempo-30-Zone zu errichten.

© SZ Grafik

Wie könnten problematische Straßen geregelt werden?

Das Wohngebiet Raschelberg/Niederhäslich ist über vier Zufahrtstraßen von der Poisentalstraße zu erreichen. Einige Straßen sind schon auf 30 Kilometer pro Stunde festgelegt, andere erlauben noch immer Tempo 50. Es gibt drei Abschnitte, die momentan besonders problematisch sind.

Problem eins: Vom Stieglitzberg über die Niederhäslicher Straße kommend wird zwar vor spielenden Kindern gewarnt, aber trotzdem darf man nach dem Berg auf 50 km/h beschleunigen. "Das macht auch jeder. Dieser Abschnitt lädt zum Gas geben ein", erklärt Stadtrat Lars Tschirner. Dabei kommt einige Hundert Meter weiter eine Bushaltestelle, an der viele Schüler aussteigen. "Die Lösung ist ganz einfach", sagt Lars Tschirner, "eine gleichberechtigte 30er-Zone im gesamten Wohngebiet."

Problem zwei: Derzeit ist die Geschwindigkeit für die Straße "Am Dorfplatz" für PKWs unter 7,5 Tonnen nicht limitiert. Heißt, entlang des Schulweges fahren Autofahrer mit 50 km/h an den Kindern vorbei. Eigentlich wurde für die Straße ein Fußgängerüberweg vorgeschlagen. Dieser wird aber aus finanziellen Gründen nicht kommen. Die kostengünstigere und trotzdem sichere Variante: Tempo 30 für alle, meint Alexander Frenzel. Auch auf der Wartburgstraße wünschen sich die beiden Stadträte eine Tempo-30-Zone. Viele Kinder passieren an der Johanniskapelle die Straße, um zur Schule zu gelangen.

Problem drei: Die Niederhäslicher Straße ist von beiden Seiten befahrbar. Geparkt wird auf einer Seite. Meist sei die Straße aber so zugestellt, dass bei Gegenverkehr ein Ausweichmanöver kaum möglich sei, erklärt Alexander Frenzel. Da der Straßenverlauf zudem etwas kurvig verlaufe, falle es Autofahrern schwer, den Überblick zu behalten. Komme dann noch ein spielendes Kind dazu, könnte ein Unfall böse enden. Deshalb fordern die beiden Stadträte, dass die Niederhäslicher Straße eine Einbahnstraße wird. Auch auf der Rudelt- und Oststraße sei es sehr eng, hier könnte der Verkehr ebenfalls nur in eine Richtung gelenkt werden. 

Tempo 30 nicht nur für Kraftfahrzeuge mit über 7,5 Tonnen.
Tempo 30 nicht nur für Kraftfahrzeuge mit über 7,5 Tonnen. © Karl-Ludwig Oberthuer

Warum wurde der Antrag 2014 von der Stadt abgelehnt?

Schon 2014 stellten die Bürger für Freital einen Antrag an die Stadt. Laut Stadtbauamt seien die rechtlichen Rahmenbedingungen jedoch nicht gegeben. Die Niederhäslicher Straße sowie die Straße "Am Dorfplatz" gelten momentan als Hauptverkehrsstraßen. Gemäß Straßenverkehrsordnung könne an solch einer Art von Straße nur unter bestimmten Bedingungen die Geschwindigkeit auf 30 km/h limitiert werden: 

Entweder sie sind ein Unfallschwerpunkt, es gibt direkt anliegende Schulen oder Kindergärten, es fehlen Gehwege oder die Fahrsituation ist unübersichtlich. Das alleinige Vorhandensein eines Schulweges reiche demnach nicht aus. Da diese Punkte laut Behörde nicht zutreffen, wurde der Antrag abgelehnt. Weiterhin argumentiert das Stadtbauamt, dass das Wohngebiet zu groß sei, um für das gesamte Viertel eine Tempo-30-Zone auszuweisen.

Was sind die nächsten Schritte?

Im Jahr 2019 wurde eine Studie vom Stadtrat in Auftrag gegeben. Sie analysiert unübersichtliche Straßenabschnitte im Gebiet Raschelberg/Niederhäslich und stellt vier Möglichkeiten zur Problembehebung vor. Die Stadträte Lars Tschirner und Alexander Frenzel bevorzugen die abgebildete Variante. Dabei sollen bestimmte Straßen zu Einbahnstraßen umfunktioniert werden. Die Studie wird derzeit im technischen Ausschuss diskutiert. 

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