merken
PLUS Freital

Musikschule kämpft um Wiedereröffnung

Wie alle Musikschulen mussten auch die Bannewitzer für November schließen. Eine Petition und ein offener Brief sollen helfen.

Die Tür der Musikschule Bannewitz bleibt wegen Corona geschlossen. Eine Petition soll das ändern.
Die Tür der Musikschule Bannewitz bleibt wegen Corona geschlossen. Eine Petition soll das ändern. © Karl-Ludwig Oberthür

Wegen des aktuellen Corona-Lockdowns ist die Musik-, Tanz- und Kunstschule Bannewitz mindestens bis Ende November geschlossen. Musikschullehrerin Anne-Marie Zabel und ihre Kollegen reagieren darauf mit Unverständnis: „Für uns ist es nicht nachvollziehbar, weshalb wir als Freizeitaktivität eingestuft werden und nicht als Bildungseinrichtung. Sachsen ist das einzige Bundesland, in dem Musikschulen jetzt geschlossen sind.“

Musikschule hatte sicheres Hygienekonzept

Anne-Marie Zabel erklärt, dass die Maßnahmen unbegründet seien und keinen Sinn hätten: „Bei uns wird überwiegend eins zu eins unterrichtet. Wir können somit alle Kontakte nachverfolgen, falls eine Ansteckung auftritt und verfügen über ein sicheres Hygienekonzept. Bisher gab es bei uns keine Infektionsübertragung mit Corona.“

Anzeige
Spaß und Nervenkitzel pur
Spaß und Nervenkitzel pur

Im Laserland Dresden können auch Erwachsene mal wieder Kind sein: Ein einzigartiges Erlebnis für Kollegen, Freunde und Familie und ideales Geschenk!

Zudem erklärt sie, dass vor allem Familien, wo beide Eltern arbeiten müssen, benachteiligt würden. „Die meisten Kinder kommen direkt nach der Grundschule zum Musikunterricht, welcher auch in der Grundschule stattfindet. Da die Eltern arbeiten müssen, wurden die Kinder während des Unterrichts bei uns also auch gleich betreut. Das ist nun nicht mehr möglich.“ Während des Lockdowns dürfen die Musikschulen derzeit nur Online-Unterricht anbieten.

Nachteile beim Online-Unterricht an Musikschulen

Das sei allerdings vor allem beim Lernen eines Instrumentes nahezu unmöglich, so Zabel: „Der Klang über das Internet ist so schlecht, dass wir gar nicht einschätzen können ob etwas richtig gespielt wurde oder nicht. Wenn dazu noch die Internetverbindung langsam oder nur mit Unterbrechungen funktioniert, können wir als Lehrer eigentlich nicht unterrichten.“

Deshalb hat sich die Bannewitzer Musikschule nun einer sachsenweiten Online-Petition angeschlossen, welche auch politische Unterstützung findet, unter anderem von der Bannewitzer Gemeinderätin Sabine Pelz (Bündnis 90/Die Grünen): „Wir setzen uns dafür ein, dass in Sachsen die Musikschulen zumindest für den Einzelunterricht wieder geöffnet werden.“ Dies begründet sie damit, dass „Musikschulen Orte der kulturellen, sozialen und emotionalen Bildung sind und besonders auch in dieser Zeit unseren Kindern Halt und Freude geben.“

Zudem hätten die öffentlichen Musikschulen hervorragende Hygienekonzepte erarbeitet, sodass der Einzelunterricht jederzeit auch unter den verschärften Corona-Bedingungen machbar sei.

Die Petition wurde durch die Freiberger Musikschullehrerin Martina Bunk gestartet. Sie hat mit über 13.600 Unterstützenden bereits mehr als die nötigen 12.000 Stimmen erhalten. Sie ist mit den Worten überschrieben: „Forderung nach unverzüglicher Wiedereröffnung der Musikschulen im Freistaat Sachsen.“

Offener Brief an Sachsens Ministerpräsidenten

Neben der Online-Petition haben mehrere der insgesamt 50 Lehrer der Bannewitzer Musikschule auch einen offenen Brief an Sachsens Ministerpräsidenten Michael Kretschmer (CDU) geschrieben. Viele Lehrer würden auf Honorarbasis arbeiten und die Schließung der Musikschule würde zudem viele Kindern, die später an der Musikhochschule weiterlernen wollen, benachteiligen, erklärt Musikschulleiter Sebastian Dolata auf SZ-Anfrage: „Pro Woche unterrichten wir normalerweise rund 800 Kinder. Die ganz kleinen können gerade gar nicht lernen und die großen müssten sich eigentlich auf die weiterführenden Schulen vorbereiten. Wir sind eine Bildungseinrichtung, die auf das Studium vorbereitet.“

Weiterführende Artikel

Musikschulkonzerte fallen aus

Musikschulkonzerte fallen aus

Weder am ersten Advent in Großenhain noch am Vorabend des zweiten Advent in Riesa können die geplanten Veranstaltungen stattfinden.

Dolata und sein Team wünschen sich eine Gleichbehandlung, da auch die Volkshochschulen Musikunterricht anbieten dürften. An der VHS in Pirna finden aber zurzeit auch keine Kurse statt. Dolata sagt zu dem offenen Brief: „Der Landesverband sächsischer Musikschulen unterstützt unseren offenen Brief an den sächsischen Ministerpräsidenten und alle Lehrer haben in diesem Schreiben ihre Sicht auf die Situation benannt.“

Noch mehr Nachrichten aus Pirna, Freital, Dippoldiswalde und Sebnitz.

Mehr zum Thema Freital