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Tharandt: Was wird das Tor zur Stadt?

Die Einwohner haben viele Ideen für das leer stehende Filetgrundstück. Wer sie umsetzen soll, ist völlig unklar.

Parkplatz Bauernmarkt in Tharandt. Dieser ist in der Mitte des Stadtzentrum der Kleinstadt.
Parkplatz Bauernmarkt in Tharandt. Dieser ist in der Mitte des Stadtzentrum der Kleinstadt. © Daniel Schäfer

Es steht zwar kein bedeutendes Gebäude mehr auf dem Areal, dennoch ist Ralf-Peter Pinkwart vom Landesamt für Denkmalpflege Feuer und Flamme für dieses Projekt. "Es ist ein Filetgrundstück ersten Ranges für Tharandt", sagte er am Dienstagabend im Stadtrat. Deren Mitglieder waren extra im Judeich-Bau der TU zu einer Sondersitzung zusammengekommen. Einziges Thema: die Gestaltung des Bebauungsplans "Stadtmitte" Tharandt.

Damit ist das Gelände westlich der Dresdner Straße am Abzweig Pienner Straße gemeint. Das verheerende Hochwasser 2002 hatte dort Gebäude weggespült. Zuletzt fiel nach heftigen Diskussionen auch die Ruine der Gaststätte Deutsches Haus. Die große Freifläche besetzt inzwischen alle zwei Wochen der Naturmarkt, sonst ist sie Parkplatz. Die Fläche vom Deutschen Haus ist begrünt, und ein Schachbrett steht dort.

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Wie wird das Areal lebendiger?

Doch das ist als Aushängeschild für eine Stadt viel zu wenig, wenn nur alle zwei Wochen mal etwas los ist. "Dieser Ort muss viel lebendiger werden", sagt Milana Müller, die Vorsitzende des Ortschaftsrats. Dieser hatte sich ebenso wie der Stadtrat in den vergangenen Wochen intensiv mit dem ersten Entwurf eines Bebauungsplans auseinandergesetzt.

In den Corona-Monaten verlief das aber mehr im Verborgenen. Nun waren alle Bürgerinnen und Bürger zur Diskussion darüber eingeladen. Aber nur neun Interessierte kamen zu der Sondersitzung. Die beteiligten sich aber eifrig am Austausch mit den Ortschafts- und Stadträten. Ein Vorschlag ist besonders spektakulär.

Bauen im Überschwemmungsgebiet?

An der Stelle, wo der Naturmarkt stattfindet, könnte sich Bildhauer Matthias Jackisch eine "Dachlandschaft" vorstellen. Im Sommer und bei Regen wären die Händler etwas geschützt. Zudem würde ein Ort entstehen, an dem auch diverse Kulturveranstaltungen stattfinden könnten, wie ein anderer Tharandter ergänzte. Parken wäre trotzdem noch möglich.

Auf die Brisanz des Grundstücks am Zusammenfluss von Wilder Weißeritz und Schloitzbach machte Otto Wienhaus aufmerksam. Er erinnert sich noch gut an die Zerstörungen der Hochwasser 2002 und auch 1958. Eine Bebauung müsse daran angepasst sein. Eine reine Dachkonstruktion, wie spektakulär sie auch ausfallen möge, sei bei Bedarf gut frei zu räumen.

Allerdings wurde auch die Frage aufgeworfen, warum in so einem sensiblen Überschwemmungsgebiet überhaupt gebaut werden muss. Der Regionale Planungsverband Oberes Elbtal, zu dem auch Tharandt gehört, hat in seiner Stellungnahme eine Bebauung wegen der Hochwassergefahr sogar als unzulässig erklärt.

Zu diesem Vorentwurf des Bebauungsplans "Stadtmitte" Tharandt gingen 18 Einwendungen von Bürgerinnen und Bürgern ein. Der Ortschaftsrat hat inzwischen einen Alternativvorschlag erarbeitet. Am Bild unten befindet sich die Wilde Weißeritz.
Zu diesem Vorentwurf des Bebauungsplans "Stadtmitte" Tharandt gingen 18 Einwendungen von Bürgerinnen und Bürgern ein. Der Ortschaftsrat hat inzwischen einen Alternativvorschlag erarbeitet. Am Bild unten befindet sich die Wilde Weißeritz. © SZ/Gunnar Klehm

Wer hat die Planung veranlasst?

Inwieweit diese Einschätzung tatsächlich eine Bebauung verhindern kann, ist fraglich. Zumal es offiziell auch noch niemanden gibt, der an dieser Stelle investieren möchte. Milana Müller versuchte mehrfach, dazu etwas in Erfahrung zu bringen. Doch weder von Bürgermeister Silvio Ziesemer (parteilos), noch von Vertretern der Forstakademie oder anderen gab es eine konkrete Antwort.

Dass ein Bebauungsplan erstellt wird, hatte 2019 das Landratsamt angeregt, nachdem es eine Bauvoranfrage für die Pienner Straße 3 gab. Noch im selben Jahr folgte der Stadtrat der Anregung und setzte ein Planverfahren in Gang. Ende vergangenen Jahres wurde der Vorentwurf des B-Plans "Stadtmitte" im Stadtrat beraten und danach für jedermann zur Einsicht im Rathaus ausgelegt.

Was sagen die Einwohner zu dem Planentwurf?

Trotz der Einschränkungen wegen der Corona-Maßnahmen hatten sich einige der Tharandter mit den Plänen beschäftigt. Am Ende gingen 18 Einwendungen gegen den Entwurf ein. "Diese waren aber sehr konstruktiv", erklärt Milana Müller. Auch 36 sogenannte Träger öffentlicher Belange wurden um Stellungnahme gebeten, von denen 27 antworteten.

Der Ortschaftsrat hat alle Einwendungen analysiert und einen eigenen Entwurf für eine Bebauung erstellt. Das Baufeld A wurde in zwei Teile gegliedert und an die Pienner Straße gerückt. Dahinter könnte bis zur Wilden Weißeritz ein Parkplatz gebaut werden, der für Märkte oder Veranstaltungen nutzbar bleiben soll. "Am liebsten wäre uns dann noch eine Fußgängerbrücke zum Cotta-Bau", erklärte Müller. Dabei sei ihr aber auch klar, dass ein Steg über die Wilde Weißeritz nur schwer mit dem Hochwasserschutz vereinbar ist.

Ist Bürgerbeteiligung weiterhin möglich?

Im vorhandenen Flächennutzungsplan für die Stadt ist das Areal grundsätzlich als Mischgebiet ausgewiesen. Das macht fast jegliche Nutzung möglich. Später hatten die Räte aber einige Kategorien wieder ausgeschlossen, darunter auch Wohnen. Dass das durchaus seinen Sinn hat, dazu brachte Denkmalpfleger Pinkwart das Beispiel Pirna ein. Dort wollte ein Investor eine Immobilie mit Veranstaltungssaal, die sogenannte Tanne, mitten in der Altstadt entwickeln. Er scheiterte am Ende an den Konflikten ums angrenzende Wohnen, erklärte Pinkwart.

Das sei mit Tharandt aber nicht zu vergleichen. Im Plangebiet sollte ja erst mal Wohnen entstehen. Dabei gehe es um Mietwohnungen in der Mischung mit Läden im Erdgeschoss oder Verwaltungen, sagte Müller, als sie den Alternativ-Entwurf des Ortschaftsrates vorstellte. Nachfrage nach Mietwohnungen sei in der Stadt vorhanden. Für kleinteilige Gewerbeflächen ist das jedoch fraglich.

Bürgerbeteiligung ist weiterhin möglich und ausdrücklich erwünscht. "Wir nehmen uns Zeit, dass das Projekt reifen kann. Es ist ja kein beliebiges Grundstück, sondern das Tor zur Stadt", sagt Bürgermeister Ziesemer. Jede einzelne der Einwendungen soll nun im Stadtrat abgewogen werden. Dann wird ein B-Plan erstellt, der noch einmal ausgelegt wird. Das werde noch dieses Jahr erfolgen, heißt es aus dem Rathaus.

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Gebaut wird deshalb aber noch lange nicht. Dazu müsste ein privater Investor einen Bauantrag stellen oder die Stadt muss entscheiden, selbst zu investieren. "Die Idee mit der Dachkonstruktion nehme ich auf jeden Fall in die Diskussion mit", sagte Stadtrat Manuel Wächter (CDU).

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