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Wilsdruff wünscht sich bessere Busverbindungen

Das Angebot ist nicht so attraktiv, dass viele Pendler zum Umsteigen motiviert werden können. Die Stadt möchte das ändern.

Mario Lettau arbeitet in Freital. Er gehört zu den Wilsdruffern, die normalerweise mit dem Bus zur Arbeit fahren.
Mario Lettau arbeitet in Freital. Er gehört zu den Wilsdruffern, die normalerweise mit dem Bus zur Arbeit fahren. © Egbert Kamprath

Mario Lettau fährt gern mit dem Bus zu seiner Arbeit nach Freital. Dort arbeitet er in einer Metallbaufirma. "Ich brauche zwar etwas länger als mit dem Auto", sagt der Wilsdruffer. Dafür könne er die 25 Minuten Fahrzeit nutzen, um zu lesen. Und das tut der 57-Jährige, der sich für regionale Geschichte interessiert und schon Bücher über seine Heimatstadt  verfasst hat. Die Verbindungen zwischen Wilsdruff und Freital sind für ihn, der am Stadtrand wohnt, optimal. Andere Wilsdruffer sehen das kritischer.

In der Umfrage zum Familienkompass , die die Sächsische Zeitung gemeinsam mit der Freien Presse und der Leipziger Volkszeitung initiierte, wurden im Frühjahr 2020 mehr als 14.000 Eltern in Sachsen befragt. Viele Wilsdruffer bewerteten die Busanbindung als eher schlecht. Die Stadt kam auf einen Wert von 2,76, der sächsische Gesamtdurchschnitt lag bei 2,22.

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Bürgermeister Rother nicht so kritisch

Bürgermeister Ralf Rother (CDU) teilt diese kritische Bewertung nicht. Er findet, dass seine Stadt gut mit Buslinien an die Nachbargemeinden angebunden ist. "Jedoch gibt es nichts, was nicht noch besser gemacht werden kann." Daher habe er auch angeregt, die Verkehrsanbindung, insbesondere auch aufgrund der hohen Pendlerbewegungen zwischen Wilsdruff und Dresden, zu prüfen und nach Verbesserungen zu suchen. 

Immerhin pendeln nach Angaben des Statistischen Landesamtes rund 5.800 Frauen und Männer, die außerhalb der Stadtgrenzen wohnen, zur Arbeit nach Wilsdruff ein. Zum Vergleich: knapp 5.000 Menschen pendeln zur Arbeit raus. Würden die Busverbindungen besser sein, würden Firmen in seinem Stadtgebiet auch Job-Tickets anbieten, glaubt Rother. Dadurch würden mehr Pendler auf Busse umsteigen, der Individualverkehr würde sich erheblich verringern. 

Verkehrsverbund Oberelbe legt Studie vor

Beim Verkehrsverbund Oberelbe (VVO) sieht man das ähnlich. Deshalb hat der VVO die Ideen auch aufgegriffen und die Linien untersucht, so Rother. Die Ergebnisse wurden auch dem Stadtrat vorgestellt, sagt VVO-Marketingchefin Gabriele Clauß. Grundsätzlich gilt, dass Wilsdruff gut mit dem Oberzentrum Dresdens verbunden ist. "In circa 30 bis 40 Minuten ist die Innenstadt mit Regionalbussen erreichbar", so Clauß. Dennoch werde diese aus Sicht des VVO "sehr wichtige Pendlerachse" in beiden Richtungen nur von relativ wenigen Menschen genutzt. 

Auch Meißen, das als Mittelzentrum gilt, ist mit den Regionalbusse umsteigefrei in 45 bis 50 Minuten erreichbar. "Hier bestehen keine Defizite", so Clauß. Nach Freiberg, das auch ein Mittelzentrum ist, bestehen täglich zahlreiche Verbindungen. Zur Bergstadt kommt man via Freital mit Bus und Bahn oder direkt mit dem Bus. "Die Reisezeit beträgt jeweils zwischen 80 und 90 Minuten", so Clauß. Vorgaben zu dieser Verbindung gebe nicht, da Wilsdruff nicht im definierten Einzugsbereich des Mittelzentrums Freiberg liegt.

Aus Sicht des VVO müsste die Verbindung zwischen Wilsdruff und Dresden verbessert werden, um mehr Fahrgäste zu gewinnen. Das sieht auch Mario Lettau so. Dem VVO müsste es gelingen, einen Pendelbus zwischen Wilsdruff und Altfranken einzurichten, damit die dortige Straßenbahn gut erreichbar wird. Die Kesselsdorfer haben so eine Verbindung schon, sagt der Wilsdruffer.

So schneidet Wilsdruff in der Gesamtbewertung ab.
So schneidet Wilsdruff in der Gesamtbewertung ab. © SZ Grafik
Wohnen und Umfeld
Wohnen und Umfeld © SZ Grafik
Bewertung der Schulen
Bewertung der Schulen © SZ Grafik
Bewertung der Kitas
Bewertung der Kitas © SZ Grafik
Bewertung der ärztlichen Versorgung
Bewertung der ärztlichen Versorgung © SZ Grafik
Nahverkehr und Familienpolitik
Nahverkehr und Familienpolitik © SZ Grafik
Arbeit und Arbeitswege
Arbeit und Arbeitswege © SZ Grafik

Auch beim VVO hat man sich schon Gedanken gemacht, wie es besser werden könnte. Demnach könnten neue Buslinien eingeführt werden und die Linie 333 in zwei Linien aufgesplittet werden. Damit könnte ganztägig ein 30-Minuten-Takt in das Zentrum von Dresden angeboten werden, so Clauß. Zusammen mit der Linie 424 würde Wilsdruff dann dreimal pro Stunde an Dresden angebunden sein. Damit hätte man einen S-Bahn-Takt erreicht. Ob und wann es dazu kommt, hängt vom Landkreis Sächsische Schweiz–Osterzgebirge und der Stadt Dresden ab. Beide seien die Aufgabenträger für den Nahverkehr. Der VVO hat sich bereits um eine Kofinanzierung durch den Freistaat bemüht. 

Wilsdruff hat noch andere Wünsche

In Wilsdruff hofft man auf eine rasche Einrichtung der schnellen Verbindungen nach Dresden. Es gibt aber noch weitere Wünsche, die der Stadt in den letzten Monaten angetragen wurden und die man an die Verantwortlichen weitergeleitet habe, so Rother. So wünschen viele, dass das Gewerbegebiet Grumbach besser und direkt an die Linien angebunden werde, da sich dort viele Dienstleister und Händler niedergelassen haben. 

Die Kleinopitzer wünschen sich bessere Verbindungen nach Braunsdorf, um mit dem Bus den dortigen Hausarzt zu erreichen. Geforderte werden aber auch Verbindungen am Wochenende in Richtung Helbigsdorf, Blankenstein und in weitere Ortsteile. "Über allem steht der Wunsch einer Straßenbahnanbindung, für die wir seit Jahren einen Korridor freihalten", so Rother. 

Mario Lettau ist inzwischen wieder aufs Auto umgestiegen. Das liegt aber nicht an den Busverbindungen, sondern am Coronavirus. Er möchte einer Ansteckung in öffentlichen Verkehrsmitteln aus dem Weg gehen.

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