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Freyler schließt Riesaer Stahlbau

15 Mitarbeiter sind betroffen. Die Entscheidung hat sich schon länger abgezeichnet.

© Sebastian Schultz

Von Christoph Scharf

Wie geht's Brüder

Eine Reportagereise durch Osteuropa 30 Jahre nach dem Umbruch auf Sächsische.de

Riesa. Erst war es nur ein Gerücht: Freyler habe sämtliche Riesaer Lehrlinge entlassen. Dann hieß es, dass bereits ein Käufer für die markante Werkhalle in Gröba gesucht werde. In der Stahlbranche wunderte man sich: Boomt das Baugeschäft nicht so stark, wie lange nicht? Am Dienstag nahm Freyler auf eine SZ-Anfrage Stellung. „Nach reiflicher Überlegung hat die Freyler Unternehmensgruppe entschieden, den Geschäftsbereich Stahlbau in Riesa zu schließen“, teilt Sprecherin Viola Schlenzig mit.

Davon seien 15 Mitarbeiter aus den Bereichen Fertigung und Arbeitsvorbereitung betroffen, darunter ein Lehrling. „Vier Mitarbeiter aus Abwicklung und Vertrieb werden von Freyler Stahlbau aus Kenzingen übernommen und bleiben vor Ort tätig“, so die Sprecherin. Die laufenden Aufträge würden abgewickelt, künftig laufe die Stahlbau-Fertigung komplett am Firmensitz in Kenzingen, einer Kleinstadt am Rand des Schwarzwalds.

Die Riesaer Mitarbeiter seien vergangene Woche über die Entscheidung informiert worden. Das sei für sie keine Überraschung gewesen. „Wir haben versucht, den Bereich Stahlbau in Riesa zu erhalten. Aber die Auslastung hat schon seit Jahren nicht mehr gestimmt“, sagt die Freyler-Sprecherin. Die Stahlbau-Mitarbeiter hätten diese Situation bereits kommen sehen.

Der Geschäftsbereich fertigt Traggerüste, Tragwerke und Stahlkonstruktionen für die Unternehmensgruppe, aber auch für andere Firmen auf dem Markt. Während diese Produkte künftig aus Baden-Württemberg kommen sollen, bleibe der Bereich Freyler Industriebau Riesa erhalten, ebenso das Tochterunternehmen Planwerk GmbH. Die strategische Entscheidung, den Stahlbau zu schließen, betreffe die anderen Bereiche „in keiner Weise“. Bei Freyler Industriebau arbeiten insgesamt 14 Mitarbeiter – sie fertigen etwa Hallen und Bürogebäude. Für die Planwerk-Gesellschaft sind zehn Mitarbeiter tätig. „Auch deren Aufträge und Kunden sind in keiner Form betroffen“, sagt Viola Schlenzig. Beide nach wie vor starken Geschäftsbereiche würden auch künftig von Riesa aus Bauprojekte realisieren, vor allem in der Region – aber auch über die Ländergrenzen hinaus.

Fraglich ist allerdings, wie es mit dem Stadtbild prägenden Gebäudekomplex zwischen Lauchhammer- und Schönbergstraße weiter geht: Das Gebäude samt Bürotrakt und zwei Hallen dürfte ohne den Bereich Stahlbau eine Nummer zu groß sein. Ohne Weiteres lasse sich die Immobilie auch nicht trennen. Steht damit das ganze Objekt bald zum Verkauf? „Zur Immobilie wurde noch keine Entscheidung getroffen, alle Optionen werden im Moment geprüft“, heißt es von Freyler.

Eine Folge für das Riesaer Kulturleben steht damit aber bereits fest: Das diesjährige Freyler-Konzert im Juni findet „definitiv“ statt, werde aber das Letzte sein. Bereits 23-mal war dort die Elbland Philharmonie aufgetreten. Das von der städtischen Tochtergesellschaft FVG veranstaltete Konzert gilt als ein Höhepunkt des Riesaer Kulturkalenders. Der traditionelle Saisonabschluss des Orchesters wird jährlich von 600 Leuten besucht, das Programm vom Orchester extra für die Freyler-Halle einstudiert – dieses Jahr zum letzten Mal.