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Gute Chancen für Freyler-Mitarbeiter

In Riesa bedauert man das Aus für den Bereich Stahlbau von Freyler. Für die Betroffenen sieht es aber gut aus.

© Sebastian Schultz

Von Christoph Scharf

Riesa. Die Freyler-Halle prägt das Stadtbild in Gröba wie kaum ein zweites Bauwerk: Aus einer heruntergekommenen Walzwerkhalle des Stahlwerks hat der süddeutsche Unternehmer Siegfried Freyler ab 1993 einen modernen Produktionsstandort gemacht. Diese Woche gab es von dort allerdings keine Erfolgsmeldung: Der Bereich Stahlbau muss schließen. Während der Industriebau und das Tochterunternehmen Planwerk Riesa erhalten bleiben, müssen sich 15 Stahlbau-Mitarbeiter einen neuen Job suchen.

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Im Riesaer Rathaus bedauert man das – äußert aber Wertschätzung für die Arbeit des Unternehmens. „Freyler hat sich als eines der Unternehmen der ersten Stunde bei der Neubesiedlung des Stahlwerksgeländes wichtige Verdienste am Überleben und dem Aufschwung der Riesaer Wirtschaft erworben“, sagt Stadtsprecher Uwe Päsler. Freyler sei für die Stadt immer ein verlässlicher Partner – sowohl auf wirtschaftlichem als auch auf kulturellem Gebiet. Schließlich findet mit dem sogenannten Freyler-Konzert seit 1995 ein jährlicher Höhepunkt des Riesaer Kulturwerks in der Halle statt. Allerdings 2019 zum letzten Mal, so hatte es das Unternehmen mit Hinblick auf die noch völlig offene Zukunft der Werkhalle angekündigt.

„Wir sind froh, dass Freyler trotz der einschneidenden Entscheidung zum Stahlbau mit den anderen Unternehmensbereichen am Standort Riesa weiter präsent ist“, sagt Uwe Päsler. Im Rathaus hoffe man nun, dass die betroffenen Fachkräfte schnell einen neuen attraktiven Job finden. Bei der Riesaer Arbeitsagentur ist man dabei zuversichtlich. „Wir gehen davon aus, dass die Arbeitnehmer zeitnah in der Region eine Anschlussbeschäftigung finden“, sagt Agentursprecherin Berit Kasten. In der Arbeitsagentur habe man bereits positive Signale von den Betroffenen gehört.

Insgesamt stehe die Metallbranche im Raum Riesa gut da: „Viele Unternehmen sind mit ihren Produkten breit aufgestellt und können es so auch ausgleichen, wenn mal Aufträge wegbrechen“, so die Sprecherin. Aktuell seien bei der Agentur Riesa 282 offene Stellen im Bereich Metallerzeugung/Metallbearbeitung/Metallbau erfasst. „Wir können im Einzelfall auch mit Qualifizierungen und Eingliederungszuschüssen helfen, wenn Arbeitnehmer und Arbeitgeber im Vorfeld mit uns Kontakt aufnehmen“, sagt Berit Kasten. Und wie geht es Lehrlingen, die von so einer Schließung betroffen sind? „Die können von einem anderen Unternehmen, das ihre Ausbildung anbietet, übernommen werden und dort zu Ende lernen“, sagt Berit Kasten. Da seien die Chancen auf dem Markt gut.

Auch Sascha Dienel ist zuversichtlich. „Der Arbeitsmarkt hat sich in den letzten Jahren bei uns im Landkreis sehr gut entwickelt“, sagt der Chef der Wirtschaftsförderung Region Meißen (WRM). In vielen Bereichen würden die Unternehmen mehr Zeit brauchen, um offene Stellen zu besetzen. „Auch im Metallbereich nehmen wir dies wahr.“ Zahlreiche Unternehmen aus dem Bereich Stahl- und Metallbau hätten in den vergangenen Jahren Erweiterungen vorgenommen oder seien noch dabei, solche Vorhaben umzusetzen. „Fachkräfte mit Erfahrungen im Bereich der CNC-Bearbeitung oder Schweißer-Ausbildung finden nach unserer Auffassung zahlreiche Jobmöglichkeiten in der Region.“

Der Wirtschaftsförderer verweist darauf, dass viele Firmen aus der Region offene Stellen auf ihren Webseiten veröffentlichen – etwa die Lomma Sachsen aus Lommatzsch, Rime gleich nebenan in Riesa, MSA Metall- und Stahlbau aus Strehla oder JT-Metallbau aus Zeithain. Die Frage sei immer, wie weit ein Arbeitnehmer fahren wolle. In jedem Fall sei die Lage aber heute für Bewerber viel besser als noch 2008/09, als es in der Region bei Neueinstellungen schlecht ausgesehen habe.

Selbst für die Zukunft der Freyler-Halle sieht man bei der WRM gute Chancen – auch wenn man noch auf eine Information von Freyler wartet, ob eine Vermietung oder ein Verkauf geplant ist. Freyler selbst hatte am Dienstag angegeben, dass in Bezug auf die Immobilie noch alles offen sei. Tatsächlich hätten aber schon Interessenten für den Komplex nachgefragt. „Es gibt immer wieder Anfragen nach größeren Produktionshallen“, sagt WRM-Chef Sascha Dienel. Auch für Betreiber von Gewerbeparks könnte solch ein Objekt passen: Diese würden dann Teile solcher Gebäude an kleinere Unternehmen weiter vermieten. Vor allem für überregionale Interessenten wäre es von Vorteil, wenn endlich die B 169 zur Autobahn ausgebaut wird. „Das wird allerdings, trotz aller Bemühungen des Vereinigten Wirtschaftsforums, noch einige Zeit dauern.“ Die jüngste Entscheidung von Freyler sei aber kein generell negatives Zeichen für Riesa.