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Der ewige Streit ums Erbe

Der Nachlass lässt sich bereits zu Lebzeiten regeln. Was möglich ist, haben Juristen am Lesertelefon erklärt.

In einem Testament können klare Regeln getroffen werden. Wer es selbst erstellt, muss es handschriftlich verfassen und mit Datum sowie Unterschrift versehen.
In einem Testament können klare Regeln getroffen werden. Wer es selbst erstellt, muss es handschriftlich verfassen und mit Datum sowie Unterschrift versehen. © Silvia Marks/dpa

Mit ihrem Testament wollen sich viele Menschen nicht gern befassen. Versäumen sie es, greift die gesetzliche Erbfolge – was nicht immer in ihrem Sinne ist. Am Lesertelefon gab es viele Fragen zum Thema. Hier die Antworten der Notare Nadine Crenze aus Neustadt und Mathias Löhnert aus Chemnitz sowie Cornelia Blank, Fachanwältin für Erbrecht in Dresden.

Ich bin 65 Jahre alt und mit meinem Partner nicht verheiratet. Muss ich ein Testament machen, und geht das handschriftlich? Können wir auch ein gemeinschaftliches Testament verfassen?

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Ein Testament ist empfehlenswert, denn ohne erbt Ihr Partner nichts. Wichtig ist, dass Sie es von der ersten bis zur letzten Zeile eigenhändig schreiben und unterschreiben. Sonst ist es nicht gültig. Zudem sollten Ort und Datum vermerkt werden. Wenn Sie Ihren Partner als Erbe einsetzen, sollten Sie die anfallende Erbschaftssteuer bedenken: Nichtehelichen Partnern steht innerhalb von zehn Jahren nur ein Freibetrag in Höhe von 20.000 Euro zu. Die Errichtung eines gemeinschaftlichen Testamentes ist nur Ehegatten vorbehalten. Ein gleichwertiger Ersatz ist ein notarieller Erbvertrag. Alternativ kann jeder Partner für sich ein Einzeltestament errichten und den anderen bedenken.

Ich bin kinderlos, verwitwet und habe meine beiden Brüder im Testament als Erben eingesetzt. Einer ist gestorben. Wer erbt seinen Pflichtteil, wenn ich mal sterbe? Seine Frau und Kinder?

Es kommt auf die konkrete Formulierung im Testament an. Grundsätzlich kann festgelegt werden, wer an die Stelle des gewünschten Erben treten soll. Ist keine Regelung enthalten, ist eine ergänzende Auslegung notwendig. Diese kann zu dem Ergebnis führen, dass die Abkömmlinge des verstorbenen Bruders erben. Unter Umständen ist auch eine „Anwachsung“ des Erbteils an den Miterben denkbar. Eine Ersatzerbschaft der Ehefrau wird man jedoch nicht ohne Weiteres annehmen können. Sie sollten das gewünschte Ergebnis durch einen Zusatz im Testament klarstellen.

Wir sind kinderlos verheiratet. Wenn mein Mann stirbt, bekommen dann seine lebenden Eltern einen Pflichtteil?

Ja. Neben Ihnen als Ehefrau steht beiden Eltern jeweils ein Pflichtteil in Höhe von einem Achtel zu. Sollte nur noch ein Elternteil leben und gibt es keine Geschwister, hätte er einen Pflichtteilsanspruch in Höhe von einem Viertel des Nachlassvermögens.

Ich bin allein, habe keine Kinder, dafür zwei Geschwister und fünf Neffen. Ich möchte ein Testament machen: Drei Neffen und eine Schwester sollen Geld zu gleichen Teilen erben. Geht das?

Sie können über Ihren Nachlass frei verfügen. Den Geschwistern und Neffen steht nach dem Gesetz kein Pflichtteil zu. Wenn Sie das Testament selbst erstellen, müssen Sie es handschriftlich verfassen und mit Datum sowie Unterschrift versehen. Sie sollten alle Personen, die Sie als Erben einsetzen, namentlich und am besten mit Geburtsdatum benennen und die Erbquote – zum Beispiel „zu gleichen Teilen“ – bestimmen. Personen, die nicht erben sollen, müssen Sie nicht nennen. Gegebenenfalls sollten sie ausdrücklich enterbt werden, um ein „Nachrücken“ auszuschließen. Ohnehin sollten Sie auch die Ersatzerben benennen, falls ein Erbe vorverstirbt.

Wir sind zehn Jahre verheiratet und haben ein Kind. Es gibt ein Berliner Testament. Ich habe nun ein Haus gekauft. Wie regle ich, dass es nicht dem vorehelichen Kind meines Mannes zufällt?

In einer solchen Konstellation ist Vorsicht geboten. Sollten Sie sich gegenseitig als Erbe und ihr gemeinsames Kind als Schlusserbe bestimmt haben, steht Ihre Immobilie – wie auch das übrige Erbe – zwar Ihrem Kind zu. Sterben Sie zuerst, erbt beim Berliner Testament aber zunächst Ihr Mann. Die Immobilie fließt seinem Vermögen zu, was den Pflichtteilsanspruch seines vorehelichen Kindes erhöht. Auch könnte Ihr Mann nach Ihrem Tod frei über die Immobilie verfügen. Damit dieser Fall nicht eintritt, lassen Sie sich beim Notar beraten.

Ich habe in meiner Lebensversicherung einen Begünstigten benannt. Erhält er im Todesfall wirklich den Betrag, oder wird er unter den Erben aufgeteilt?

Solche Verträge fließen nicht in die Erbschaft ein. Sie werden daher auch nicht aufgeteilt. Allerdings: Es handelt sich um eine Schenkung, die bei der Berechnung des Pflichtteilsergänzungsanspruchs nicht bedachter Abkömmlinge berücksichtigt werden muss, wenn sie weniger als zehn Jahre zurückliegt. Das ist bei Verträgen auf den Todesfall immer der Fall.

Mein Mann und ich haben jeweils aus erster Ehe Kinder. Meine Tochter hat sich losgesagt. Laut Testament erhält sie den Pflichtteil. Lässt der sich mindern?

Der Pflichtteil kann nur in Ausnahmefällen entzogen werden, etwa wenn der Berechtigte zu einer Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr ohne Bewährung verurteilt wurde. Er lässt sich unter Umständen reduzieren, indem Vermögen zu Lebzeiten verschenkt wird. Ein Notar kann Ihnen helfen, das Testament so zu formulieren, dass sich der Pflichtteilsanspruch Ihrer Kinder nur auf Ihr Vermögen bezieht. Stirbt Ihr Mann zuerst und Sie erben sein Vermögen, würde der Pflichtteilsanspruch Ihrer Tochter sonst auch dieses Vermögen umfassen.

Ich bin geschieden. Wir haben zwei Kinder, die von dem neuen Ehemann meiner Ex-Frau adoptiert wurden. Haben sie Anspruch auf einen Erbteil von mir?

Es kommt auf das Alter Ihrer Kinder zum Zeitpunkt der Adoption an. Bei der Minderjährigenadoption erlöschen die Verwandtschaftsverhältnisse zum früheren Elternteil vollständig, sodass auch kein gesetzliches Erbrecht mehr besteht. Bei Volljährigen ist zu unterscheiden: Eine Adoption mit „starker“ Wirkung ist der Minderjährigenadoption gleichgestellt. Nur die Adoption mit „schwacher“ Wirkung führt dazu, dass das Kind nunmehr drei Elternteile hat und ihm ein gesetzliches Erbrecht auch vom leiblichen Elternteil zusteht.

Wir besitzen ein Wohnhaus, das wir unserem Sohn vererben oder überschreiben wollen. Wie gehen wir vor?

Zunächst müssen Sie entscheiden, ob Sie Ihrem Sohn das Haus zu Ihren Lebzeiten übertragen wollen – etwa unter Vorbehalt eines Wohnrechts – oder es erst nach Ihrem Tod in sein Eigentum übergehen soll. Die Übertragung zu Lebzeiten setzt einen notariellen Vertrag voraus. Sie können aber auch testamentarisch bestimmen, dass Ihr Sohn das Haus als Alleinerbe oder im Wege eines Vermächtnisses bekommen soll. Das Testament können Sie handschriftlich verfassen oder von einem Notar erstellen lassen. Letzteres hat den Vorteil, dass es den Erbschein ersetzt, der etwa zum Nachweis gegenüber dem Grundbuchamtnötig ist.

Zu meiner Tochter aus erster Ehe habe ich seit Jahren keinen Kontakt. Nun haben meine Frau und ich ein Haus gekauft. Wir möchten, dass es meine Stieftochter nach unserem Tod erbt.

Da der Stieftochter kein gesetzliches Erbrecht zusteht, sollten Sie als Eheleute ein gemeinsames Testament erstellen. Darin können Sie sich gegenseitig zu Alleinerben einsetzen und Ihre Stieftochter als Schlusserbin. Das ist ein Berliner Testament. Die gute Nachricht ist, dass Stiefkindern der gleiche Erbschaftsteuerfreibetrag zusteht wie leiblichen Kindern. Sowohl Sie als auch Ihre Frau können daher Ihrer Stieftochter in einem Zehnjahreszeitraum je Vermögen im Wert von bis zu 400.000 Euro steuerfrei zuwenden beziehungsweise vererben.

Wir (80, 87) haben drei Töchter. Zwei sind kinderlos und sollen Geld erben. Eine hat zwei minderjährige Kinder, die das Haus bekommen sollen. Wir haben ein Berliner Testament. Geht das?

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Ja, es ist möglich, in einem Testament einzelne Vermögensgegenstände bestimmten Personen zu vermachen oder eine Teilung des Nachlasses festzulegen. Die Erben können sich aber später grundsätzlich über eine abweichende Verteilung einigen. In jedem Fall sollten Sie auf die korrekte Verwendung von Begriffen achten. So ist vererben nicht gleich vermachen. Sofern der Grundbesitz den Großteil des Nachlasses ausmacht, sind zudem etwaige Ausgleichs- und Pflichtteilsansprüche der kinderlosen Töchter zu bedenken. Alternativ könnte das Haus bereits zu Lebzeiten übertragen werden – auch wenn eine Grundstücksübertragung an Minderjährige wohlüberlegt sein sollte. Um Streit zu vermeiden, könnten die Töchter an der Übertragung mitwirken und entweder unentgeltlich oder gegen Abfindung auf ihren Pflichtteil bezogen auf das Haus verzichten.

Notiert von Kornelia Noack.

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