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So teuer ist die Pflege im Heim in Sachsen

In Sachsen zahlen Pflegebedürftige jedes Jahr mehr selbst. Entlastungen soll es frühestens im nächsten Jahr geben.

Durchschnittlich 1.765 Euro pro Monat beträgt der selbst zu zahlende Anteil für einen Platz im Pflegeheim in Sachsen.
Durchschnittlich 1.765 Euro pro Monat beträgt der selbst zu zahlende Anteil für einen Platz im Pflegeheim in Sachsen. © Frank Rumpenhorst/dpa

Dresden/Berlin. Wer in Sachsen in einem Pflegeheim lebt, muss dafür immer mehr aus der eigenen Tasche bezahlen. Im Schnitt liegt der Eigenanteil für einen Heimplatz bei 1.765 Euro im Monat. Das sind 123 Euro mehr als zu Beginn des Jahres und 144 Euro mehr als im vergangenen Juli. Der Verband der Ersatzkassen hat die neuen Daten am Mittwoch vorgestellt.

Sachsen liegt damit unter dem bundesweiten Schnitt von 2.125 Euro pro Monat. Nach wie vor gibt es große regionale Unterschiede. Im Vergleich der Bundesländer am teuersten bleiben Heimplätze in Nordrhein-Westfalen mit nun durchschnittlich 2.496 Euro im Monat. Dagegen ist die Belastung der Pflegebedürftigen in Sachsen-Anhalt mit 1.539 Euro am niedrigsten. „Wenn sich diese Entwicklung so fortsetzt, werden immer mehr Menschen auf Leistungen der Sozialhilfe angewiesen sein, weil sie die Kosten nicht mehr selbst aufbringen können“, sagt Ulrike Elsner, Vorstandschefin des Verbandes der Ersatzkassen.

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In den Beträgen ist zum einen der Eigenanteil für die reine Pflege und Betreuung enthalten. Denn die Pflegeversicherung trägt, anders als die Krankenversicherung, nur einen Teil der Kosten. Für Heimbewohner kommen aber noch Kosten für Unterkunft, Verpflegung und auch für Investitionen in den Einrichtungen dazu.

Neuer Zuschlag für Heimbewohner ab 2022

Der Eigenanteil allein für die reine Pflege stieg nun im bundesweiten Schnitt auf 873 Euro, zum 1. Januar waren es noch 831 Euro gewesen. In Sachsen müssen Heimbewohner für die Pflege 757 Euro selbst aufbringen. Für Investitionskosten liegt der Anteil im Schnitt bei 388 Euro, für Unterkunft und Verpflegung bei 620 Euro.

„Der Trend zeigt, dass sich Bund und Länder dringend umfassender mit der Pflege beschäftigen müssen“, sagt Michael Junge, Vorsitzender des Pflegerates Sachsen. Er sieht den Grund für die Kostensteigerungen vor allem in den gestiegenen Vergütungen für die Pflegekräfte in den Heimen. „Mehr Gehalt ist wichtig, um den Beruf attraktiv zu gestalten. Dies darf aber nicht zu höheren Kosten für die Pflegebedürftigen führen“, sagt Junge.

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Entlastet werden sollen Pflegebedürftige durch die Reform von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Heimbewohner bekommen ab 1. Januar 2022 einen neuen Zuschlag. Der Eigenanteil für die reine Pflege soll damit im ersten Jahr im Heim um fünf Prozent sinken, im zweiten um 25 Prozent, im dritten um 45 Prozent und ab dem vierten Jahr um 70 Prozent. Nach Ansicht von Ulrike Elsner reiche dies bei Weitem nicht aus. Es gelte, Pflegebedürftige spürbar zu entlasten und die Finanzierung langfristig zu sichern. Ein dauerhaft höherer Steuerzuschuss für die Pflegeversicherung und die Übernahme von Investitionskosten der Einrichtungen durch die Länder seien dafür unabdingbar. (SZ/rnw/kno, dpa)

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