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300 Krippen aus aller Welt: Ausstellung ohne Zuschauer

Wegen Corona können aktuell keine Besucher zu den Müllers nach Nieder Seifersdorf kommen. Sie räumen ihre Sammlung aber noch lange nicht weg.

Katrin Müller sammelt Krippen. Das ist ein Exemplar aus Norwegen.
Katrin Müller sammelt Krippen. Das ist ein Exemplar aus Norwegen. © Constanze Junghanß

Traurig ist Katrin Müller schon. Liebevoll hat sie wie jedes Jahr die Krippenausstellung in der alten Schmiede dekoriert, Zweige gesteckt, den Staubwedel geschwungen und sich an jeder einzelnen Krippe erfreut. Diese Freude wollte die 76-Jährige gern weitergeben und vielen Gästen zeigen. Die Ausstellung mit mehr als 300 Exponaten aus aller Herren Länder muss auf Besucher jedoch verzichten. Corona macht auch da einen Strich durch die Rechnung.

Für die Pfarrfrau sind die Auflagen verständlich. Kamen doch in den vergangenen Jahren um die 500 Besucher zu ihr und ihrem Mann Reinhard, um in der Zeit vor Heiligabend die jahrzehntelang gesammelten Schätze zu bestaunen und gleichzeitig viel über den Hintergrund der Weihnacht zu erfahren. Aber die Ansteckungsgefahr mit dem Virus sei nicht kleinzureden. Auf Besucherströme sollte man wahrlich verzichten, wie Katrin Müller sagt. Und so bleibt das große Holztor erst einmal geschlossen.

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Nichtsdestotrotz schaut die Hausherrin selbst gern in ihrer Ausstellung vorbei. Krippen aus Ton sind zu entdecken, aus Holz, Stein, Wachs. Selbst aus Papier – hergestellt in einer besonderen Wickeltechnik. Einige der Exemplare haben die Müllers selbst gekauft, andere sind Geschenke. Manche sind Familienstücke. Das ehemalige Weißwasseraner Pfarrehepaar begann die figürliche Geschichte Jesus intensiv ab 1999 zu sammeln. „Für die Kirche sollte damals eine Krippenausstellung gemacht werden“, erinnert sie sich. Damals sei es gar nicht so leicht gewesen, genug Exemplare zusammenzutragen.

Krippen aus Stroh und im Fingerhut

Katrin Müller begann also selbst mit dem Sammeln. Bis heute hat sie diese Leidenschaft nicht wieder losgelassen. Vor 13 Jahren zogen die Ruheständler von Weißwasser nach Nieder Seifersdorf auf einen Bauernhof. Die ehemalige Schmiede auf dem Gelände wurde saniert. In ihr sind die Krippen aus mehr als 40 Ländern aufgebaut. 2020 kam noch ein Holzhaus im nordischen Stil dazu. Passend sind da, zwischen Holzskiern und einer Strohpuppengruppe mit dem Heiligen Paar und seinem Kind, die Krippen aus nördlichen Ländern zu entdecken. Das kleinste Exemplar in der Sammlung ist eine Krippe in einem Fingerhut.

Die kleinste Krippe passt in einen Fingerhut.
Die kleinste Krippe passt in einen Fingerhut. © Constanze Junghanß
Eine Krippe aus Papier gehört zu den neueren Exponaten in der Sammlung.
Eine Krippe aus Papier gehört zu den neueren Exponaten in der Sammlung. © Constanze Junghanß
Eine gehäkelte Krippe hat auch nicht jeder.
Eine gehäkelte Krippe hat auch nicht jeder. © Constanze Junghanß
Hier loderte vor 100 Jahren das Schmiedefeuer.
Hier loderte vor 100 Jahren das Schmiedefeuer. © Constanze Junghanß
Krippen überall: In Schränken, auf Tischen und in jeder Nische – viel Putzarbeit ist das.
Krippen überall: In Schränken, auf Tischen und in jeder Nische – viel Putzarbeit ist das. © Constanze Junghanß

Die größte Gruppe besteht aus geschnitzten, unbemalten Holzfiguren, die etwa 50 Zentimeter hoch sind. Ein Exemplar ist Katrin Müller besonders ans Herz gewachsen. Das begleitet sie seit ihren Kindheitstagen. „Geerbt habe ich die von meinem Vater“, erzählt sie. Die einfachen kleinen Figuren seien etwa 100 Jahre oder älter und stammten von einem schlesischen Künstler. Frau Müller hat das Krippenhaus dazu selbst gebaut. Mit Schlesien verbindet die Rentnerin ihre eigene Ursprungsgeschichte.

1944 geboren, 1945 musste die Familie auf die Flucht. Oma, Mutter und drei Mädchen. Frau Müller war gerade mal ein Jahr alt. „Wir kamen aus der Nähe von Breslau, flohen über das Sudentenland nach Herrnhut“, sagt sie. Von da führten die Wege ihrer Familie nach Freiburg, Grüna und später nach Görlitz. Der Vater wollte so nahe wie möglich ans Schlesische zurück, wie die Pfarrfrau erzählt. Erinnerungen an die Flucht hat sie selbst keine mehr. Eine Puppe - „der Hansel“ - war den langen Weg an ihrer Seite. Die einfache Stoffpuppe und ihre Geschichte sind auch in der Schmiede zu sehen.

Hoffen auf das nächste Jahr

Wenn nun nicht gleich und wie geplant zu den Adventswochenenden, wird die Krippenausstellung trotzdem in Zukunft zu bestaunen sein. Sie ist nicht gänzlich vom Tisch. Die Nieder Seifersdorferin hofft, im nächsten Jahr wieder viele Gäste begrüßen zu können. Sobald die Corona-Regelungen gelockert werden, möchten Müllers ihre Sammlung wieder einem breiten Publikum zugänglich machen. Und auch die Andacht am 1. Januar, um 15.30 Uhr unter freiem Himmel auf der Wiese hinter der Schmiede soll stattfinden. Diesmal nicht mit Glühwein und Kürbissuppe. Jeder kann selbst eine Brotzeit mitbringen.

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