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Neißegebiet ist bei Autoklau deutschlandweit vorn

Fast nirgendwo in Deutschland kommen mehr Autodiebstähle auf 100.000 Einwohner als im Kreis Görlitz. Die Statistik zeigt auch, welche Marken beliebt sind.

Vorstellung in Görlitz: Polizisten stehen vor einem Lieferwagen der Soko Argus, der mit einer Kamera-Laser-Einheit ausgestattet ist. Damit kann auch Autodieben auf die Spur gekommen werden.
Vorstellung in Görlitz: Polizisten stehen vor einem Lieferwagen der Soko Argus, der mit einer Kamera-Laser-Einheit ausgestattet ist. Damit kann auch Autodieben auf die Spur gekommen werden. © dpa-Zentralbild

Görlitz. Die Chance, im Landkreis Görlitz Opfer eines Autodiebstahls zu werden, ist fast so hoch wie in Berlin. Zwar wurden laut Bundeskriminalamt (BKA) im vergangenen Jahr "nur" 282 Fälle von Autoklau im Landkreis Görlitz registriert. In Berlin waren es immerhin 4.399 Fälle.

Aber um die beiden Zahlen vergleichen zu können, muss die Einwohnerzahl berücksichtigt werden. Dabei wird berechnet, wie viele Diebstähle auf 100.000 Einwohner kommen, die so genannte Häufigkeitszahl. Und hier zeigt sich: In Berlin kommen 120 Autodiebstähle auf 100.000 Einwohner, im Landkreis Görlitz immerhin 112. Das geht aus der aktuellen polizeilichen Kriminalitätsstatistik des BKA in Wiesbaden hervor.

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Grenzgebiet zu Polen nach wie vor Schwerpunkt

Die macht vor allem auch eines deutlich, das Grenzgebiet zu Polen ist absoluter Spitzenreiter in Deutschland, was den Autoklau betrifft. Schon im Nachbarlandkreis Bautzen sieht das ganz anders aus. Hier liegt die Häufigkeitszahl beim Autodiebstahl bei 43.

Dabei liegt der Landkreis Görlitz im Grenzgebiet nicht ganz vorn. Der Spree-Neiße-Kreis, nördlicher Nachbar des Kreises Görlitz, kommt auf eine Häufigkeitszahl von 150, der höchste Wert in der Bundesrepublik. Auch in Cottbus liegt der Wert hoch, bei 133, in Frankfurt/Oder bei 137. In sächsischen Großstädten im Landesinnern wie in Dresden (32) und Leipzig (63) ist die Gefahr, dass das Auto am Morgen nicht mehr vor der Tür steht, wesentlich geringer – zumindest statistisch gesehen. In manchen Kreisen in Bayern werden auf 100.000 Einwohner sogar nur zwei, drei Autos gestohlen, in München sind es 13.

Welcher Fall in die Statistik aufgenommen wird, das hängt vom Tatort ab. Wenn also auf der Autobahn ein Fahrzeug noch vor der Grenze gestoppt wird und der Diebstahl noch nicht gemeldet wurde, ist das ein Fall für die Görlitzer Statistik.

Sächsische Großstädte weit unter den Werten des Kreises

Und Aufgriffe auf der Autobahn sind keine Seltenheit, wenn auch unter unterschiedlichen Vorzeichen. Erst am 29. April hatten Einsatzkräfte der Gemeinsamen Fahndungsgruppe Bautzen auf dem Parkplatz Wacheberg-Süd, also im Kreis Görlitz, einen Range Rover Evoque mit italienischem Kennzeichen kontrolliert. "Bei der Überprüfung stellten die Beamten fest, dass das Fahrzeug im Jahr 2016 in Italien gestohlen worden war", so Julia Garten, Sprecherin der Polizeidirektion Görlitz.

Am Steuer saß ein 40-jähriger Niederländer. Der konnte aber glaubhaft erklären, dass er das Fahrzeug gekauft hatte. Genutzt hat es ihm wenig. Er durfte zwar weiterreisen, die Beamten stellten den Range Rover aber sicher.

In diesem Monat gab die Polizeidirektion Görlitz bisher zwei Autodiebstähle im Landkreis Görlitz bekannt. Am 1. Mai wurde in Weißwasser ein hellgrauer, noch nicht einmal ein halbes Jahr alter Audi gestohlen, Wert etwa 60.000 Euro. Nach ihm wird nun international gefahndet. Nicht ganz so ins Kontor schlägt der Diebstahl eines VW Caddy am 13. Mai in Herrenwalde in Waltersdorf. Er hat einen Wert von 13.000 Euro.

Unter anderem für derartige Fälle hat die Polizeidirektion Görlitz seit Anfang 2020 Unterstützung durch die Sonderkommission (Soko) Argus. Die ist nicht nur im polnischen Grenzgebiet auf deutschem Boden gemeinsam mit den Kollegen aus dem Nachbarland aktiv, sondern auch im Nachbarland selbst.

Über 84 Prozent der Verdächtigen sind "Nichtdeutsche"

Audi war bisher eine der Lieblingsmarken der Autodiebe. Derzeit beschäftigen vor allem koreanische und japanische Autos die Soko. "Wir sind an der Tätergruppe dran", so Soko-Leiter Martin Reiner. In einer jüngst veröffentlichten Statistik der Polizei zeigen sich auch innerhalb des Kreises große Unterschiede. Im Vergleich zum Vorjahr sank die Zahl der Autodiebstähle 2020 in Görlitz um 42 Prozent, in Zittau stieg sie um 76 Prozent. Deshalb will die Soko nun auch verstärkt die tschechische Grenze ins Visier nehmen.

Die Arbeit der Soko schlägt sich offensichtlich auch in der Aufklärungsquote wieder. Die lag bei Autodiebstählen im Landkreis Görlitz im vergangenen Jahr bei 44 Prozent. Demgegenüber wurden im Kreis Spree-Neiße noch nicht einmal neun Prozent geklärt. 77 Tatverdächtige registrierte die Polizei in Sachen Autoklau im vergangenen Jahr im Kreis, darunter sieben Frauen. Der Anteil "Nichtdeutscher", wie es beim BKA heißt, lag bei 84,4 Prozent, im deutschlandweiten Vergleich ein hoher Wert.

Wenig geändert hat sich derweil an den Hauptabsatzgebieten der gestohlenen Fahrzeuge. Sie liegen laut BKA "weiterhin vorrangig im Osten Europas". Osteuropa sei jedoch nicht nur bedeutende Ziel- sondern auch bedeutende Transitregion nach Zentralasien, vor allem Usbekistan und Tadschikistan.

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