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Strafe folgt nur 20 Stunden nach bewaffnetem Diebstahl

Ein polnischer Marktkauf-Dieb wird im beschleunigten Verfahren verurteilt. Ins Gefängnis muss er aber nicht.

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Symbolbild © David-Wolfgang Ebener/dpa (Symbolbild)

Auch in Deutschland kann die Strafe auf dem Fuße folgen, sagte Oberstaatsanwalt Sebastian Matthieu in seinem Plädoyer zu einem 31-jährigen polnischen Angeklagten, der am Dienstagnachmittag auf der Anklagebank des Görlitzer Amtsgerichts saß.

Dabei war der arbeitslose, ledige junge Mann erst rund 20 Stunden zuvor, am Montagabend gegen 19.15 Uhr, auf frischer Tat erwischt worden, als er im Görlitzer Marktkauf vier Rasierklingenschachteln im Wert von knapp 140 Euro stehlen wollte. An der Selbstbedienungs-Kasse zahlte er nur für eine Dose Katzenfutter. Ein Mitarbeiter wurde stutzig, als er das nervöse Verhalten des Mannes bemerkte, stellte ihn und rief die Polizei. Diese nahm den Polen vorläufig fest, denn er hatte auf seinem Beutezug griffbereit ein Einhandmesser in der rechten Hosentasche bei sich. Dadurch wurde aus einem einfachen Diebstahl ein Diebstahl mit Waffe – Mindeststrafe sechs Monate Freiheitsentzug.

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Für Oberstaatsanwalt Sebastian Matthieu eindeutig ein Fall für ein beschleunigtes Verfahren: klarer Sachverhalt und sichere Beweislage, schließlich wurde der Mann auf frischer Tat ertappt und war gegenüber der Polizei auch geständig. Binnen 24 Stunden nach der vorläufigen Festnahme konnte verhandelt werden, weil auch Amtsgerichtsrichter Jürgen Zobel und Verteidiger Hagen Richter kurzfristig mitspielten. Die Verhandlung war dann auch Minutensache: Anklageverlesung, Geständnis – "Das war so, ich wollte das Messer nicht benutzen und wusste nicht, dass es in Deutschland verboten ist, mit sich zu tragen." Die Beweisaufnahme wurde nach rekordverdächtigen fünf Minuten geschlossen.

Der Oberstaatsanwalt forderte in seinem Plädoyer eine neunmonatige Freiheitsstrafe für den Angeklagten. Er ging auch darauf ein, dass der Pole zur Polizei gesagt hatte, dass er deshalb in Deutschland stehle, weil es in Polen härter bestraft würde. "Ich glaube, wir müssen da auch ein Signal setzen", sagte Sebastian Matthieu. Trotzdem blieb es eine Strafe am unteren Rand des Strafrahmens von sechs Monaten bis zehn Jahren.

Für den Angeklagten sprachen das Geständnis und die fehlenden einschlägigen Vorstrafen in Deutschland. Außerdem war der Schaden gering und wurde durch Rückgabe der Ware wieder gutgemacht. Und das Messer blieb in der Hosentasche. Die Strafe solle zur Bewährung ausgesetzt werden, eben wegen der fehlenden Vorstrafe und dem festen Wohnsitz in Polen, Bewährungszeit drei Jahre.

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Der Verteidiger schloss sich dem Plädoyer an. Der Richter urteilte entsprechend, verzichtete nur auf die von Matthieu geforderte Arbeitsauflage von 100 Sozialstunden. "Aus pragmatischen Gründen", sagte Jürgen Zobel. "Das hat in meiner Zeit noch nie so funktioniert, wie es soll. Außerdem geht es eher um den Denkzettel für den Angeklagten: Eine weitere Straftat in Deutschland, und sei sie noch so gering, und er muss ins Gefängnis."

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