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Corona: Keine Anzeichen für mehr Suizide

Tragische Ereignisse wie im Sommer in Görlitz sind die Ausnahme. Der Kreis versucht viel, um sie zu verhindern.

So idyllisch die Neiße bei Görlitz wirkt, sie ist auch Schauplatz
So idyllisch die Neiße bei Görlitz wirkt, sie ist auch Schauplatz © Pawel Sosnowski/80studio.net

Es war ein tragisches Ereignis. Mitten im schönsten Görlitzer Sommer fand die Polizei am Fuße des Görlitzer Viadukts einen 21-jährigen Mann. Tot. Man gehe davon aus, erklärte ein Sprecher der Görlitzer Polizeidirektion, dass er in "vermutlich suizidaler Absicht" heruntergesprungen sei.

Wenn es tatsächlich ein Selbstmord war, so geschieht er ganz häufig nicht aus dem Affekt heraus, sondern hat eine "Vorgeschichte". Mehr als 90 Prozent der Menschen, die einen Suizid begehen, leiden unter einer eigentlich behandelbaren Erkrankung. Umso wichtiger ist es, dass sie frühzeitig in Behandlung kommen . 

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Als die Corona-Pandemie im Frühjahr Deutschland erreichte und der Lockdown auch die Behandlung von psychisch Erkrankten erschwerte, kam schnell die Frage auf, ob es in dieser Zeit mehr Suizide gibt als sonst. 

Ein halbes Jahr danach ist die Frage noch immer schwer zu beantworten, weil es offizielle Zahlen über Selbstmorde immer erst mit einem gewissen Nachlauf gibt. So dürften die Zahlen für dieses Jahr erst Ende 2021 vorliegen. 2017 nahmen sich laut Statistischem Bundesamt 9.241 Menschen das Leben - mehr als 25 pro Tag. Knapp 7.000 von ihnen waren Männer, 2.250 Frauen. 2018 zählten die Statistiker 9.396 Personen, die sich das Leben nahmen. Damit sterben etwa so viele Menschen in Deutschland von eigener Hand wie bei Verkehrsunfällen.

Die Vertreter bundesweiter Organisationen haben bislang keinen Hinweis auf eine steigende Zahl von Suiziden, schließen aber mehr Suizidversuche nicht aus. So äußerte sich jetzt Ulrich Hegeld, Vorsitzender der Stiftung Deutsche Depressionshilfe, die in Leipzig sitzt. Lokale Daten gibt es zu diesem Thema nicht.

Das liegt auch daran, dass in der Öffentlichkeit das Thema selten angesprochen wird. Da wissenschaftliche Studien durchaus zu dem Schluss kommen, dass die Berichterstattung  über Suizide zu Nachahmungen verleiten, halten sich die Sicherheitsbehörden in aller Regel zurück, von sich aus über Selbstmorde zu berichten. 

Wer an Suizid denkt oder glaubt, jemanden zu kennen, sollte sich schnell Hilfe suchen.  Beispielsweise hier:

  • Telefonseelsorge: Unter den Telefonnummern 0800/1110111 und 0800/1110222 können Betroffene und Angehörige rund um die Uhr anonym und kostenfrei Hilfe suchen.
  • Sozialpsychiatrischer Dienst: Beim Landkreis Görlitz gibt es Mitarbeiter im Kreis-Gesundheitsamt, die Hilfe vermitteln können. 

Eine Gelegenheit über das vielfältige Thema zu informieren ist die "Woche der seelischen Gesundheit" , die Anfang Oktober im Landkreis Görlitz stattfindet.  Ziel aller Veranstaltungen ist es, so heißt es vom Kreis-Gesundheitsamt, über psychische Erkrankungen aufzuklären, Hilfs- und Therapieangebote aufzuzeigen.  Um Fälle wie in diesem Sommer in Görlitz eben doch zu verhindern.

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Weitere Hinweise zum Programm  der Woche der seelischen Gesundheit finden Sie hier.

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