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Dieser Mann hat ein eiskaltes Hobby

Steffen Träger genießt im Winter das tägliche Bad im Eis. Seitdem er das macht, ist der Reichenbacher nie mehr erkältet gewesen.

Jeden Tag steigt Steffen Träger in den Familienpool. Dass der größtenteils zugefroren ist, stört ihn kein bisschen.
Jeden Tag steigt Steffen Träger in den Familienpool. Dass der größtenteils zugefroren ist, stört ihn kein bisschen. © Constanze Junghanß

Das Thermometer zeigt minus 4 Grad Außentemperatur. Winter halt. Die beste Zeit für Steffen Träger, um eine Runde abzutauchen. Im Wasser ist es schließlich wärmer, als draußen an der Luft. 0 Grad Celsius im Pool. Kälter geht’s nicht. Steffen Träger schlüpft in die Badehose, zieht sich Mütze und Neoprenhandschuhe an.

Letztere sind wasserdicht. Ohne nur eine Sekunde zu zögern, steigt er in seinen Swimmingpool. Der ist sechs Meter im Durchmesser groß und mit einer zehn Zentimeter dicken Eisschicht bedeckt. Eine Platte aus Styropor und ein Mörtelkübel, in den eine Miniheizung eingebaut ist, halten ein Loch auf der Eisfläche frei. Da steigt der Reichenbacher Kirchengemeinderat über eine kleine Leiter hinein. Einige Minuten bleibt er in dem Eiswasser drin und fühlt sich offenbar pudelwohl. Bis zu den Schultern taucht er ein.

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Nur der bemützte Kopf schaut heraus. Gänsehaut, bibbern oder zittern angesichts der Kälte? Fehlanzeige. Gelassen steigt Steffen Träger nach einer Weile wieder aus dem Pool, zieht sich Bademantel und Schlappen an und geht zurück ins Haus. Jeden Morgen das gleiche Ritual, sofort nach dem Aufstehen und vor dem Frühstück. Anschließend geht’s schnell noch unter die warme Dusche. Besser könne man nicht munter und fit in den Tag starten.

Erste Ausflüge ins bitterkalte Nass zu DDR-Zeiten

Eisbaden: Ein Hobby, für dass sich der heute 58-Jährige bereits in seiner Jugend begeisterte. Die ersten Ausflüge ins bitterkalte Nass startete Steffen Träger zusammen mit einem Kumpel im Reichenbacher Freibad. „Zu DDR-Zeiten wurde da das Wasser im Winter nicht abgelassen“, erinnert er sich. Vom Bademeister bekamen die beiden jungen Männer einen Schlüssel und durften sich ein Loch ins Eis hacken. Mit Hacke und Badeutensilien ausstaffiert zogen sie los.

„Jeden Sonntag im Winter war Eisbadetag“, erzählt der Vater von sechs Kindern und mittlerweile Opa von bald dem dritten Enkelkind. Die Steinbrüche in Königshain muteten sich die unerschrockenen Schwimmer ebenfalls zu. Die jedoch seien nie zugefroren gewesen, wenngleich da die Temperaturen nur knapp über dem Gefrierpunkt lagen. Auch beim Neujahrsschwimmen in der Elbe war er zwei- oder dreimal dabei, tauchte ebenso probehalber in den Berzdorfer See in der kalten Jahreszeit ab.

Später baute der Keyboarder der ehemaligen Fisherman's-Band einen Pool in den Hausgarten. Vorbild sei der Onkel gewesen: „Der pflegte das Ritual des morgendlichen Schwimmens im eigenen Pool täglich“, sagt er. Einige Sportarten probierte Steffen Träger zuvor aus. Fahrrad fahren, joggen oder Gymnastik. Das habe jedoch nicht besonders lange angehalten. Schwimmen stand als Option zur Debatte. „Bei der Sportart bin ich hängengeblieben, das macht mir Freude“, sagt er.

Auch die Haut wird schön weich

Im Sommer Runden im Pool zu drehen, auch im Herbst und im Frühling, erwies sich als problemlos. Aber was macht ein Schwimmer im Winter, wenn der Pool zur Hälfte abgelassen und mit einer Eisdecke zugefroren ist? Da sei das Eisbaden im Garten die ideale Lösung gewesen. Seit acht Jahren steigt Steffen Träger ins kalte Wasser zu Hause. „Seitdem war ich kein einziges Mal erkältet“, sagt er. Gut für die Gesundheit sei das also allemal. Und auch für die Haut: Die werde schön weich.

Vor einer Weile machte seine Frau Ilona ein Foto ihres abgehärteten Mannes mitten im Eiswasser und reichte das bei einem Wettbewerb ein. Dafür gab's den zweiten Preis. Trägers gewannen einen Poolroboter. Den nutzt jedoch ausschließlich seine Frau, um das Becken sauberzuhalten, wenn ihr Mann beruflich unterwegs ist. Für Steffen Träger selbst ist die Reinigung der Anlage per Hand Entspannung und Ausgleich zur Arbeit am Computer. Wöchentlich investiert er dafür drei Stunden seiner Freizeit. So ein Pool, der sei schon was Geniales.

Und wer kein Grundstück hat? Der Reichenbacher weiß von einem Dresdner, der auf seinem Balkon eine Zinkbadewanne aufstellte und darin das Eisbaden pflegt. Auch eine Möglichkeit also. Wobei bei allen Vorteilen, die er sieht, auch wichtig für mögliche Nachahmer sei, den Körper ganz langsam an das Eisbaderitual zu gewöhnen und bei Unsicherheit im Vorfeld seinen Arzt zu fragen. Seine Familienmitglieder dagegen konnte er noch nicht wirklich vom täglichen Eisbaden überzeugen. Denen sei es dann doch ein bisschen zu kalt, wie er sagt.

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