merken
PLUS Görlitz

Der Run aufs E-Auto bleibt aus

Zwar steigt die Zahl der Zulassungen im Kreis Görlitz. Aber die Kunden bleiben zurückhaltend. Woran liegt`s?

Unternehmenschef Horst Büchner vor seinem Autohaus an der Schlaurother Straße in Görlitz: Er verkauft E-Autos vor allem an Firmen.
Unternehmenschef Horst Büchner vor seinem Autohaus an der Schlaurother Straße in Görlitz: Er verkauft E-Autos vor allem an Firmen. © Jens Trenkler

Kommwohnen setzt sich selbst unter Strom - beziehungsweise die Betriebsfahrzeuge: Gleich fünf neue Elektroautos hat der städtische Großvermieter jetzt auf dem Hof stehen, vier Skoda Citigo E und einen E-Golf. Gut für die Görlitzer Luft und offenbar lukrativ für das Unternehmen: Firmen haben die E-Mobilität entdeckt.

Kein Wunder. Der Umstieg lohnt sich - zumindest perspektivisch gesehen. Gegenwärtig  dominieren allerdings noch "die Diesel" die großen Firmenflotten. Laut der Deutschen Automobil Treuhand GmbH und deren DAT-Barometer kommen in den Unternehmen als Dienstwagen immer noch 80 Prozent Selbstzünder zum Einsatz. 

Anzeige
Sichere App für Nachverfolgung
Sichere App für Nachverfolgung

Die Regeln für die Besucher von öffentlichen Einrichtungen wurden verschärft. Die App "Pass4all" bietet für sie und die Anbieter eine ideale Lösung.

Das könnte sich in naher Zukunft aber ändern. Ähnlich wie die Görlitzer Kommwohnen setzen Unternehmen in der Region zunehmend auf E-Autos. Der Grund ist das Konjunkturprogramm der Bundesregierung. Das verspricht für elektrisch betriebene Mobile finanzielle Vorteile. Zum einen gibt es Kaufprämien, zum anderen steuerliche Vergünstigungen. Firmenwagen mit Elektroantrieb werden zudem begünstigt versteuert, wenn Mitarbeiter sie auch privat nutzen.

Mehr E-Autos im Landkreis unterwegs

Kommt jetzt die Elektromobilitätswelle im Kreis? Beim Blick auf die Zulassungszahlen könnte man fast meinen: ja. Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Zahl der Neuzulassungen von Fahrzeugen mit dem E-Kennzeichen erkennbar an. Von Juni bis September des vergangenen Jahres wurden 29 E-Autos neu im Landratsamt registriert. Im selben Zeitraum dieses Jahres waren es 96.  Allein im September 2020 gab es 42 Neuzulassungen von Elektrofahrzeugen im Landkreis Görlitz, im September 2019 waren es nur fünf. Auch der Juli war ein Stromer-Monat in diesem Jahr: 27 E-Autos wurden zugelassen, 2019 nur sechs.

Der Trend zur Elektromobilität, kommt er nun in die Oberlausitz? Stürmen nach den Firmen auch die Privatkunden die Autohäuser auf der Jagd nach Elektroschnäppchen? Fahrzeughändler im Landkreis sehen noch nicht den großen Durchbruch. Die Büchner-Gruppe betreibt sechs Standorte, von Weißwasser über Görlitz und Zittau bis Neustadt. Chef Horst Büchner sieht den Elektroautomarkt in der Region eher skeptisch. "Wir verkaufen die Fahrzeuge schon. Aber nicht in dem Maße wie erwartet", sagt er zum Thema E-Autos. Wenn in den Büchner-Autohäusern Elektrofahrzeuge den Besitzer wechseln, dann gehen etwa zwei Drittel an Firmen. 

Händler sehen keine steigende Nachfrage

Horst Büchner sagt von sich selbst, dass er anfänglich ein großer Verfechter der Elektromobilität gewesen sei. "Aber es fehlt hier doch die Akzeptanz", hat er feststellen müssen. Er sieht dies nicht nur auf den Landkreis Görlitz bezogen, sondern auf den gesamten Osten Deutschlands. In Städten wie Dresden und Leipzig sei dies vielleicht noch etwas anders.  "Wir haben hier vielleicht nicht die Einstellung zum Elektroauto wie anderswo", sagt Horst Büchner. Traditionell gebe es das Familienauto, meist ein Diesel. Ein E-Mobil sei eher ein Zweit- oder Drittfahrzeug. "Aber wer hat das schon bei uns in der Region?", so Horst Büchner. 

Sein Kollege Sylvio Arndt vom gleichnamigen Autohaus in Niesky hat mit dem Verkauf von Elektroautos ebenfalls noch keinen ganz großen Umsatz gemacht. "Es gibt keine große Nachfrage", sagt er.  Generell sehe er das Thema Elektromobilität neutral. "Vielleicht", so überlegt Sylvio Arndt, "handelt es sich ja auch um ein ganz normales Marktverhalten? Wenn etwas wirklich von den Kunden gewollt ist, findet es auch Abnehmer - ganz ohne künstliche Kaufanreize."

Künstlicher Kaufanreiz für E-Autos?

In den vergangenen vier Monaten jedenfalls habe sich keiner seiner Kunden ernsthaft für ein Elektroauto interessiert. Ähnliche Erfahrungen hat Nissan-Händler Stephan Marschke in Görlitz gemacht. "Es gibt zu E-Autos keine Nachfragen", sagt er. Elektrofahrzeuge und plattes Land -  "und Görlitz ist plattes Land", so Stephan Marschke - das komme noch nicht zusammen. 

Horst Büchner sieht derweil einen weiteren Fakt, der gegen ein E-Auto für den Privathaushalt spricht. "Wir haben hier die höchsten Strompreise Europas", sagt er. So bleiben also vor allem Firmen wie Kommwohnen, die verstärkt auf E-Mobilität setzen. Und Behörden. Horst Büchner: "Für das Ordnungsamt Görlitz beispielsweise sind E-Autos optimal. Sie fahren kurze Strecken, acht bis zehn Kilometer am Tag. Das passt."

Mehr Nachrichten aus Görlitz lesen Sie hier

Mehr Nachrichten aus Niesky lesen Sie hier

Mehr zum Thema Görlitz