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"Ich mache keine halben Sachen"

Hier erklärt der Kaufhaus-Eigentümer Winfried Stöcker seine Pläne für die Görlitzer Stadtmitte.

Winfried Stöcker vor einigen Jahren in seinem Kaufhaus in Görlitz.
Winfried Stöcker vor einigen Jahren in seinem Kaufhaus in Görlitz. © Pawel Sosnowski/80studio.net

Von Winfried Stöcker, Eigentümer des Görlitzer Kaufhauses

Das Görlitzer Kaufhaus wird sich auf Dauer nur dann behaupten können, wenn es wirtschaftlich betrieben wird. Dazu bedarf es einer ausreichend großen Verkaufsfläche. Wir werden deshalb im historischen Gebäude den Keller und zwei brachliegende Ebenen des Dachgeschosses ausbauen, ohne dass die vorhandene Architektur gestört wird. Von ganz oben bekommt man dann zum Beispiel einen Blick in alle Himmelsrichtungen über ganz Görlitz - eine Attraktion, die man früher nicht in Betracht gezogen hatte. 

Darüber hinaus können wir das bisher als „City-Center“ bezeichnete Gebäude einbeziehen und ebenfalls ertüchtigen. Wir nennen es jetzt „Marktzentrum“, wir leben in Deutschland. Zusammengenommen kommen wir dann auf 20.000 Quadratmeter. Damit werden wir konkurrenz- und existenzfähig.

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Moderne Anforderungen ans Kaufhaus sind andere als vor 100 Jahren

Als vor hundert Jahren das Görlitzer Warenhaus "Zum Strauß" erbaut wurde, war das Automobil gerade erst erfunden, und für ein Parkhaus gab es noch keinen Bedarf. Und die Lieferanten konnten ihre Produkte direkt vor dem Gebäude abladen. Ein modernes Warenhaus kommt aber ohne ausreichend große Zufahrten und Parkflächen nicht aus. In vielen Innenstädten sind die früheren Konsumtempel verschwunden, weil in der Peripherie Kaufzentren entstanden sind, die verkehrstechnisch leichter zugänglich sind. Man kann mit dem Auto bis vor die Tür der modernen Märkte fahren und bekommt ein riesiges Spektrum an Waren angeboten.

Um diese Gebäude geht es (von links): C & A-Kaufhaus, zurückversetzt das heutige Parkhaus mit Einfahrten für Autos und Lkws, daneben hinter den Bäumen versteckt die beiden Stadtvillen, die abgerissen werden sollen. Blick von der Görlitzer Post.
Um diese Gebäude geht es (von links): C & A-Kaufhaus, zurückversetzt das heutige Parkhaus mit Einfahrten für Autos und Lkws, daneben hinter den Bäumen versteckt die beiden Stadtvillen, die abgerissen werden sollen. Blick von der Görlitzer Post. © André Schulze

Der Görlitzer Komplex aus Kaufhaus und Marktzentrum setzt daher ein gut funktionierendes Parkhaus und eine gut dimensionierte Lieferzone voraus. Was da heute existiert, war für das bisherige City-Center schlecht geplant und gebaut, es genügt bei weitem nicht dem Gesamtvorhaben. Denn sobald das historische Kaufhaus wieder in Betrieb ist, wird der Verkehr deutlich zunehmen. Auch alle anderen Geschäfte der Innenstadt werden vom zusätzlichen Parkplatz-Angebot profitieren.

Und die Lieferzone muss unter die Erde, dass niemand durch den Ladeverkehr gestört wird. Die Zufahrt für Lieferwagen und Pkw ist verkehrstechnisch den Gegebenheiten anzupassen, wie es auch ein durch die Stadt in Auftrag gegebenes Verkehrsgutachten zeigt. Die Parkplätze sollen ungehindert und komfortabel erreicht werden können, mit den Ein- und Ausfahrten geradeaus auf die zuführende Straße, ohne Winkel und Ecken, ohne quetschende Enge und ohne Gefährdung des Verkehrs.

Eine historische Ansicht vom August 1986 zeigt die historische Bebauung am Postplatz. Links: Gaststätte "Taverne" (heute Teil von C & A), daneben - hinter der Straßenbahn - eine Tankstelle und drei Gebäude versetzt nach hinten. Eines musste dem Parkhaus w
Eine historische Ansicht vom August 1986 zeigt die historische Bebauung am Postplatz. Links: Gaststätte "Taverne" (heute Teil von C & A), daneben - hinter der Straßenbahn - eine Tankstelle und drei Gebäude versetzt nach hinten. Eines musste dem Parkhaus w © Foto: Rolf Ullmann

Um einen geordneten Liefer- und Parkverkehr überhaupt verwirklichen zu können, habe ich die Grundstücke Postplatz 5 und 6 erworben, nicht um der Stadt Görlitz zwei weitere Denkmäler zu bewahren, von denen eines abbruchreif und das andere mindestens in einem schlechten Zustand ist. Auf diese Häuser muss der Denkmalschutz verzichten und über seinen Schatten springen, an diese Stelle gehören die Zufahrten, es geht bei den engen Verhältnissen der Innenstadt gar nicht anders, es gibt keine Alternative. Und die Flächen dahinter brauchen wir dringend für zusätzliche Stellplätze in mehreren Ebenen.

Ein Blick auf den Komplex des City-Centers: neben der Kirche das eigentliche City-Center, vorn das C & A-Kaufhaus, rechts das Parkhaus.
Ein Blick auf den Komplex des City-Centers: neben der Kirche das eigentliche City-Center, vorn das C & A-Kaufhaus, rechts das Parkhaus. © André Schulze

Das Wilhelmstheater wurde auch schon abgerissen

Ich erinnere daran, dass die Stadt Görlitz vor wenigen Jahren dem Kommerz ein Gebäude von weitaus größerer historischer Bedeutung geopfert hat: Ein nach Kaiser Wilhelm I. benanntes Theater, laut Wikipedia am 26. Mai 1889 eröffnet, und für 2.000 Zuschauer. Der Wilhelmsbau wurde 2001 abgerissen, um dem City-Center Platz zu machen, einem von der Außenansicht architektonisch zwar sehr ansprechenden Gebäude, das sich aber bescheiden im Hintergrund hält, im Schatten des großen Kaufhausgebäudes, mit einem noch sehr unvollständigen Warenangebot und viel ungenutzter Fläche.

Der großartige Palast war ein wenig heruntergekommen, ähnlich den beiden Häusern, die man jetzt so gern erhalten will. Man muss nicht jeden Frevel wiederholen, aber im Vergleich zu dem kaiserlichen Prachtbau verbrauchen wir weniger als fünf Prozent historische Bausubstanz, und wir schaffen die unabdingbare Voraussetzung für eine Wiederbelebung des altehrwürdigen historischen Görlitzer Kaufhauses, wodurch sogar das City-Center aufgewertet werden wird.

So sah zuletzt das Wilhelmstheater aus, das als Karl-Marx-Klubhaus durch die DDR gekommen war. Es musste dem City-Center Platz machen.
So sah zuletzt das Wilhelmstheater aus, das als Karl-Marx-Klubhaus durch die DDR gekommen war. Es musste dem City-Center Platz machen. © Archivfoto: ZB

Wir machen den Verlust der Villen wieder gut

Auch wir haben Respekt vor den Bauwerken der vergangenen Generationen und haben Gefallen an diesen beiden Häusern am Postplatz, selbst wenn sie einst städtebaulich zu weit hinten errichtet worden sind, die Front zur Straße hin hätte geschlossen bleiben müssen. Und diesen Teil des Postplatzes kann man zurzeit nur als trostlos bezeichnen, niemand hält sich da gerne auf.

Wir werden den Verlust wieder wettmachen und in die bis an die Straße reichende Front des neuen Parkhauses ein paar kleine Ladengeschäfte integrieren, so dass der Bereich etwas attraktiver wird und sich belebt. Und gleich in der Nähe haben wir einen Altbau zu einem modernen Modehaus (am Postplatz) rekonstruiert und für die nächsten hundert Jahre schick gemacht.

Ich erkläre klipp und klar: Sollte sich Görlitz hier querstellen, werde ich mein Engagement in dieser Stadt beenden. Dann wird in 20 Jahren das historische Kaufhaus vielleicht aussehen, wie das abbruchreife der beiden Häuser, das mir ein Spekulant teuer verkauft hat.

Nachdem die Plakate an den beiden Stadtvillen abgenommen werden mussten, mit denen gegen deren Abriss durch den Eigentümer des Görlitzer Kaufhauses, Winfried Stöcker, protestiert wurde, findet sich nun dieses Transparent an einem stark sanierungsbedürftig
Nachdem die Plakate an den beiden Stadtvillen abgenommen werden mussten, mit denen gegen deren Abriss durch den Eigentümer des Görlitzer Kaufhauses, Winfried Stöcker, protestiert wurde, findet sich nun dieses Transparent an einem stark sanierungsbedürftig © Sebastian Beutler

Keine Kompromisse, die zu schlechten Lösungen führen

Und ich werde auch im Altbau keine Fenster mit völlig unzureichender Wärmedämmung einbauen lassen - wir haben zwei Musterfenster hergestellt, die vom Aspekt her den historischen Fenstern aufs Haar gleichen, aber modernen ökologischen Anforderungen gerecht werden. Eine in den Details sorgfältig ausgeführte Meisterleistung des regionalen Fensterbaus. Die Görlitzer Denkmalschützer wollten bei der letzten Besichtigung die beiden Musterfenster gleich wieder zurückgetauscht haben. Irgendwo hört der Spaß auf.

Der Bebauungsplan sieht vor, dass wir zum Nachbargebäude im Bereich über der geplanten Lkw-Zufahrt einen gewissen Abstand einhalten. Es erscheint mir dringend geboten, an dieser Stelle von der Regel abzuweichen und das Parkhaus auch in den oberen Etagen bis an das Nachbargebäude heranrücken zu lassen, dann könnten wir zur Entlastung der Innenstadt mit 100 zusätzlichen Parkplätzen beitragen. Man überlege sich, ob eine städtebauliche Vorschrift schwerer wiegt als der Nutzen für die Allgemeinheit. Anderswo wird die Vorschrift bestimmt einen Sinn haben, hier vielleicht nicht. Das Nachbarhaus hat an dieser Seite eine fensterlose geschlossene Fassade, die wir bei Bedarf akustisch entkoppeln würden.

Dieses Haus am Postplatz sanierte Winfried Stöcker und betreibt seitdem ein Modehaus darin.
Dieses Haus am Postplatz sanierte Winfried Stöcker und betreibt seitdem ein Modehaus darin. © Pawel Sosnowski/pawelsosnowski.c

"Ich setze auf Qualität und Verantwortung"

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Man kann sich mancherorts meine Bauprojekte ansehen, sie zeugen von Qualität und Verantwortungsbewusstsein, etwa unser Modehaus auf der Görlitzer Jakobstraße, einen Gasthof und Fabriken in Bernstadt, Rennersdorf und an einigen anderen Orten der Welt. In den von mir maßgeblich gestalteten Gebäuden haben mehrere tausend Menschen in einer anspruchsvollen Umgebung Arbeit gefunden, so in Lübeck, Groß Grönau, Dassow, Selmsdorf, Peking, Tianjin, Hangzhou, New Jersey, in Kanada und Brasilien. Meine Perspektiven sind langfristig, und ich mache keine halben Sachen. Davon werde ich auch in Görlitz nicht abweichen.

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