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Warum Reichenbacher ihre Stadt mögen

Die Ruhe, wenig Verkehr und freundliche Nachbarn werden gelobt. Doch es gibt auch Wünsche und Kritik.

Das Freibad ist den Reichenbachern lieb. Die Stadt leistet es sich, auch wenn es teuer ist. Die schöne Anlage bietet im Sommer viel Freizeitspaß.
Das Freibad ist den Reichenbachern lieb. Die Stadt leistet es sich, auch wenn es teuer ist. Die schöne Anlage bietet im Sommer viel Freizeitspaß. © André Schulze

Die Menschen in Reichenbach/OL fühlen sich wohl in ihrer kleinen Stadt. Mit einer Schulnote von 2,21 weichen die Reichenbacher allerdings vom sächsischen Wohlfühl-Durchschnitt von 1,73 ab.

Das ergab die SZ-Umfrage beim Familienkompass, an dem sich auch Menschen aus Reichenbach, Dittmannsdorf, Zoblitz, Meuselwitz, Mengelsdorf und Sohland mit den jeweils dazugehörigen Ortsteilen beteiligten. Reichlich 5.000 Einwohner zählt Reichenbach insgesamt. Es gibt mehrere Gaststätten und gute Einkaufsmöglichkeiten für Waren des täglichen Bedarfs. Drei Gewerbegebiete geben auch vielen Reichenbachern Arbeit. Kinder werden in drei Kitas betreut. Es gibt eine Grund- und eine Oberschule sowie eine Stadtbibliothek. Vereine unterbreiten ihre Angebote. Evangelische und katholische Kirche sind im gesellschaftlichen Leben der Stadt und seiner Ortsteile fest verwurzelt.

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Die wenigsten wollen weg

Die Mehrzahl der Einwohner möchte nicht wegziehen, wenngleich längst nicht alles so ist, wie es sich die Einwohner wünschen. Das ergab der Familienkompass. Wenig optimistisch sind viele Reichenbacher, was die Zukunft ihrer Kinder vor Ort angeht. Viele wünschen sich besseren Lohn für ihre Arbeit. Wie in beinahe allen Städten und Gemeinden sind die Reichenbacher unzufrieden, was die Zahl an Haus- und Fachärzten angeht. Zu lange müsse man auf Termine warten. Die Wege zu Fachärzten sind oft sehr lang. 

Doch die geringe Verkehrsbelastung, wenig Verkehrslärm, ein schönes, ruhiges Wohnumfeld, niedrige Wohnkosten, sehr freundliche Nachbarn, gute Qualität der Kita-Betreuung und mehr führen offensichtlich dazu, dass im Familienkompass reichlich 65 Prozent der Umfrageteilnehmer sagen, sie fühlen sich wohl in Reichenbach. Warum das so ist und welche dringenden Wünsche Reichenbacher haben, stellte die SZ in einer kleinen Umfrage fest.

Ohne Auto geht nichts

Jana Gebhardt lebt im Reichenbacher Ortsteil Mengelsdorf. Sie ist 43 Jahre alt. Sie sagt:  „Ich fühle mich sehr wohl in meiner Heimat, obwohl ich ursprünglich aus Groß Krauscha stamme. Ich bin der Liebe wegen nach Mengelsdorf gezogen. Mein Mann und ich haben hier ein Haus gekauft und ausgebaut. Das bietet unserer Familie mit zwei Kindern genügend Platz. Ich schätze besonders, dass wir mitten im Grünen wohnen und viel Ruhe haben. Die Busverbindungen reichen für uns aus, und für den Einkauf gibt es in Reichenbach genügend Möglichkeiten, Waren des täglichen Bedarfs zu finden. Aber ein Auto brauchen wir auf dem Land unbedingt.“

Jana Gebhardt aus Mengelsdorf.
Jana Gebhardt aus Mengelsdorf. ©  Foto: Gabriela Lachnit

Am Stadtbild ist noch viel zu tun

Ingolf Harder ist 64 Jahre alt und lebt direkt in Reichenbach. Er erklärt: „Ursprünglich bin ich Görlitzer. In Reichenbach habe ich ein Haus gebaut. Es gefällt mir in der ländlichen Gegend, vor allem die Ruhe schätze ich. Doch ich habe auch Kritik: Es müsste mehr für das Erscheinungsbild der Stadt getan werden, es gibt noch zu viele unsanierte Häuser. Der Leerstand von vielen Läden am Markt stört mich. Das ist doch kein gutes Aushängeschild, wenn der beste Platz in der Stadt leer ist. Wir haben zwar ein schönes Freibad, aber seit der Enkel allein dort hingehen kann, nutze ich es kaum. Dafür umso mehr mein Auto, ohne das würde das Leben hier nicht funktionieren.“

Ingolf Harder wohnt direkt in Reichenbach.
Ingolf Harder wohnt direkt in Reichenbach. © Foto: Gabriela Lachnit

Radwege wären schön

Evelin Heinrich ist 64. Die Rentnerin wohnt in Mengelsdorf. Sie erzählt: „Ich bin hier geboren und ging auch hier zur Schule. Wegzugehen, daran habe ich eigentlich nie gedacht. Wir haben jetzt zudem das große Glück, dass unsere komplette Familie in der Nähe lebt. Wir haben ein Grundstück und die Enkel direkt nebenan. Solange ich noch Auto fahren kann, ist alles gut, denn Einkaufsmöglichkeiten gibt es in Reichenbach genug. Einen großen Wunsch habe ich allerdings: Es könnte mehr Radwege geben. Ich fahre gern und oft mit dem Rad, aber auf den Hauptstraßen herrscht viel Verkehr. Da ist oft auch ein ungutes Gefühl beim Radeln dabei.“

Evelin Heinrich wurde schon in Reichenbach geboren. Seitdem lebt sie hier.
Evelin Heinrich wurde schon in Reichenbach geboren. Seitdem lebt sie hier. ©  Foto: Gabriela Lachnit
Die Reichenbacher sehen die Lage etwas  schlechter als die Sachsen insgesamt.
Die Reichenbacher sehen die Lage etwas  schlechter als die Sachsen insgesamt. © SZ Grafik
An der Qualität des Schulessens muss wohl noch gearbeitet werden.
An der Qualität des Schulessens muss wohl noch gearbeitet werden. © SZ Grafik
Mit der Bezahlung ihrer Arbeit sind Reichenbacher unzufrieden.
Mit der Bezahlung ihrer Arbeit sind Reichenbacher unzufrieden. © SZ Grafik
Trotz des schönen Freibads wünschen sich die Einwohner mehr Freizeitmöglichkeiten.
Trotz des schönen Freibads wünschen sich die Einwohner mehr Freizeitmöglichkeiten. © SZ Grafik
Der Ärztemangel macht auch um Reichenbach keinen Bogen.
Der Ärztemangel macht auch um Reichenbach keinen Bogen. © SZ Grafik
Die Betreuung in den Kitas ist gut, nur mit den Öffnungszeiten hapert es.
Die Betreuung in den Kitas ist gut, nur mit den Öffnungszeiten hapert es. © SZ Grafik
Bessere Spielplätze würden vielleicht auch für mehr Zufriedenheit bei der Freizeitgestaltung sorgen.
Bessere Spielplätze würden vielleicht auch für mehr Zufriedenheit bei der Freizeitgestaltung sorgen. © SZ Grafik

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