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Flagge zeigen gegen Hundekot

Nicht nur in der Stadt ein Problem: Warum sich Anwohner und auch Landwirte in Markersdorf über Tretminen ärgern.

Das stinkt den Leuten: Hundekot in Markersdorf. Von wem die Fähnchen stammen, wollte der SZ niemand verraten.
Das stinkt den Leuten: Hundekot in Markersdorf. Von wem die Fähnchen stammen, wollte der SZ niemand verraten. © Constanze Junghanß

Stramm trotzen die Fähnchen Wind und Wetter. Die kleinen Banner sind unübersehbar. Signalrot leuchten sie auf einer mehrere Meter langen Strecke an der Feldstraße schräg gegenüber des Containerstandorts in Gersdorf. Ein Achtungszeichen: Die Spitzen der Minifahnen stecken tief in den Tretminen am Straßenrand. Reintappen soll da offenbar niemand.

Die braunen Ekelhaufen seien ein Problem auf dem Dorf, berichtet Dieter Deutschmann. Der ehemalige Ortsvorsteher ärgert sich: „Das ist doch nicht mehr normal“, sagt er und bezieht sich auf die Masse des Hundekots im Dorf. Da ein Haufen, dort ein Haufen: Mittlerweile würden selbst auf dem Asphalt und damit direkt auf den Straßen immer wieder stinkende Hinterlassenschaften der Vierbeiner gesichtet. Das mit den Tretminen habe enorm zugenommen, sagt Dieter Deutschmann. Ins Amtsblatt der Gemeinde Markersdorf will er deshalb dazu einen Beitrag schreiben.

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Hundetoilette in Eigeninitiative errichtet

Die Idee mit den knallroten Minifahnen finden er und seine Frau Gisela auch super. Das zeige, den Einwohnern ist das Problem durchaus bewusst und sie würden dagegen vorgehen wollen. Doch wer die Fähnchen platzierte, kann er nicht sagen. Ein Gersdorfer Landwirt, der anonym bleiben möchte, ärgert sich ebenfalls sehr. Die Kothaufen würden seinen Feldern schaden.

Er hat bereits ein Schild organisiert. Darauf steht: „Hier wachsen hochwertige Lebensmittel. Wiesen und Felder sind kein Hundeklo.“ Darunter abgebildet ist ein Essteller, in dessen Mitte ein unappetitlicher Haufen liegt. Aufgestellt hat er es noch nicht.

Allerdings in Eigeninitiative eine Hundetoilette errichtet. Da können Beutel zur Beräumung der Hinterlassenschaften abgezogen werden. Nutzen würde das jedoch kaum jemand bisher, bedauert der junge Mann. Stattdessen zeigt er neben den Aufsteller mit den Tüten: Da liegt direkt an der Hundetoilette ein Haufen – bespickt mit roter Fahne. Auch er kann nicht sagen, wer die Fähnchen-Idee ins Dorf geholt hat. Hundetoiletten gibt es ebenfalls bereits am Teich in Holtendorf und am Aussichtspunkt in Jauernick-Buschbach.

Die Besitzer sind in der Pflicht

Dass Hundekot auf landwirtschaftlichen Flächen in der Tat ein Problem ist, bestätigt auch Eric Krems, Geschäftsführer vom Oberlausitzer Bauernverband. Problem beispielsweise seien mögliche Parasiten im Hundekot, die auf die Kühe übergehen könnten, wenn die mit Kot verunreinigtes Futter fressen. Schlimmstenfalls könne dann deren Fleisch nicht mehr verwertet werden. „In der Silage sterben die Parasiten nicht ab“, erklärt Eric Krems. Außerdem sind die Felder, auf denen Getreide, Hülsenfrüchte, Kartoffeln und andere Nahrungsmittel wachsen, Produktionsflächen.

„Kot im Brot dürfte für niemanden ein guter Gedanke sein“, bringt es der Bauernverbandschef auf den Punkt. Hunde hätten auf den Anbauflächen jedenfalls nichts zu suchen. Ein anderes Problem sei außerdem, dass unangeleinte Hunde schon so manches Mal Rehkitze oder Hasen aus den Feldern aufscheuchten. Gegen Hunde hat Eric Krems keinesfalls etwas, wie er beteuert. Aber im Feld habe ein Hund nichts verloren. Aufgabe des Besitzers sei es, da entsprechend aufzupassen.

Ein Landwirt hat in Gersdorf einen Spender für Hundekotbeutel aufgestellt. Genutzt hat das bisher nichts.
Ein Landwirt hat in Gersdorf einen Spender für Hundekotbeutel aufgestellt. Genutzt hat das bisher nichts. © Constanze Junghanß
Gegenüber den Glascontainern an der Feldstraße stecken mehr als 20 rote Fahnen in der Erde. Vorsicht Tretminen! soll das wohl heißen.
Gegenüber den Glascontainern an der Feldstraße stecken mehr als 20 rote Fahnen in der Erde. Vorsicht Tretminen! soll das wohl heißen. © Constanze Junghanß
Auch in Reichenbach ärgern sich Anwohner über die braunen Haufen. Schon seit Jahren weist der Schriftzug darauf hin, dass der Grünstreifen vor den Garagen kein Hundeklo ist.
Auch in Reichenbach ärgern sich Anwohner über die braunen Haufen. Schon seit Jahren weist der Schriftzug darauf hin, dass der Grünstreifen vor den Garagen kein Hundeklo ist. © Constanze Junghanß

Die Vierbeiner gelten als beliebtes Haustier und Freund des Menschen. Auch in Markersdorf hält rein rechnerisch betrachtet etwa jeder zehnte Einwohner einen Hund. Auf 3895 Einwohner in allen sieben Ortsteilen kommen rund 350 Hunde, die bei der Gemeinde offiziell angemeldet sind.

„Allgemein übergreifende Probleme gibt es noch nicht“, sagt Bürgermeister Thomas Knack in Bezug auf herumliegende Tretminen. Das werde jedoch in Einzelfällen von den Bürgern sehr unterschiedlich wahrgenommen. „Viel ärgerlicher ist der Umstand, dass oft zwar Kot-Tüten benutzt werden, diese dann aber einfach weggeworfen werden“, so der Bürgermeister. Momentan setzt die Gemeinde auf Bitten und Aufklärungsarbeit durch die Kommune, die Ortschafträte und durch wachsame Bürger. Ein Thema für das Ordnungsamt sei das Ganze in Markersdorf aktuell nicht. „Ich vertrete jedoch noch die Meinung, dass das vorrangig ein Problem in Städten und baulichen Zentren ist“, schätzt der Bürgermeister ein. Nicht alle Einwohner können dem offenbar zustimmen. Christine Müller aus Jauernick-Buschbach beispielsweise ärgert sich über die Kotflatschen an ihrem Grundstück. Der Randstreifen an ihrem Haus sei Eigentum der Gemeinde. Selbstverständlich machten sie und ihr Mann da auch sauber. Wenn – wie des öfteren schon erlebt – das Gras vollgekotet ist, sei das eine eklige Angelegenheit.

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