merken
PLUS Görlitz

Zu teuer: Bus-Anbieter gibt Standplatz zurück

Unternehmer sind unzufrieden. Die Stadt Görlitz schreibt Plätze neu aus. Ist ihr Stadtrundfahrten-Konzept gescheitert?

Hans-Ulrich Koinzer und sein Oldtimer-Bus haben ihren Standplatz geräumt.
Hans-Ulrich Koinzer und sein Oldtimer-Bus haben ihren Standplatz geräumt. © SZ-Archiv

Der urige Oldtimerbus ist vom Obermarkt verschwunden. „Ja, ich habe meinen Standplatz vor dem Napoleonhaus zurückgegeben und die öffentlichen Stadtrundfahrten eingestellt“, bestätigt Anbieter Hans-Ulrich Koinzer, dem der Bus gehört. Er sehe nicht ein, dass er nach 17 kostenlosen Jahren nun plötzlich 630 Euro pro Monat für einen Standplatz bezahlen soll.

Im Juli habe er das einen Monat lang probiert, aber es habe nicht funktioniert: „Der Platz ist teuer, beim Oldtimerbus kommen zudem immer mal hohe Reparatur- und Ersatzteilkosten hinzu.“ Das könne er mit seinen Rundfahrten nicht einspielen: „Voriges Jahr waren viele Touristen in der Stadt, aber dieses Jahr sind es nur 50 Prozent vom Vorjahr“, sagt Koinzer. Teilweise sei er mit nur vier Fahrgästen unterwegs gewesen: „Das geht nicht bei solchen Preisen.“ Das neue Standplatz-Konzept der Stadt sei „absolut schief gelaufen“.

Berufsakademie Bautzen
Mit hoher Erfolgsquote studieren
Mit hoher Erfolgsquote studieren

Dual. Selbstbestimmt. Chancengerecht. Nachhaltig. Zukunftssicher. Die BA Bautzen bietet optimale Studienbedingungen mit starker Praxisorientierung. Informieren Sie sich hier über das vielfältige Studienangebot.

Koinzer ist nicht der Einzige, der das so sieht. Stefan Menzel, der mit zwei großen roten Görliwood-Bussen und drei blauen Kleinbussen fährt, bestätigt, dass dieses Jahr weniger Touristen in der Stadt sind als voriges Jahr. Er hatte bei der Ausschreibung den Zuschlag für die beiden größten Standplätze erhalten: Vor der Dreifaltigkeitskirche und vor der Staatsanwaltschaft. „Die Stellplätze sind nicht pauschal zu teuer“, sagt er. Stattdessen hätten bei der Ausschreibung aber Größe und Lage des Platzes beachtet werden müssen. Mit kleinen Bussen lasse sich viel weniger Geld einspielen als mit Großen. Die Personalkosten seien immer gleich, aber für die Großen lassen sich viel mehr Tickets verkaufen.

Touristen-Busse hat Görlitz eine ganze Menge zu bieten, zum Beispiel die roten Görliwood-Busse von Stefan Menzel. In vielen Fragen sind sich die Betreiber uneins, das Standplatz-Konzept der Stadt sorgt bei keinem für Begeisterung.
Touristen-Busse hat Görlitz eine ganze Menge zu bieten, zum Beispiel die roten Görliwood-Busse von Stefan Menzel. In vielen Fragen sind sich die Betreiber uneins, das Standplatz-Konzept der Stadt sorgt bei keinem für Begeisterung. © Paul Glaser/glaserfotografie.de

Sein Konkurrent Ingo Menzel vom Stadtschleicher sieht das ähnlich: „Die Gebühren sind viel zu hoch, damit werden nur die Kleinen plattgemacht.“ Er selbst nutzt dieses Jahr zwei Plätze: Vor seinem Büro am Reichenbacher Turm hat er eine kostenfreie Linienbus-Haltestelle genehmigt bekommen, am Napoleonhaus hält er auf dem Platz, für den die Salis-Salzgrotte den Zuschlag erhalten hatte. „Aber Salis fährt aus Kostengründen nicht von der Haltestelle, sondern nur noch auf Bestellung“, so Menzel. Er hat mit Salis einen Untermietvertrag geschlossen, um diesen Platz nutzen zu können. Die Saison laufe gut, sagt Menzel: „Und das an beiden Plätzen, wir können uns nicht beschweren.“

Als dieses Bild entstand, durfte der Stadtschleicher-Bus noch vor der Dreifaltigkeitskirche stehen. Doch diese Zeiten sind vorbei.
Als dieses Bild entstand, durfte der Stadtschleicher-Bus noch vor der Dreifaltigkeitskirche stehen. Doch diese Zeiten sind vorbei. © André Schulze

Konkurrent Stefan Menzel sagt: „Der Platz vor der Dreifaltigkeitskirche ist sein Geld wert, der vor der Staatsanwaltschaft nicht.“ Nur bei Ersterem gebe es viel Laufkundschaft: „Aber beide Plätze sind nur stumpf nach Fläche berechnet.“

2021 ist nur ein Testjahr

Der Stadtrat, der die Plätze und Gebühren im Frühling festgelegt hatte, sieht 2021 als Testjahr. Ausschreibung und Gebühren gelten nur dieses Jahr, danach soll geschaut werden, was funktioniert – und was nicht. Weil die Gebührenordnung für dieses Jahr beschlossen ist, greift die Stadt jetzt auch nicht mehr ein. Auch nicht bei der Neuausschreibung, die derzeit läuft.

Neuausschreibung heißt: Bis 13. September können sich Anbieter auf den frei gewordenen Standplatz von Koinzer vor dem Napoleonhaus bewerben. Gleichzeitig sind auch Bewerbungen auf all jene Plätze möglich, für die sich bei der ersten Ausschreibung im Frühling niemand interessiert hatte. Das sind zwei Plätze für Elektroautos auf der Fleischerstraße sowie Plätze für Pferdekutschen vor dem Kaisertrutz. Es geht nur um sechs Wochen: Der Zeitraum der Sondernutzung beginnt am 20. September und endet am 31. Oktober.

Kutscher haben plötzlich Interesse

Die Stadt erhofft sich von der Neuausschreibung – trotz des kurzen Zeitraumes – einen Erfolg. „Es gibt Interesse von Kutschern“, sagt Frank Elmenthaler von der Straßenverkehrsbehörde. Zudem sei ein Anbieter mit einem Elektrofahrzeug neu auf dem Markt, der ebenfalls Interesse angezeigt habe. Er kann sich jetzt auf den Obermarkt und auf die Fleischerstraße bewerben. Ingo Menzel kündigt auf SZ-Nachfrage an, sich auf den Koinzer-Platz am Obermarkt bewerben zu wollen – trotz der hohen Gebühren: „Wir müssen ja Geld verdienen.“ Stefan Menzel hingegen schließt eine Bewerbung auf einen der freien Plätze aus.

Bei den touristisch eher schwachen Monaten November und Dezember zeigt sich die Stadt offen für Anbieter, die keine kompletten Monate bezahlen, aber Einzelfahrten durchführen wollen, beispielsweise für Weihnachtsrundfahrten. Dafür wird es Lösungen geben, verspricht Elmenthaler. Für das nächste Jahr hingegen muss der Stadtrat komplett neu entscheiden.

Gebühren sorgen nicht für Freude

Und wie sieht die Stadt die Situation generell? Ist ihr Stadtrundfahrten-Konzept gescheitert? „Die Höhe der Gebühren sorgt tatsächlich für keine Begeisterung, aber darüber hinaus habe ich nichts Positives oder Negatives gehört“, sagt Elmenthaler. Vom Hörensagen wisse er aber, dass sich Anbieter untereinander bekriegen.

Doch zumindest das Problem, dass Anbieter auf Plätzen stehen, die ihnen gar nicht gehören, habe sich inzwischen erledigt. Das bestätigt sowohl Elmenthaler als auch Marek Eberhardt vom Ordnungsamt. „Das waren Startschwierigkeiten, aber in letzter Zeit gab es da keine Beschwerden mehr“, so Eberhardt. Deshalb verhängte Bußgelder seien ihm nicht bekannt.

Auch Hans-Ulrich Koinzer hat derweil für sich eine Lösung gefunden: „Ich fahre jetzt ausschließlich Bestell- und Sonderfahrten ab acht Personen.“ Dafür brauche er keinen festen Stellplatz: „Die Kunden finden mich über das Internet oder sie kennen mich bereits.“ Er hofft, dass die Gebühren nächstes Jahr wieder sinken, sodass er dann wieder regelmäßiger fahren kann.

Mehr zum Thema Görlitz