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Geplanter Millionensportplatz sorgt für Kritik

Die Förderung ist hoch und die Planungen auf den Weg gebracht: Doch nun regt sich von Anwohnern und Sportlern Unmut. Reichenbach macht bereits jetzt Abstriche.

Hinter die Grundschule (rechts im Bild) soll der neue Sportplatz auf die Wiese, die bereits jetzt als Sportplatz genutzt wird. Unweit davon befinden sich private Wohnhäuser. Einige Anwohner fürchten künftige Lärmbelästigungen.
Hinter die Grundschule (rechts im Bild) soll der neue Sportplatz auf die Wiese, die bereits jetzt als Sportplatz genutzt wird. Unweit davon befinden sich private Wohnhäuser. Einige Anwohner fürchten künftige Lärmbelästigungen. © Constanze Junghanß

Der geplante Neubau des Reichenbacher Sportplatzes, für den der Bund rund 2,5 Millionen Euro Fördermittel locker macht, stößt in der Kleinstadt nicht auf ungeteilte Zustimmung. Manche Anwohner befürchten vor allem Lärmbeeinträchtigungen, wenn der Platz in Betrieb genommen wird.

Der Sportplatz soll hinter der Grundschule gebaut werden. Er ist nicht nur für die jüngeren Kindern, sondern auch als künftiger Sportplatz für die Oberschule und den Sportverein gedacht. Im Stadtrat regte Uwe Thomas (URBI) an, eine Einwohnerversammlung anzuberaumen. Doch nicht nur Anwohner sehen ein Problem. Peter Schilling, Vize-Präsident des Sportvereins, kritisiert: „Wir sind in die Vorplanungen nicht mit einbezogen worden.“ Standpunkt der Sportler sei, dass die Fußballer im Erwachsenen-Bereich den Platz „nicht nutzen werden.“

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Bedenken wegen Lärm und Einschränkungen

Bedenken gebe es unter anderem wegen Lärm und befürchteten Einschränkungen der Spielzeiten. Der Verein hat sein Domizil am Stadtrand an der Paulsdorfer Straße hinter einer Kleingartenanlage. Bei Trainingseinheiten am Abend würde zudem durch das Flutlicht „ganz Süd-Reichenbach ausgeleuchtet“, so Peter Schilling. Die Sportler wollen ihren alten Sportplatz behalten. Ein neuer Pachtvertrag, der mit der Stadt gemacht werden sollte, kam aber nach Angaben Schillings noch nicht zustande. „Wir wissen nicht, welche zusätzliche Kosten da auf uns zukommen“, begründet der Trainer, dass der Verein den Pachtvertrag noch nicht unterzeichnete. Ungewiss sei außerdem, ob für den Vereins-Kindersport der Platz in Frage käme. Es sei nicht geklärt, welche Miete da für den Sportverein anfalle und wie hoch die Wartungskosten sind.

Offenbar besteht also noch viel Gesprächsbedarf, bevor die Arbeiten zu dem Projekt starten. Der Reichenbacher Stadtrat einigte sich darauf, im September die Anwohner zu einem Vor-Ort-Gespräch mit anschließender Informationsrunde Mitte September einzuladen und Bedenken möglichst aus dem Weg zu räumen.

Millionen sind noch nicht da

Ungeachtet dessen muss die Kommune als nächsten Schritt den Fördermittelantrag erarbeiten. Eingereicht wurde bisher lediglich eine Projektskizze, auf deren Grundlage der Bund die Fördermittel für den Sportplatz genehmigte. Die Millionenfinanzspritze kann die Stadt noch nicht auf dem Konto verbuchen. Bis zum Ende der dritten Augustwoche hat Reichenbach Zeit, den Antrag einzureichen – inklusive der Bescheinigung, dass sich die Stadt in einer Haushaltsnotlage befindet. Denn dadurch beträgt die Förderung 90 Prozent. Üblich sind 55 Prozent Förderung für solche Projekte.

Ob es eine solche Chance noch einmal geben würde, ist fraglich. Für den Schulstandort Reichenbach ist der neue Sportplatz wichtig, wurde im Stadtrat betont. Der alte Platz hinter der Grundschule ist marode, die Oberschule hat auf ihrem Gelände keinen Sportplatz.

Energiegewinnung für Grundschule nicht möglich

Wobei Reichenbach bereits jetzt Abstriche macht, wie im Stadtrat klar wurde. War anfangs noch davon die Rede, dass künftig Grundschule, Vereinsheim und Sporthalle vollständig durch erneuerbare Energien versorgt werden, wird da nun ein stückweit zurück gerudert. Das machte Bürgermeisterin Carina Dittrich deutlich. Die Stromversorgung sollte mit Hilfe von Photovoltaik auf den Dachflächen und dem Dach einer Zuschauertribüne passieren. „Aus den Flächen Energie zu gewinnen, ist für die Grundschule nicht möglich – vielleicht für die Turnhalle und das Sportlerheim“, so die Bürgermeisterin. Das Vereinsheim soll ebenfalls auf dem Grundschulgelände gebaut werden.

280 000 Euro benötigt die Stadt an Eigenmitteln. Da Reichenbach noch keine Haushaltssatzung hat, musste sich der Stadtrat nun entscheiden, ob die Kommune am neuen Sportplatz festhält und diese Gelder aufbringt. Seit Juni steht fest, dass die Millionenförderung vom Bund auch nicht auf einen Schlag, sondern in Jahresraten ausgezahlt wird. Der Stadtrat setzt sich für den Sportplatz ein.

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Bis auf die beiden CDU-Räte, die sich der Stimme enthielten, stimmten alle Fraktionen dem Grundsatzbeschluss und der damit verbundenen Bereitstellung der Eigenmittel zu. Allein die Planungsleistungen kosten fast 340 000 Euro – aufgeschlüsselt in die Planungen der Freianlagen mit 184 450 Euro, für die Gebäude und Tragwerksplanung rund 63 000 Euro und die Planung der technischen Anlagen mit 91 630 Euro. Der Stadtrat hat diese Leistungen jetzt an Planungsbüros vergeben und damit den Neubau auf den Weg gebracht.

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