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Freud und Leid für die Retter am Berzdorfer See

Die neue Rettungsstation am Nordstrand, weiterhin großer Ärger um die Poller und ein tödlicher Badeunfall: Der Sommer am Berzi hatte Höhen und Tiefen.

Übung des DRK-Teams der Rettungsstation am Nordstrand des Berzdorfer Sees bei Görlitz. Dargestellt sind Filmaufnahmen der Björn-Steiger-Stiftung für einen Beitrag zum Thema Ehrenamt.
Übung des DRK-Teams der Rettungsstation am Nordstrand des Berzdorfer Sees bei Görlitz. Dargestellt sind Filmaufnahmen der Björn-Steiger-Stiftung für einen Beitrag zum Thema Ehrenamt. © DRK Görlitz

Sie war der Hingucker diesen Sommer am See: die neue Rettungsstation am Nordstrand. Sie steht unterhalb der Klein-Neundorfer Seezufahrt direkt am Radweg. Eigentlich nicht erst diesen Sommer, aber in diesem ging sie endlich in Betrieb. Und wurde von den See-Besuchern auch rege in Anspruch genommen, wie Alexander Peter vom DRK sagt, das die Station mit seinen Rettungsschwimmern besetzt.

Die hatten gleich in ihrer ersten Saison in der Rettungsstation gut zu tun - obwohl der Sommer eigentlich eher durchwachsen war und laut Alexander Peter weniger los war am See. 74 Einsätze stehen am Ende im Buch, das sind in etwa so viele wie 2020. 59 Mal ging es um Erste-Hilfe-Leistungen. Aber sie alle drehten sich um weniger dramatische Dinge.

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Einige Fahrradstürze über die umstrittenen Huckel am Nordoststrand waren auch dabei. Die Stadt hält aber an ihnen fest, ihr geht es darum, die Schrittgeschwindigkeit von maximal 7 km/h durchzusetzen, um den Strandbetrieb abzusichern. „Würden sie die Huckel in Schrittgeschwindigkeit überfahren, würde auch keiner zu Schaden kommen“, sagt Alexander Peter. Die Stadt hatte nach der großen Kritik am Anfang die Huckel später etwas abgeflacht und für bessere Sichtbarkeit zusätzlich markiert.

Um diese Huckel am Nordoststrand - sechs an der Zahl - entbrennen immer wieder neue Diskussionen.
Um diese Huckel am Nordoststrand - sechs an der Zahl - entbrennen immer wieder neue Diskussionen. ©  Archivfoto: Nikolai Schmidt

Fünfmal mussten seine Kollegen in diesem Sommer abgetriebenen Gegenständen hinterherschwimmen. Luftmatratzen, Bälle, aufblasbare Einhörner und Ähnliches treiben bei ablandigem Wind wie er am Nordstrand oft vorherrscht nun mal schnell ab.

Zweimal wurde die Rettungsstation in Vermisstenfällen zu Hilfe gerufen. Am Anfang der Saison musste einem Kitesurfer geholfen werden, der es aus eigener Kraft nicht wieder an Land schaffte, und deshalb geortet und gerettet werden musste. Mit der Suche nach einem vermissten Mann vor wenigen Tagen, bei der über dem Berzdorfer See ein Hubschrauber zum Einsatz kam, hatte das DRK aber nichts zu tun.

Was Alexander Peter und auch die Rettungsschwimmer vor Ort besonders freut: Am Nordstrand gab es keine dramatischen oder lebensbedrohlichen Situationen in diesem Sommer. Weil sie aber jederzeit eintreten können, wird geübt und nochmals geübt. Fast an jedem zweiten Wochenende. So kamen unter anderem auch DRK-Kollegen aus Pirna und Steglich nach Görlitz.

Die neue Rettungsstation des DRK am Nordstrand des Berzdorfer Sees. Die Stadt hat sie bauen lassen, Rettungsschwimmer des DRK betreiben sie.
Die neue Rettungsstation des DRK am Nordstrand des Berzdorfer Sees. Die Stadt hat sie bauen lassen, Rettungsschwimmer des DRK betreiben sie. © Rolf Ullmann

So wie das DRK im Norden kümmert sich die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft Görlitz (DLRG) auf der anderen Seeseite um die Sicherheit der Badegäste. Hier an der Blauen Lagune haben die Retter sowohl vom Wachturm als auch vom Steg aus ein Auge auf die Badenden.

Auch hier waren es deutlich weniger Besucher als in den Vorjahren - wetterbedingt. Ganze zwei Wochen war die Mannschaft der DLRG überhaupt nicht im Einsatz, da war es so herbstlich, dass an regen Badebetrieb nicht zu denken war.

Trotzdem sind insgesamt 1.500 Wachstunden zusammen gekommen - jeder Helfer und jede Minute sind da erfasst, wie Manuel Schulze von der DLRG Görlitz berichtet. An richtig heißen Tagen, wenn der Strand brechend voll ist, sind hier sechs Retter am Start. Doch die Besetzung der Dienste ist schwierig. Obwohl viel Werbung gemacht wird, sieht es mit Nachwuchs schlecht aus. Wie nötig die Aufmerksamkeit und auch die Anzahl der Einsatzkräfte ist, zeigte der Fall eines Badegastes an der Lagune, der so erschöpft war, dass er aus dem Wasser geholt werden musste.

Im Juni gab es einen tragischen Badeunfall an der Blauen Lagune. Die Retter kämpften vergeblich um das Leben eines 19-Jährigen.
Im Juni gab es einen tragischen Badeunfall an der Blauen Lagune. Die Retter kämpften vergeblich um das Leben eines 19-Jährigen. © Danilo Dittrich

Weiterhin stehen für den zu Ende gegangenen Sommer an der Lagune 30 Erste-Hilfe-Einsätze im Buch, kleine Dinge wie Insektenstiche nicht eingerechnet. „Gemeint sind damit ernstere Verletzungen, Verstauchungen zum Beispiel.“ Auf die Suche nach Vermissten mussten sich die DLRG-Leute dreimal machen - jedes Mal ging es um Kinder, die im Strandgewimmel den Eltern verloren gingen. Immer gab es ein glückliches Ende.

Anders als beim Badeausflug einer Gruppe Jugendlicher am 21. Juni. Dabei kam ein 19-jähriger Pole ums Leben, der ins Wasser gegangen war, unterging und später im Krankenhaus starb. Bei diesem Rettungseinsatz am frühen Morgen war die DLRG aber nicht beteiligt.

Im Sommer übte die DLRG auf dem Berzdorfer See auch, wie man gekenterte Boote wieder aufrichtet.
Im Sommer übte die DLRG auf dem Berzdorfer See auch, wie man gekenterte Boote wieder aufrichtet. © DLRG Görlitz

Dafür an zwei anderen tragischen Ereignissen, die wiederum nichts mit der Blauen Lagune zu tun haben. „Wir waren nach den beiden Bootsunglücken auf der Neiße bei der Vermisstensuche dabei“, erzählt Manuel Schulze.

Um in so dramatischen Situationen so gut und schnell wie möglich reagieren zu können, gibt es immer wieder Übungen. So übte die DLRG beispielsweise, wie umgekippte Segelboote aufgerichtet werden. Ganz zu Ende ist die Saison für die DLRG an der Lagune übrigens noch nicht. Auch beim Super-Hero-Run am 9. Oktober werden sie wie bei vielen anderen Events am See die Absicherung übernehmen.

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