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Görlitzerin macht mit Steinen schöne Gesichter

Simone Pötschke hat in Weinhübel ein Studio eröffnet. Ihre vier Kinder erklären sie für ein bisschen verrückt.

Simone Pötschke in ihrer Wellnessoase in Weinhübel.
Simone Pötschke in ihrer Wellnessoase in Weinhübel. © André Schulze

Die 53 Lenze sieht man ihr nun wirklich nicht an. Simone Pötschke wirkt wie Anfang 40, die Figur topfit, das Gesicht strahlend jung. Sie ist Sportlerin, schon seit sie ein kleines Mädchen war. Diese Leidenschaft fließt in die neue Existenz, die sie sich in einer Weinhübler Wohnung aufgebaut hat, mit ein.

„Feeling - die Wellnessoase“ hat sie es genannt und der Name ist Programm. Sie möchte, dass sich die Leute - vornehmlich Frauen - hier wohlfühlen, sich entspannen, Massagen und Gesichtsbehandlungen genießen können. Nebenbei ist die vierfache Mutter und vierfache Oma auch noch Personal-Trainerin, leitet über die Volkshochschule Trampolinkurse. Obwohl sie etwas ganz anderes gelernt hat. Nämlich Facharbeiterin für Datenbereitstellung im Görlitzer Waggonbau. Eigentlich sollte es auch beruflich in die sportliche Richtung gehen. Als Mädchen war sie so gut, dass sie auf die Sportschule sollte. „Ich sollte in die rhythmische Sportgymnastik, aber ich mochte viel lieber Geräteturnen“, sagt sie. Auch Ballett hat sie getanzt - und sich davon bis heute eine super Körperhaltung bewahrt. Doch zu DDR-Zeiten war es schwierig, einen sportlichen Beruf zu ergreifen.

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Schwere Jobsuche für vierfache Mutter

Dann, in den 1980ern kamen die Kinder, mit der Wende die Arbeitslosigkeit. Sie hat die bittere Erfahrung machen müssen, dass es mit vier kleinen Kindern schwer ist, einen neuen Job zu finden. Umschulungen, Weiterbildungen, Minijobs folgten. Sport rückte wieder mehr in den Fokus, als die Kinder größer waren. Schließlich wurde sie per Fernstudium Lehrerin für Fitness, begann in einem Görlitzer Fitnessstudio zu arbeiten. Später ließ sie sich noch zur Wellness- und Spa-Managerin ausbilden. 2017 tat sie sich mit einer Bekannten zusammen, gemeinsam gründeten sie auf der Louis-Braille-Straße „Ananda“, eine Praxis für Ganzheitliche Gesundheit & Ästhetik. Vor einigen Monaten trennten sich die Wege der beiden Frauen aber wieder, zu unterschiedlich waren ihre Ansichten über Unternehmensführung. Doch Simone Pötschke hatte die Selbstständigkeit für sich entdeckt, wollte weitermachen.

Im März eröffnete sie auf der Hospitalstraße ihr erstes eigenes Studio - ein kleiner Kundenstamm von der Kosmetik und ein paar Trampolin-Fans folgten ihr. Doch genau zwei Wochen später kam der Corona-Lockdown, sie musste wieder schließen. Als sie im Mai wieder öffnete, war schon klar, das die Hospitalstraße nichts für die Ewigkeit ist. „Die Räume waren nicht optimal, das waren Verkaufsräume, lang und schlauchartig - keine Studioräume.“

Hilfe bei verquollenen Augen

In Weinhübel wohnt Simone Pötschke, es lag also nahe, sich für den zweiten Anlauf hier etwas zu suchen. Sie fand es in der Martin-Ephraim-Straße. Eine schöne helle Wohnung ist jetzt ihr Studio. Mit staatlicher Hilfe, Privatkredit und familiärer Unterstützung wurde es möglich. „Meine Kinder haben mich ja für verrückt erklärt, ein eigenes Studio aufzumachen“, lacht sie. Zwischen 32 und 36 Jahre alt sind sie schon. „Mutti, Du bist bekloppt“, hätten sie gesagt. Doch ihr Mann, von dem sie getrennt lebt, habe sie bestärkt. Es sind 80 Prozent Freude und 20 Prozent Sorgen“, sagt sie. „Aber ich mach's einfach zu gern und 90 Prozent meiner Kunden kommen wieder. Also kann es nicht so verkehrt sein.“ Die Massagen nicht und auch die etwas andere Art von Kosmetikbehandlungen nicht.

Beispielsweise schabt Simone Pötschke ihren Kundinnen das Gesicht mit einem Jade-Stein ab, regt so den Lymphfluss im Gesicht an. „Wer morgens mal mit verquollenen Augen vor dem Spiegel steht, weiß, wovon ich rede.“ Auch Diamantenschleifer oder Mikronadeln kommen bei ihr zum Einsatz. „Leider ist die Kosmetik mit Apparaten noch nicht so bekannt.“ Gleiches gilt fürs sogenannte Sugaring. Die Haut wird mit einer Zuckerpaste eingerieben, anschließend können Haare leichter und nachhaltiger entfernt werden als beim Rasieren. Frau Pötschke bietet das übrigens für jegliche Körperstellen an. Doch auch das muss in Görlitz noch bekannter werden, findet sie.

Jede Woche nach Dresden

Ihr bestes Publikum hat sie in Dresden, wo sie in einem Schönheitsstudio einen eigenen Raum hat und einmal pro Woche vor Ort ist. Im Gegensatz zu Görlitz, wo sie in einer Gegend mit eher älterem, nicht so finanzstarkem Klientel ist, sei Dresden in dieser Hinsicht ein dankbares Pflaster. Die Menschen hier seien neugieriger, Neuem gegenüber deutlich aufgeschlossener. Sie kann sich vorstellen, noch einen zweiten Dresden-Tag einzurichten.

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