merken
PLUS Görlitz

Weniger Neugeborene im Görlitzer Klinikum

Von einem Baby-Boom nach dem ersten Lockdown ist nichts zu merken. Dafür haben es Mia und Leon an die Spitze der Vornamen-Hitliste geschafft.

So schön ist der grüne Kreißsaal im neuen Frauen-Mutter-Kind-Zentrum des Städtischen Klinikums Görlitz. Außer ihm gibt es noch einen roten und einen gelben.
So schön ist der grüne Kreißsaal im neuen Frauen-Mutter-Kind-Zentrum des Städtischen Klinikums Görlitz. Außer ihm gibt es noch einen roten und einen gelben. © Städtisches Klinikum Görlitz

Was für ein Jahr für die Hebammen im Klinikum. Umzug, Corona, dazu noch die tägliche Arbeit: Babys auf die Welt helfen. Allerdings: Weder sind es so viele wie in den Jahren davor, noch ist der vielbesagte Babyboom – ausgelöst durch den ersten Lockdown im Frühjahr – in Görlitz zu merken gewesen. 662 Babys standen kurz vor Weihnachten in den Büchern der Hebammen des Städtischen Klinikums, einige waren für die letzten Tage des Jahres noch zu erwarten.

An den Weihnachtstagen kamen sie aber nicht. Zwar gab es zwei Christkinder - jeweils ein Junge um 6 Uhr morgens und einer um 15 Uhr am 24. Dezember. Doch an beiden Weihnachtsfeiertagen wollte kein einziges Baby auf die Welt. "Das habe ich auch noch nicht erlebt, so eine Ruhe", sagt die leitende Hebamme Regine Werwoll. So ruhig werde es in den nächsten Tagen und zum Jahreswechsel aber wohl nicht bleiben.

Familie und Kinder
Familienzeit auf sächsische.de
Familienzeit auf sächsische.de

Sie suchen eine Freizeitplanung oder Erziehungsrat? Wir unterstützen Sie mit Neuigkeiten sowie Tipps und Tricks Ihren Familienalltag zu versüßen.

Dennoch lässt sich schon sagen, dass im Corona-Jahr insgesamt aber weniger Babys zur Welt gekommen als in den Vorjahren. 2019 waren es 704, im Jahr davor 790 und im Rekordjahr 2017 sogar 847. Dabei gab es dieses Jahr deutlich mehr Jungen (345) als Mädchen (317). Sieben Zwillingsgeburten haben die Hebammen 2020 notiert. Die geburtenstärksten Monate waren der Juli mit 66 sowie Mai und November mit jeweils 64 Kindern. Der Mai war auch der Monat, in dem das neue Frauen-Mutter-Kind-Zentrum bezogen wurde. Regine Werwoll kann sich lebhaft daran erinnern. „Gerade die erste Woche in den neuen Kreißsälen hatte es in sich, da gab es einen regelrechten Ansturm“, sagt sie. Doch auch das wurde gut geschafft, genau wie die ganze Zeit des Umzugs. Die Hälfte des Teams war mit den Umzugskisten beschäftigt, die andere Hälfte betreute die werdenden oder frischgebackenen Mütter.

Auch wenn das manchmal gar nicht so leicht ist, denn der Anteil ausländischer Mütter steigt stetig. Allein 108 polnische Frauen zählten die Hebammen im zu Ende gehenden Jahr. Mit ihnen ist die Verständigung kein Problem - entweder können sie Deutsch oder Englisch oder einer der polnischen Ärzte, die im Klinikum arbeiten, wird dazu gebeten. Schwieriger ist es mit den werdenden Müttern aus Syrien, der Ukraine, Griechenland, Lettland, Brasilien, Somalia. Aus all diesen Ländern lagen in diesem Jahr Frauen in den Görlitzer Kreißsälen. „Da muss es mit Händen und Füßen gehen. Das Kind kommt auf jeden Fall“, sagt Frau Werwoll. Problematischer sind da eher die Schriftstücke, die alle vorher auszufüllen sind.

Willkommensgeschenk für die Allerkleinsten: Jedes Baby, das im Klinikum zur Welt kommt, bekommt einen Body mit dem Aufdruck "Ich bin ein Görlitzer Original". Oberbürgermeister Octavian Ursu überreichte das erste Exemplar symbolisch an Geschäftsführerin Ul
Willkommensgeschenk für die Allerkleinsten: Jedes Baby, das im Klinikum zur Welt kommt, bekommt einen Body mit dem Aufdruck "Ich bin ein Görlitzer Original". Oberbürgermeister Octavian Ursu überreichte das erste Exemplar symbolisch an Geschäftsführerin Ul © Nikolai Schmidt

Corona hat die Arbeit der Hebammen 2020 zusätzlich erschwert. Routinemäßig wird bei allen Frauen, die kommen, ein Schnelltest gemacht - auch positive Ergebnisse hat es gegeben. Für das medizinische Personal bedeutet das doppelten Aufwand: Entbindungshilfe in dicker Schutzkleidung.

Einschränken mussten sich die Väter wegen Corona. Nur unmittelbar zur Geburt und noch zwei, drei Stunden danach durften sie ihrer Frau oder Freundin beistehen, dann hieß es Abschied nehmen bis zur Entlassung. „Das tut mir jedes Mal richtig weh, wenn ich sagen muss: So, Sie müssen jetzt gehen“, sagt Regine Werwoll. In der Wochenstation ist nun mal kein Besuch erlaubt. Genau wie die beliebten Kreißsaalbesichtigungen im Vorfeld der Entbindung nicht stattfinden konnten. Am meisten schmerzte das Hebammenteam, dass der Tag der offenen Tür ausfallen musste. Gerne hätten sie stolz ihre neuen Kreißsäle gezeigt. Die Schlange, die sich sonst an den Tagen der offenen Tür vor den Kreißsälen bildet, hat schon Tradition. Jeder will sehen, wo die Babys geboren werden - oder wo er selbst bald entbindet.

Drei Kinder, drei verschiedene Kreißsäle

Einen Publikumsliebling gibt es bei den drei neuen Kreißsälen übrigens nicht, da verteilen sich die Geschmäcker gleichmäßig auf rot, grün und gelb. Manche Mutter kennt sogar alle Kreißsaalstationen, hat das erste Kind noch im alten Haus H entbunden, wo der Kreißsaal über viele Jahrzehnte war, das zweite dann im Interims-Kreißsaal im Haus A und das dritte oder gar vierte Kind im neuen Frauen-Mutter-Kind-Zentrum. „Aber irgendwie fanden die Mütter alle Kreißsäle schön, wir haben uns ja auch immer viel Mühe gegeben, dass sie Wärme und Ruhe ausstrahlen“, sagt die Chef-Hebamme.

Der schönste Moment ist immer, wenn eine Mutter ihr Neugeborenes dann im Arm halten kann. 15 Jahre alt war dieses Jahr die jüngste Mutter, 47 die älteste. Spannend bei allen: wenn gefragt wird, wie das Kind denn heißen soll. Bei den Jungen geht der Siegeszug von Leon und Oskar auch 2020 weiter. Jeweils sieben kleine Buben wurden dieses Jahr so genannt. Schon 2017 und 2018 stand Leon auf Platz eins, 2019 übernahm Oskar die Führung. Nun teilen sie sich einvernehmlich die Spitzenposition. Auch bundesweit führt Leon das Ranking an, wie eine Auswertung des Schwangerschaftsportals Babelli.de bis Anfang Dezember ergab.

Bei den Mädchen hat diesmal Mia die Nase vorn, acht Mütter gaben ihrer Tochter diesen Namen. Damit liegt Görlitz ganz im Bundestrend. Laut Babelli.de lag Mia bis Anfang Dezember auch im ganzen Land vorn. Der beliebteste Name der Jahre 2017 und 2018 in Görlitz war Emma. 2020 steht Emma auf Platz fünf. Lena, der Lieblingsname im Vorjahr, schaffte es diesmal gar nicht in die Top 20. Grundsätzlich ist der seit Jahren anhaltende Hang zu alten Namen ungebrochen. So finden sich auch 2020 etwa Frieda, Klara, Johanna oder Selma bei den Mädchen und Kurt, Theodor, Paul oder Benno bei den Jungen auf den vorderen Plätzen.

Leon trat gleich zu Beginn des Jahres seinen Siegeszug als beliebtester Vorname an - am Jahresende zogen Leon und Oskar allerdings gleich. Juliane Enke brachte am 1. Januar 2020 in Görlitz ein Neujahrsbaby zur Welt und nannte es Leon.
Leon trat gleich zu Beginn des Jahres seinen Siegeszug als beliebtester Vorname an - am Jahresende zogen Leon und Oskar allerdings gleich. Juliane Enke brachte am 1. Januar 2020 in Görlitz ein Neujahrsbaby zur Welt und nannte es Leon. © Nikolai Schmidt

Die beliebtesten Vornamen 2020 in Görlitz

Mädchen

1. Mia (8)

2. Emilia (7)

3. Frieda (6)

4. Anna (5)

5. Emma (5)

6. Marie (5)

7. Nele (5)

8. Alicja (4)

9. Charlotte (4)

10. Emily (4)

Jungen

1. Leon (7)

2. Oskar (7)

3. Elias (6)

4. Antoni (5)

5. Ben (5)

6. Felix (5)

7. Kurt (5)

8. Leo (5)

9. Theodor (5)

10. Alexander (4)

Mehr Nachrichten aus Görlitz lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Niesky lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Görlitz