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Vergewaltigungsprozess in Görlitz geplatzt

Einer der beiden Angeklagten ist nicht erschienen. Das Gericht erteilt einen neuen Haftbefehl - und verhandelt gegen den zweiten Angeklagten in einem zweiten Fall.

Symbolfoto
Symbolfoto © dpa/David-Wolfgang Ebener

Das Vergewaltigungsverfahren gegen zwei junge Männer mit Migrationshintergrund vor dem Landgericht Görlitz ist am Donnerstagvormittag geplatzt, weil einer der beiden Angeklagten nicht erschienen war.

Den beiden zum Tatzeitpunkt jeweils 20 Jahre alten Angeklagten, die inzwischen in Solms (Hessen) und Aschaffenburg (Bayern) leben, wird vorgeworfen, sich in einer Novembernacht 2018 in einem Görlitzer Dönerimbiss an zwei damals 13 Jahre alten Mädchen vergangen zu haben.

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Laut Anklage sollen die beiden jungen Männer entgegen deren klar geäußerten Willen den Geschlechtsverkehr an den Mädchen vollzogen und dabei auch Gewalt angewendet haben.

Während sich einer der beiden Angeklagten, ein in Aleppo geborener Syrer, seit seiner Festnahme am 10. Dezember in Untersuchungshaft befindet und zum Verfahren vorgeführt wurde, war der Angeklagte aus Solms wieder freigelassen worden und erschien nun nicht zur Hauptverhandlung. Sein Verteidiger äußerte sich vor Gericht nicht dazu.

Das Landgericht Görlitz stellte daraufhin das Verfahren vorläufig ein, weil es nicht sinnvoll erscheint, dieses Missbrauchsverfahren zweimal durchzuführen - gegen jeden Angeklagten einzeln und mit doppelter Belastung unter anderem für die Opfer, die als Zeuginnen aussagen müssen. Das Verfahren soll zu einem späteren, noch unbekannten Zeitpunkt nachgeholt werden. Das Gericht erließ gegen den fehlenden Angeklagten einen Haftbefehl, um sein Erscheinen in einer neuen Hauptverhandlung abzusichern.

Weitere Vorwürfe gegen syrischen Angeklagten

Da die ursprüngliche Anklage um Vorwürfe gegen den anwesenden Syrer erweitert worden war, trennte das Landgericht dieses zusätzliche Verfahren ab und begann am Donnerstag mit der Verhandlung. Laut Anklage der Staatsanwaltschaft hat der Mann zu einer Frau über ein Onlinespiel Kontakt aufgenommen - unter Vortäuschung einer weiblichen Identität. Die Frau habe ihm dann Fotos ohne Kopfbedeckung und mit nacktem Oberschenkel geschickt. Jetzt habe der Angeklagte seine männliche Identität preisgegeben und damit gedroht, diese Fotos zu veröffentlichen und den Ehemann der Frau zu informieren - es sei denn, die Frau schicke ihm Nacktfotos. Dem kam die Frau nach.

Es gab laut Anklage eine weitere Nötigung, die in einer Vergewaltigung endete. Diesmal soll der Angeklagte zum Wohnort der Frau gefahren sein und von ihr erfolgreich Oralverkehr erpresst haben. Als die Frau dann im Februar 2020 in Görlitz zu Besuch war, soll der Angeklagte laut Anklage davon erfahren haben, und soll nachts in der Wohnung, in der die Frau zu Besuch war, über sie hergefallen sein, versucht haben, sie zu entkleiden und unsittlich berührt haben. Der Gastgeber sei hinzugekommen und habe den Angeklagten von der Frau gezogen.

Angeklagter streitet diese Taten ab

Vor Gericht ließ der angeklagte Syrer durch seinen Verteidiger eine Erklärung verlesen. Er habe die Frau tatsächlich bei einem Internetspiel kennengelernt, allerdings unter seiner wahren Identität. Es sei zu Chats gekommen, beide hätten Fotos hin- und hergeschickt, auch Nacktfotos. Alles freiwillig, eine Erpressung habe es nie gegeben. Er habe später mehrfach im Auto und in ihrer Wohnung einvernehmlichen Sex mit der Frau gehabt, bis es zu einem Streit mit gegenseitigen Drohungen kam.

Dieser Streit sei noch einmal gekittet worden, aber offensichtlich nur scheinbar. An jenem Tag im Februar sei er unter einem falschen Vorwand in diese Wohnung gelockt und im Badezimmer eingesperrt worden. Er habe sich dann mit Gewalt gegen die Badezimmertür befreit und die Wohnung verlassen, musste allerdings Handy und Turnschuhe zurücklassen. Fragen zu seiner Aussage ließ der Angeklagte zumindest am ersten Verhandlungstag nicht zu.

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Erschwerend dürfte für den Angeklagten wirken, dass er bereits einschlägig vorbestraft ist. Im November 2018 hat er laut einem rechtskräftigen Urteil eine Frau nach dem Weg gefragt, ihr dann einen Klapps auf das Gesäß gegeben, sie umfasst und ihr das Gesicht abgeleckt. Das Gericht urteilte eine Geldstrafe über 60 Tagessätze. Und zuvor, in den Jahren 2017 und Anfang 2018, hat er laut einem weiteren Urteil eine Frau gestalkt, wollte später mit der Drohung, sonst ihrem Mann etwas anzutun, ein Treffen erzwingen. Die Frau rief aber die Polizei. Diesmal gab es eine Geldstrafe über 70 Tagessätze. Das jetzt abgetrennte Verfahren wird am 15. März fortgesetzt.

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