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Görls setzen auf alten, neuen Trainer

Die Oberliga-Handballerinnen werden in der neuen Saison von Jörg Adam trainiert. Der 49-Jährige konnte aus einem bestimmten Grund nicht „Nein“ sagen.

Jörg Adam, der die Görlitzer Handballerinnen schon einige Jahre und bis zum Februar 2019 trainierte, ist der erste Trainer des neuen Vereins.
Jörg Adam, der die Görlitzer Handballerinnen schon einige Jahre und bis zum Februar 2019 trainierte, ist der erste Trainer des neuen Vereins. © SZ-Archiv / H.-E. Friedrich

Nun ist es raus: Jörg Adam, der die Görlitzer Handballerinnen von 2010 an vom Kellerkind der Sachsenliga bis an die Spitze der Mitteldeutschen Oberliga geführt hatte, bevor sich der damalige Verein Koweg Görlitz im Februar 2019 nach 22:0 Punkten von ihm trennte, wird das Oberligateam des neu gegründeten Görlitzer HC in der neuen Saison trainieren. Das war ursprünglich nicht der Plan.

Im Frauen-Handballverein sollten an möglichst vielen Positionen Frauen die Verantwortung übernehmen. Das war auch auf der Trainerposition so geplant. Der Görlitzer HC hatte auch eine vielversprechende Kandidatin im Blick. Aber deren Verpflichtung scheiterte letztendlich an der Jobvermittlung für deren Ehemann. „Finanziell sind wir nach den wenigen Monaten seit der Gründung noch nicht so aufgestellt, dass wir uns einen Profitrainer leisten können. Als die Vereinsspitze um Präsidentin auf mich zugekommen ist, den Trainierposten für die kommende Saison zu übernehmen, konnte ich nicht Nein sagen. Schließlich liegt mir sehr viel an diesem Projekt“, sagt Jörg Adam und fügt hinzu: „Wenn sich so jemand wie Elisabeth Puschmann in dieser Stadt so etwas zutraut und dieses Projekt als Präsidentin anführt, kann ich sie dann doch nicht im Regen stehen lassen.“

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Es wird eine schwere Aufgabe

Der erfahrene Trainer, der ja auch schon die Frauen des HC Neustadt/Sachsen als Trainer bis in die 2. Bundesliga geführt hatte, weiß allerdings, dass die Aufgabe eine schwere wird. Der Schwerpunkt wird auf den eigenen Nachwuchs gesetzt. Adam spricht von fünf bis sechs Spielerinnen, die aus den B-Juniorinnen ins erste Frauenteam aufrücken könnten. Eine unglaubliche Zahl, die wieder einmal vor Augen führt, wie gut die Nachwuchsarbeit im weiblichen Nachwuchshandball in Görlitz schon seit vielen Jahren ist. „Es macht unglaublich Spaß, mit diesen Spielerinnen zu arbeiten. Ich habe im Training derzeit 20 Spielerinnen“, sagt Adam schwärmend. Das sei manchmal sogar besonders anstrengend. Selbst in den Übungsspielen sitzen Spielerinnen auf der Wechselbank.

Trainiert wird gemeinsam mit den Spielerinnen des Verbandsligateams, und die Einheiten dienen auch als Sichtung für die neue Oberliga-Mannschaft. Die Motivation der jungen Spielerinnen, den Sprung auf die größere Bühne des Frauenhandballs zu schaffen, ist riesengroß. „Natürlich sind unsere Nachwuchsspielerinnen gut ausgebildet, punkten zusätzlich mit ihrer Unbekümmertheit und Schnelligkeit, aber trotzdem wäre es mit ihnen allein sehr schwierig, die Klasse in der Oberliga zu halten“, schätzt Adam ein. Der Grund: Im Handball braucht es viel Körperlichkeit und vor allem Erfahrung. Das Durchsetzungsvermögen in Angriff und Abwehr muss ein ganz anderes sein als noch im Nachwuchs.

Kader wird mit drei erfahrenen Spielerinnen verstärkt

Und die Handlungsschnelligkeit und das richtige Antizipieren von Spielsituationen kommen ganz einfach erst im Laufe der Zeit nach vielen Spielen. Nicht umsonst setzen viele Konkurrentinnen in der Oberliga auch auf altinternationale Spielerinnen. „Wir planen deshalb, unseren Kader noch mit drei erfahrenen Spielerinnen zu verstärken“, sagt Jörg Adam. Ihm als Co-Trainerin zur Seite stehen wird Yvonne Kurtycz, die für das damalige Löbauer Oberligateam und für Koweg Görlitz eine sehr wichtige Spielerin war.

„Ich bin mir sicher, dass ich wie von allen meinen bisherigen Co-Trainern auch von ihr profitieren werde. Und sie hat sich bereiterklärt, eine Trainerkarriere mit allem Drum und Dran zu starten, auch mit dem Erwerb einer Lizenz“, erklärt Adam. Dessen Planungen für den neuen Trainerjob gehen erst mal „nur“ ein Jahr: „Die Zeit ist so kurzlebig, da weiß man gerade als Trainer nie, was kommt. Und ich sehe meine Zukunft sowieso eher im Nachwuchsbereich.“

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